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Rapperswil-Jona
23.01.2022
21.01.2022 17:48 Uhr

Josephine retour in Rwanda, Teil 4

Josephine Niyikiza ist zum ersten Mal zurück in Rwanda – von ihren Eindrücken erzählt sie hier auf Linth24.
Josephine Niyikiza ist zum ersten Mal zurück in Rwanda – von ihren Eindrücken erzählt sie hier auf Linth24. Bild: zVg
Zum ersten Mal seit 28 Jahren kehrt Josephine nach Rwanda zurück. Im viertenTeil ihres Reiseberichtes schwelgte sie mit ihrer besten Freundin von früher in emotionalen Kindheitserinnerungen.

Nach ihrer Flucht 1994 kehrt die in Jona wohnhafte Josephine Niyikiza zum ersten Mal nach 28 Jahren in ihr ursprüngliches Heimatland Rwanda zurück. Auf Linth24 erzählt sie von ihren Erfahrungen. Nach Teil 1, Teil 2 und Teil 3 folgt nun der vierte Teil.

  • Reisebericht aus Rwanda von Josephine

«Am Tag nach dem eindrucksvollen Besuch meines Dorfes gönnten wir uns am Morgen eine 3-stündige Bootsfahrt auf dem Kivusee. In gemütlichem Tempo tuckerten wir Richtung vorgelagerte Inseln. Das Angebot unseres Führers, im See zu schwimmen, lehnten wir ab, da uns der Tropenarzt davon abriet in den Gewässern Rwandas zu baden. Eine der Inseln heisst aufgrund ihrer Form Napoleon. Diese steuerten wir an und sahen zu meinem Erstaunen Kühe. Der Guide erzählte uns, dass die Kühe hergeschwommen sind, was ich kaum glauben konnte. 

Es folgte eine abwechslungsreiche, aussichtsreiche Wanderung zum Gipfel, auf welchem wir mit einer wunderbaren Aussicht belohnt wurden. Im Gegensatz zur Hinfahrt hatten wir diesmal Glück und sahen auf einer anderen Insel Affen und schauten ihnen eine Weile zu – so süss!

  • Eine 3-stündige Bootsfahrt auf dem Kivusee kann man sich nicht entgehen lassen. Bild: zVg
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  • Die Napoleon Insel. Bild: zVg
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  • Bild: zVg
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  • Auf dem Rückweg sah Josephine auch noch süsse Äffchen. Bild: zVg
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Mittagessen bei Verwandten

Zum Mittagessen waren wir bei einer Verwandten eingeladen. Das Essen war super fein und ich genoss die gemeinsame Zeit sehr. Es tut so gut Verwandte und Bekannte, welche ich in der Schweiz über verschiedenste Kanäle gefunden habe, jetzt in Rwanda physisch zu treffen. Ich bin natürlich sehr dankbar für all die Möglichkeiten von Videocalls, sie helfen Distanzen zu überwinden. Aber Begegnungen in echt sind ganz was anderes und nach 28 Jahren was ganz Spezielles.

Gegen Abend fuhren wir wieder nach Kigali und kamen gerade rechtzeitig an, damit unser Chauffeur noch kurz vor der Corona Nachtsperre zuhause ankam, welche um 22 Uhr beginnt.

  • Beim leckeren, afrikanischen Essen... Bild: zVg
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  • ...schöpft man gerne auch mehrmals. Bild: zVg
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Wiedersehen mit der Kindheitsfreundin

In den nächsten Tagen habe ich in Kigali Administratives erledigt und verschiedene Leute getroffen, darunter war auch ein Treffen mit meiner besten Kindheitsfreundin aus dem Dorf, die in der Zwischenzeit in Kigali wohnt und arbeitet – wow, war dies cool und sehr emotional! Wir lachten viel, als wir uns über unsere Kindheitserinnerungen austauschten. Hinzu kam ein Austausch über unsere Erlebnisse in den letzten 28 Jahren – hier gab es ab und zu auch Tränen. Es war eine Freude für mich zu erkennen, dass wir immer noch seelenverwandt sind. Ich bin sicher, dass wir in Kontakt bleiben.

Zeit zu zweit mit der Schwester

Meine Schwester konnte einen halben Tag frei nehmen. Diesen nutzten wir für Zeit zu zweit. Diese ist wichtig, denn wir müssen nach 28 Jahren zuerst wieder vertraut werden. Sie durfte sagen was sie schon lange mal gerne machen wollte. Und so landeten wir im Unterhaltungspark von Kigali. Sie hatte einen Riesenspass und genoss die 3 Stunden in vollen Zügen. Sie strahlte wie ein kleines Kind!

Josephine verbringt wunderschöne und emotionale Stunden mit ihren Verwandten und Freunden. Bild: zVg

Konsequent umgesetzte Massnahmen

Natürlich verbringe ich auch Zeit beim Shoppen. Ich staune immer wieder, wie konsequent die Corona Massnahmen umgesetzt werden. Bei jedem Shopping Center, sei es noch so klein, wird die Temperatur gemessen und bevor man in ein Laden kann, muss man die Hände waschen. Hierzu haben sie kleine, mobile Handwaschstationen gebaut. 

Vor dem Betreten des Ladens müssen die Hände gewaschen werden. Bild: zVg

Unterhaltungen mit einem Bettler-Kind

Auf einem Markt hat ein Kind gebettelt und gesagt, dass es Hunger habe. Geld wollte ich keines geben, da ich skeptisch war, was mit diesem dann passieren würde. Da wir gerade auf dem Weg in ein Restaurant waren, nahmen wir das Kind mit. Während dem Essen erzählte er uns ein bisschen aus seinem Leben. Er ist 8 Jahre alt, lebt mit seiner Mutter und 4 Geschwistern in einem Zimmer, den Vater und weitere Verwandte kennt er nicht. Die Mutter ist krank und kann nicht arbeiten. Die Kinder gehen nicht zur Schule, da sie die Zeit brauchen, um ihren Lebensunterhalt mit Betteln zu finanzieren. Dabei muss er sich immer wieder verstecken, denn Schule ist obligatorisch.

Nachdem er das Süssgetränk getrunken hatte, war das ausgewählte Menü grösser als sein Hunger. Die Resten wurden eingepackt und er nahm sie mit nach Hause. Dieses Schicksal hat mich sehr berührt und ist leider kein Einzelfall.»

Linth24