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Uznach
10.11.2021
10.11.2021 18:06 Uhr

Uzner Altersversorgung neu mit mehr Selbstbestimmung

Die vier Puzzleteile der künftigen Altersversorgung: Altersberatung, Gutschriften, ambulante Dienstleistungen und neue Wohnformen.
Die vier Puzzleteile der künftigen Altersversorgung: Altersberatung, Gutschriften, ambulante Dienstleistungen und neue Wohnformen. Bild: zVg
Die Gemeinde Uznach informierte am Dienstag über den Stand des Pilotprojekts Altersversorgung. Diese wird personenzentriert. Geplant sind neue Wohnformen, mehr ambulante Angebote und Beratung.

So sieht die künftige Uzner Altersversorgung aus

  • Die Versorgung soll eine personenzentrierte Ausrichtung erhalten. Die Finanzierung der einzelnen Elemente daraus erfolgt unterschiedlich.
  • Neue Wohnformen werden gefördert: Wohnungen mit Serviceleistungen, Pflegewohngruppen oder Generationenhäuser. Das Altersheim Städtli soll auf Personen mit hohem Pflegebedarf fokussieren.
  • Ambulante Angebote werden ausgebaut und besser vernetzt: Spitex, palliative Pflege/Betreuung und Entlastungsdienst.
  • Eine unabhängige Beratungsstelle soll informieren, beraten und bei Bedarf auch Dienstleistungen organisieren. Sie soll Gutschriften für Unterstützungsangebote ausstellen können.

Der Gemeindepräsident Diego Forrer begrüsste eingangs die interessierte Bevölkerung sowie Vertretungen der umliegenden Gemeinden und des Kantons.

Anschliessend präsentierte Martina Gebhardt, Projektleiterin des Pilotprojekts Altersversorgung, den rund 80 Anwesenden die zukünftige Ausgestaltung der Altersversorgung in Uznach.

Wie sieht die Altersversorgung heute in Uznach aus?

Heute sind verschiede Anbieter und Anbieterinnen im ambulanten Bereich tätig. Mit Ausnahme der Spitex-Linth und der Essenslieferungen der Metzgerei Jud erbringen sie ihre Leistungen auf freiwilliger Basis. Auffällig ist, dass rund ein Drittel der Personen in stationären Einrichtungen weniger als eine Stunde Pflege pro Tag benötigen, was volkswirtschaftlich nicht sinnvoll ist.

Bei den Auswertungen der Daten wurde zudem ersichtlich, dass etwa gleich viele Personen im Heim wie Zuhause mit Unterstützungsbedarf leben. Das liegt deutlich über dem Schweizer Durchschnitt (doppelt so viele zuhause wie im Heim). 80 Prozent der Unterstützungsleistungen der Gemeinde werden für Personen im Heim und nur 20 Prozent für die gleiche Anzahl Personen zuhause ausgegeben.

Wie soll die zukünftige Altersversorgung aussehen?

Der Gemeinderat hat schon vor der Anstellung von Martina Gebhardt beschlossen, die zukünftige Altersversorgung personenzentriert auszurichten. Was heisst das konkret?

Der Wunsch der älteren Bevölkerung, möglichst lange Zuhause wohnen zu bleiben, soll gezielt gefördert werden. «Neue» Wohnformen sollen zudem das Wohnen zuhause auch bei Unterstützungsbedarf vereinfachen. Die regionale Zusammenarbeit soll gefördert und die Ausgaben der öffentlichen Hand für die Altersversorgung vermehrt für ambulante Dienstleistungen eingesetzt werden.

Wie sollen diese Ziele erreicht werden?

Vier Puzzlesteine sind nötig, damit die zukünftige Altersversorgung mit dem Ziel der personenzentrierten Versorgung erreicht werden kann.

  1. «Neue» Wohnformen sind zu fördern, seien dies Wohnungen mit Serviceleistungen, Pflegewohngruppen oder auch Generationenhäuser.
    Das Altersheim Städtli soll vermehrt Personen aufnehmen, die einen hohen Pflegebedarf aufweisen.
  2. Die ambulanten Angebote sollen ausgebaut und vernetzt werden. Dies gilt insbesondere für Angebote im Bereich der Spitex, wie beispielsweise Nachtspitex oder palliative Pflege und Betreuung. Diese zusätzlichen Angebote sollen Sicherheit – auch bei Nacht – und auch das Sterben zuhause ermöglichen.
    Weiter soll eine Leistungspflicht für hauswirtschaftliche Leistungen sicherstellen, dass z.B. ein Spitalaustritt am Samstagabend einfacher möglich wird.
    Der Entlastungsdienst, der bis anhin seine Unterstützung ausschliesslich mit Spenden finanziert hat, soll durch eine Leistungsvereinbarung von der Gemeinde unterstützt werden.
    Ein weiterer wichtiger Pfeiler ist die Vernetzung der Leistungserbringer und vor allem auch der Freiwilligen.
  3. Eine unabhängige und aufsuchende Beratungsstelle soll Personen mit Unterstützungsbedarf informieren, beraten und bei Bedarf auch Dienstleistungen organisieren können.
    Diese Stelle soll in Anlehnung an die Anlaufstelle Alter der Stadt Luzern aufgebaut werden. Deshalb erläuterte die Leiterin der Anlaufstelle Alter, Evelyne Schrag, im Anschluss an die Präsentation von Frau Gebhardt, das Angebot.
  4. Die Beratungsstelle soll, ebenfalls in Analogie zur Anlaufstelle Alter der Stadt Luzern, Gutschriften für Unterstützungsangebote ausstellen können, um Personen mit knappen finanziellen Mitteln oder pflegende Angehörigen zu entlasten.

Diese vier Puzzleteile ermöglichen, dass die zukünftige Altersversorgung dem Bedürfnis der älteren Bevölkerung nachkommt, länger in den eigenen vier Wänden zu leben.

Hierfür ist auch die regionale Zusammenarbeit zu fördern. Einerseits auf politischer Ebene, um Synergien nutzen zu können, beispielsweise beim Aufbau der Nachtspitex, andererseits auf fachlicher Ebene, um auch hier Synergien nutzen zu können (z.B. beim Controlling der Pflegefinanzierung oder bei Erstellen von Leistungsvereinbarungen).

Wie soll die zukünftige Altersversorgung finanziert werden?

Die Altersberatung als wichtiges Element der zukünftigen Altersversorgung soll zusammen mit dem Kanton finanziert werden. Dies vor dem Hintergrund, mit der Beratung auch Heimeintritte verzögern zu können, was insbesondere zu Einsparungen bei den Ergänzungsleistungen, also Ausgaben des Kantons, führt.

Der Ausbau der ambulanten Dienstleistungen soll zusammen mit der Region aufgebaut und finanziert werden.

Die «neuen» Wohnformen sollen mit privaten Anbietern erstellt werden.

Was sind die geplanten nächsten Schritte?

Es werden Verhandlungen mit dem Kanton aufgenommen, damit die Altersberatung bald starten kann. Die Bürgerschaft wird anfangs nächsten Jahres über die Pläne der Gemeinde informiert. Weiter wird eine Machbarkeitsstudie zu Wohnformen in Auftrag gegeben.

Der Verein Region ZürichseeLinth (RZL) plant ebenfalls auf Anfang 2022 einen Workshop zum Thema Alter.

Wie funktioniert die Anlaufstelle Alter der Stadt Luzern?

Die Anlaufstelle Alter informiert, berät und vermittelt die Personen zielgerichtet an die verschiedenen Leistungserbringer. Die Personen können anhand eines zugesandten Fragebogens selber einschätzen, ob eine Beratung für sie sinnvoll ist. Zwei Drittel der Beratungen finden bei den Personen zuhause statt.

Neben der Beratung kann die Anlaufstelle Alter Gutscheine für Unterstützungsleistungen aussprechen. So können schnell und unkompliziert z.B. zusätzliche Entlastung, Taxifahrten oder hauswirtschaftliche Leistungen finanziert werden.

Die Beratungen der Anlaufstelle Alter werden von den Betroffenen, aber auch von den Angehörigen sehr geschätzt.

Fragerunde und Marktplatz der Leistungserbringer

Anschliessend erhielten die Zuhörerinnen und Zuhörer Gelegenheit, Fragen zu stellen.

Von Interesse war dabei, wie die Anlaufstelle in Luzern genau funktioniert sowie auch mögliche Wohnformen, die aber in Uznach noch fehlen. Spürbar war auch die Besorgnis, die die Schliessung des Pflegezentrums Linthgebiet bei einigen Anwesenden ausgelöst hat.

Gemeinderätin Isabelle Kuster schloss die Fragerunde mit einer Geschichte über das Ehepaar Wyss, beide 81-jährig. Sie müssen nun beginnen, sich Gedanken zu machen, wie es weiter geht, wenn sie nicht mehr in ihrer 2,5 Zimmerwohnung leben können. Sie stellen fest, dass weder Heim noch Altersüberbauung ihren Bedürfnissen entsprechen und wollen selbst aktiv etwas kreieren. Mit der zukünftigen Altersversorgung möchte die Gemeinde die älteren Personen in ihrer Selbständigkeit und Selbstbestimmung unterstützen.

Der Marktplatz stiess auf reges Interesse der rund 70 Besucherinnen und Besucher. Auch die 11 Leistungserbringer haben diese Plattform zur Information und zum Austausch sehr geschätzt.

Martina Gebhardt, Projektleiterin Pilotprojekt Altersversorgung Uznach