Home Region Sport In-/Ausland Magazin Agenda
Uznach
30.10.2022
29.10.2022 09:12 Uhr

Ernüchterung in der Alterspolitik

BesucherInnen am Marktstand der Genossenschaft KISS Linth, die Nachbarschaftshilfe anbietet.
BesucherInnen am Marktstand der Genossenschaft KISS Linth, die Nachbarschaftshilfe anbietet. Bild: Werner Hofstetter, Linth24
Am Informationsabend des Uzner Gemeinderats zur Alterspolitik stellten Dienstleister ihre Angebote vor. Für Ernüchterung sorgte indes die Machbarkeitsstudie für neue Wohnformen. Ein Umdenken ist nötig.

Der Gemeinderat Uznach lud die Einwohner erneut zu einem Informationsabend mit dem Thema «Alterspolitik» ein. Diesmal wurde Gelegenheit geboten, mit den Leistungsträgern im Linthgebiet Kontakt zu suchen. Vorgestellt haben sich Spitex, Pro Senectute, Entlastungsdienst, KISS, evangelische Kirchgemeinde und katholische Kirche Obersee.

Mehr Selbstbestimmung und Selbstständigkeit angestrebt

Mit der Alterspolitik schafft die Gemeinde Rahmenbedingungen, damit ältere Menschen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, ihr Recht auf Selbstbestimmung nutzen und dort Unterstützung erhalten, wo sie es benötigen. Viele Frauen und Männer können ihr Leben auch im Pensionsalter selbstständig und nach eigener Vorstellung weiterführen. Die meisten gehen keiner Erwerbstätigkeit nach, sie nehmen aber an kulturellen und gesellschaftlichen Anlässen teil, pflegen Freundschaften und sind (immer noch) willkommene Helfer in der Familie oder Vereinen.

  • Ebenfalls präsent waren der Entlastungsdienst (l.) sowie die Spitex Linth. Bild: Werner Hofstetter, Linth24
    1 / 2
  • An den Ständen wurde Infomaterial zur Verfügung gestellt. Bild: Werner Hofstetter, Linth24
    2 / 2

Mit der Alterspolitik will Uznach die Selbstständigkeit fördern und unterstützen. Ein Eintritt in ein Alters- oder Pflegeheim soll so spät wie möglich erfolgen oder gar vermieden werden. Dazu dient eine Beratungsstelle, die über Wohnmöglichkeiten Auskunft gibt. Gemeindepräsident Diego Forrer, Gemeinderätin Isabelle Kuster und Martina Gebhardt zeigten Wege auf, Visionen, Strategien, Vernetzungspartner, Umsetzung usw. Dazu stehen eine Fülle von Angeboten den älteren Uznern zur Verfügung. Die Standaktionen zeigten erste Schritte.

Neue Wohnformen im Altersheim Städtli «nicht realisierbar»

Ein ganz «heisses Thema» war das Altersheim Städtli am Wiesenrain. Es konnte eine wenige Stunden alte Machbarkeitsstudie präsentiert werden. Es lagen drei Varianten vor: 1) Aufstockung, 2) Anbau, 3) Erweiterungsbau. Vorgesehen waren 2½-Zimmer-Wohnungen, 3½-Zimmer-Wohnungen und eine Tiefgarage. Dass ein Aufbau oder Erweiterungsbau Probleme mit sich bringen punkto Ortsbild, Statik und Brandschutz, ist ganz klar. Dazu kommen noch die Baukosten.

Nach Ausweis der Machbarkeitsstudie scheinen neue Wohnformen im Altersheim Städtli nicht realisierbar. (Archivbild) Bild: Werner Hofstetter, Linth24

Als Forrer von den Mietkosten sprach, ging ein Raunen durch die Reihen. Bei einer 2½-Zimmer-Wohnung käme der Monatsmietpreis auf 2'750.- bis 3'200.- Franken zu stehen. Für eine 3½-Zimmer-Wohnung gar auf 4'230.- bis 4'700.-. Da musste auch der Gemeindepräsident feststellen: «Nicht realisierbar».

Da ging natürlich die Diskussion in der Runde los zur Frage: «Warum interessiert sich die Gemeinde zu wenig für den Kauf und Ausbau des stillgelegten Pflegezentrums?» Ein Votant meinte, für einen Neubau nach modernsten Vorgaben müsste die Wiese Äschensack-Weinberg überprüft werden.

Gemeinderat muss über die Bücher

Die Senioren gingen eher enttäuscht nach Hause. Die Informationen über allgemeine Altersfragen waren dürftig. Die Vorstellung einer Erweiterung des Altersheims war ein «Schlag ins Gesicht».

Der Gemeinderat muss nun die Altersproblematik in Uznach ganz gründlich überdenken. Er muss in absehbarer Zeit eine neue Lösung präsentieren, um das Problem «Alter» zu meistern.

Werner Hofstetter, freier Mitarbeiter Linth24