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Kultur
26.01.2022
26.01.2022 16:07 Uhr

Eindrücklicher Besuch der «Grossen Regionalen»

Simone Kobler (r.), Co-Direktorin des Kunst(Zeug)Hauses, erzählt die Entstehung des Kunstwerkes von Andreas Weber: «La Boite-non-ouverte».
Simone Kobler (r.), Co-Direktorin des Kunst(Zeug)Hauses, erzählt die Entstehung des Kunstwerkes von Andreas Weber: «La Boite-non-ouverte». Bild: Marie-Eve Hofmann-Marsy
Eine spannende Führung durch eine grossartige Ausstellung von Kunstschaffenden aus sechs Kantonen erlebten die Mitglieder des Kunstvereins Oberer Zürichsee im Kunst(Zeug)Haus in Rapperswil.

Das Interesse an Kunst und Kultur ist nach wie vor – trotz oder wegen der Pandemie – unglaublich gross. 50 Mitglieder des Kunstvereins Oberer Zürichsee (und viele waren noch auf einer Warteliste) besuchten am Montagabend die «Grosse Regionale» in Rapperswil, die jurierte Ausstellung, die mit einem sehr anspruchsvollen Querschnitt zeitgenössischer Kunst lockt.

Führung durch Co-Direktorin und drei Kunstschaffende

Co-Direktorin Simone Kobler und drei KünstlerInnen entführten die Mitglieder im Kunst(Zeug)Haus in ein Reich der Sinne, das auf der grossen Vielfalt der Medien fusst und auf eindrückliche Weise die hohe Qualität der zeitgenössischen Kunst mit Malereien, Skulpturen, Installationen, Fotografie, Video, digitale Arbeiten und Performances zeigt.

Hedi K. Ernst erklärte nicht nur ihre eigenen ausgestellten Werke, sondern fühlte sich in die Werke aller ausstellenden Kunstschaffenden professionell ein, begleitet von Aramis Navarro und Regula Pöhl mit spannenden Ergänzungen zu ihren eigenen Kunstwerken.

  • Hedi K. Ernst (r.) vor ihrer prächtigen Installation «Orchidee», einer Symbolik der Reinheit, Sexualität und Fruchtbarkeit. Bild: Marie-Eve Hofmann-Marsy
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  • Aramis Navarro (vorne) zeigt in «time studies» seine physikalischen Gedankenexperimente, in denen er wortwörtlich die Vergangenheit mit der Gegenwart vernäht. Bild: Marie-Eve Hofmann-Marsy
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  • Die Künstlerin Regula Pöhl (r.) führt die Kunstverein-Mitglieder in ihr Werk «Zugang» ein. Bild: Marie-Eve Hofmann-Marsy
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Die skulpturale Installation von Hedi K. Ernst umfasst zwölf zart wirkende, beflockte, weisse Orchideen, kombiniert mit einer übergrossen, deren farbiger Mittelpunkt fokussiert. Es gehe hier um die Symbolik der Reinheit, der guten Absichten, der Sensualität, der Sexualität und damit auch um Fruchtbarkeit, erklärt die Künstlerin.

Aramis Navarro, dessen künstlerisches Schaffen sowohl durch Sprache als auch Zeit und Wahrnehmung geprägt ist, zeigt in «time studies» seine physikalischen Gedankenexperimente, in denen er wortwörtlich die Vergangenheit mit der Gegenwart vernäht.

Regula Pöhl, die gemeinsam mit Daniela Villiger «ZündWerk» bildet, befördert mit der architektonischen Skulptur «Zugang» die Betrachter in einen Zustand von Irritation und individueller Fiktion und stellt folgerichtig die Frage nach dem Zugang – wozu?

  • In «Land of Disorder» von Magdalena Baranya sind Plüschtiere in Keramik gegossen und auf einem Polystyrolspiegel montiert. Bild: Marie-Eve Hofmann-Marsy
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  • Rik Beermsterboer ist ein Meister des Details und überrascht mit den übergrossen Gemälden vierer Bundesräte. Bild: Marie-Eve Hofmann-Marsy
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Installationen, geschaffen von gleich mehreren und auch wechselnden KünstlerInnen, die sich als fluides Kollektiv bezeichnen und gleich mehrere Medien zu einem überraschenden Ganzen kombinieren, oder die aus Keramik gegossenen und bemalten Plüschtiere von Magdalena Baranya, deren Titel aus einem Kinderbuch entliehen wurde.

Vier überdimensionale Ölbilder ziehen den Blick magisch an, denn so nah und direkt hat sich wohl noch keiner an vier Bundesräte gewagt, wie der Maler Rik Beemsterboer. Lotta Gadola dreht sich übergross in ihrer Videoinstallation als Skulptur im Raum, zieht drei schwarze Streifen über ihre Haut und zeigt damit auf, wie junge Menschen durch Mode beeinflusst werden.

Ein sehr ungewöhnliches Werk ist «La Boite-non-ouverte» von Andreas Weber. Er bat Kunstschaffende, ihm ein Paket, gefüllt mit Objekten, zuzusenden, die er in der Arztpraxis röntgen liess und die Aufnahmen zu einem Gesamtkunstwerk zusammenstellte. Das eine leere Röntgenbild hat eine traurige Geschichte, denn der Künstler und Kurator Stefan Banz starb während der Entstehung und so liegt sein auf dem Boden liegendes Paket ungeöffnet als Erinnerung vor dem aus 163 einzelnen Aufnahmen bestehenden Werkes.

Und noch viele weitere Kunstschaffende wären zu erwähnen, alle mit grossartigen Arbeiten.

Kunstschaffen aus sechs Kantonen zu sehen

Die «Grosse Regionale» im Kunst(Zeug)Haus und in der Alten Fabrik in Rapperswil ist die Plattform für das aktuelle Kunstschaffen. Die jurierte Ausstellung umfasst Werke von KünstlerInnen aus den sechs Kantonen St.Gallen, Appenzell IR und Appenzell AR, Glarus, Schwyz und Zürich.

Die überaus interessante Werkschau wird zum vierten Mal gemeinsam mit dem Kunst(Zeug)Haus und der Gebert Stiftung für Kultur durchgeführt. Die Ausstellung ist noch bis zum 6. Februar 2022 zu sehen.

Die nächste Veranstaltung des Kunstvereins ist am 25. Februar mit dem Besuch der Stiftsbibliothek St.Gallen und dem Atelier Marlies Pekarek.

Kunstverein Oberer Zürichsee: www.kunstverein-oz.ch

Marie-Eve Hofmann-Marsy, Kunstverein Oberer Zürichsee