Rapperswil-Jona
05.07.2019

CHANDIRAMANIS BÖRSENWOCHE NR 27

Das zweite Halbjahr geht mit anhaltend tiefen Zinsen und einer positiven Börse weiter. Gleichzeitig wird die Finanzierung der AHV weiter vor sich her geschoben.

Das zweite Halbjahr 2019 begann überall ruhig, diese Flaute erinnerte bereits an die bevorstehenden Sommerferien. Die Unternehmensmeldungen flossen sehr spärlich. Dies hat auch mit den USA zu tun, wo am 4. Juli die Unabhängigkeit gefeiert wurde. Die Gesamttendenz an den Aktienbörsen blieb anhaltend freundlich. Der G20-Gipfel, und vor allem die Präsidenten Trump und Kim legten mit neuen Friedenbemühungen zwischen den USA und Nordkorea eine Basis für weitere Kursavancen. Auch der anhaltende Abwärtstrend bei den Zinsen stützte die Aktien- und Rohstoffmärkte und gab auch den EU-Südstaaten eine Verschnaufpause bezüglich der Verschuldungsproblematik.

Ruhige Schweizer Börse trotz EU-Gegenmassnahmen

Zum ersten Mal wurden in der Schweiz und in Europa Aktien gehandelt ohne gegenseitige Anerkennung der Börsenäquivalenz. Der Konflikt um das geplante Rahmenabkommen ist noch nicht beigelegt, Lösungen sind in weiter Ferne. Hoffnungen werden auf die Neubesetzung der EU-Spitzenfunktionäre gesetzt. Bankkunden spürten jedoch von diesen Strafnassnahmen vorerst nur weinig. Die seit Montag geltenden Schutzmassnahmen des Bundesrats für die Schweizer Börse greifen. So ist das Handelsvolumen an der Börse SIX mit Schweizer Aktien in den ersten Julitagen gemäss Händlerangaben im Vergleich zur Vorwoche deutlich angestiegen. Steigende Volumen und Kursavancen erfassten praktische alle Branchen und Titel. Der SMI-Börsenindex erreichte neue Allzeit-Höchstmarken, deutlich über 10‘000 Punkten. Erst am Freitag kam es zu kleineren Gegenbewegungen.

Tiefe Zinsen und Finanzierung der AHV

Für das zweite Halbjahr 2019 kann man davon ausgehen, dass Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt in den USA, Europa und Asien weiterhin tief bleiben. Die expansive Geldpolitik der Zentralbanken sowie Anzeichen einer Entspannung im Handelsstreit sprechen dafür, dass Dividendenpapiere auch in der zweiten Jahreshälfte stark nachgefragt werden. Aber tiefe Zinsen, wie wir seit über zehn Jahre seit der Finanzkrise kennen, sind weiterhin das «süsse Gift» unserer Wirtschaft und der Aktienbörsen und haben auch ihre Schattenseiten.

Unsere Altersvorsorge (Pensionskassen) werden zunehmend destabilisiert. Das Dreisäulenprinzip ist ein «Kind» der siebziger und achtziger Jahre, als der Anleihenszins durchschnittlich über fünf Prozent lag. Heute bringen eigentlich nur noch Aktien und Liegenschaften solche Traumrenditen. Beide Anlagekategorien sind jedoch bereits überkauft. Die Politik muss für die Zukunft Reformen vornehmen. Die Senkung der Renten- und Umwandlungssätze (heisst tiefere Altersrenten) und sämtliche Kompromisse in diese Richtung sind weiterhin sehr unbeliebt. Auch bei der AHV plant man eine Anhebung des Rentenalters. Das ist im Moment politisch nicht konsensfähig, weil es für ältere Leute über 50 kaum Jobs gibt. Arbeitgeber bevorzugen jüngere und billigere Ausländer. Anpassenden im ganzen Rentensystem wären dringend nötig, weil es immer mehr Leute im Pensionsalter gibt. Die Menschen leben immer  länger, dank medizinischem Fortschritt, was ja eigentlich erfreulich ist.

Christopher Chandiramani