Home Gemeinden In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Rapperswil-Jona
11.01.2022
11.01.2022 14:17 Uhr

Josephine retour in Rwanda, Teil 1

Josephine Niyikiza ist zum ersten Mal zurück in Rwanda – von ihren ersten Eindrücken erzählt sie hier auf Linth24.
Josephine Niyikiza ist zum ersten Mal zurück in Rwanda – von ihren ersten Eindrücken erzählt sie hier auf Linth24. Bild: zVg
Nach ihrer Flucht 1994 kehrt die in Jona wohnhafte Josephine Niyikiza zum ersten Mal nach 28 Jahren in ihr ursprüngliches Heimatland Rwanda zurück. Auf Linth24 erzählt sie von ihren Erfahrungen.

Josephine Niyikiza musste 1994 aus ihrer Heimat Rwanda fliehen, es herrschte ein Genozid. 10 Jahre lang war Josephine auf der Flucht, von Rwanda über Bukavu im Kongo bis sie schliesslich 2004 in die Schweiz kam und seither in Rapperswil-Jona lebt und sich hier in der Kirche und in vielen Vereinen integriert.

Jetzt reist Josephine zurück in ihr Heimatland. Mit im Gepäck hat Josephine Laptops, Handys, Kugelschreiber, Schokoladen und noch mehr für die verschiedenen Schulen, welche sie mit ihren Vereinen unterstützt. 

Hier auf Linth24 erzählt Josephine in Form von mehreren Reiseberichten von ihren Erlebnissen und Eindrücken.

  • Reisebericht aus Rwanda von Josephine

«Nach einem gemeinsamen Essen und gemütlichen Austausch ging ich um 2 Uhr ins Bett, mein Wecker klingelte bereits wieder um 4:30, so blieb mir vor der Abfahrt noch genügend Zeit zum Beten und Duschen. Endlich wird mein Traum wahr, ich begann mir auszumalen wie es in Rwanda aussieht und freute mich auf die 3 Tage Quarantäne, die wir gemäss Einreisebestimmungen absitzen mussten, die mir Zeit geben, in Ruhe anzukommen und mich an die ersten Eindrücke zu gewöhnen, bevor ich meine Verwandten das erste Mal seit 28 Jahren sehen würde.

Ein erster Zwischenstopp in Brüssel. Nach einer kleinen Shopping Tour erholten wir uns auf bequemen Liegen bis wir im Lautsprecher hörten, dass das Gate in Kürze schliesst, dies einiges früher als erwartet. Und so mussten wir rennen und haben so unsere Fitness getestet! 

Endlich in Rwanda

Nach einem ruhigen Flug bin ich kurz nach 20 Uhr aus dem Flugzeug gestiegen. Ich konnte es kaum glauben, endlich bin ich in Rwanda! Ich war erstaunt, wie freundlich und geduldig wir empfangen wurden. Alles war sehr gut organisiert, die Einreiseformalitäten, der PCR Test, die Unterstützung beim Gepäck, der Transfer ins Quarantäne Hotel. Nach einem feinen Nachtessen schliefen wir glücklich im Rekordtempo ein.

Die Familie endlich wieder «live» sehen

Am nächsten Morgen erhielten wir ein SMS, unser erster PCR Test war negativ. Im Hotel hatten wir ein grosses Zimmer mit Balkon und Aussicht. Das im Zimmer servierte Essen war super fein und sehr ausgewogen mit viel Gemüse und Früchten. Mir wurde nicht langweilig, denn es warteten u.a. 86 WhatsApp-Nachrichten auf mich und ich begann, unseren Aufenthalt zu organisieren. Am Abend kam noch mein Cousin Emmanuel vorbei. Ich war auf dem Balkon, er unten beim Eingang. Ich hatte grosse Freude ihn «live» zu sehen, trotz der Distanz!

Bereits am nächsten Morgen, einen Tag früher als angekündigt wurden wir für Schnelltest und PCR, die im Hotel durchgeführt wurden, aufgeboten. Da der Schnelltest negativ war konnte uns unser ortskundiger Chauffeur bereits am Mittag abholen und ins Apartment in Kigali bringen, das wir gemietet haben. Auch hier hat alles Bestens geklappt.

Ein emotionales Wiedersehen

Nach kurzer Zeit fuhren wir zu meiner Schwester, die immer noch nicht glauben konnte, dass ich in Rwanda war. Verständlich, denn ich habe ihr immer wieder gesagt, ich komme bald und bin dann doch nicht gekommen. Als ich sie das letzte Mal gesehen habe war sie 12 Jahre alt und jetzt hatte ich eine Frau vor mir, die ich zwar per Video-Call schon gesehen habe, aber live ist doch was ganz anderes. Wir umarmten uns und wurden aufgrund der physischen Nähe beide sehr emotional. Ich bin Gott so dankbar für diesen Moment! 

Coronabedingte Nachtsperre

Wir luden sie, ihre Tochter und unsere Nichte. die im Moment bei ihnen wohnt, zum Essen ein und gingen gemeinsam einkaufen. Am Abend waren wir bei meinem Cousin zum Abendessen eingeladen. Wir waren verspätet und mussten früh wieder los, denn ab 22 Uhr beginnt die coronabedingte Nachtsperre.

Gottesdienst auf «Kinyarwanda»

Am Sonntag haben einen Gottesdienst besucht. Am Gate mussten wir das Zertifikat zeigen, dann mussten alle die Hände waschen, dann das Zertifikat beim Einschreiben ein zweites Mal zeigen, vor dem Eintreten wurde noch die Temperatur gemessen und in der Kirche durfte nur jeder 3. Stuhl belegt werden. Der Gottesdienst war kinyarwanda /englisch und dauerte 2 Stunden. Ich habe die Zeit sehr genossen, ganz besonders Musik und Gesang. Den Rest des Tages haben wir mehrere Verwandte besucht und verbrachten schöne Stunden zusammen.

So vieles ist noch fremd

Nach meinen ersten Eindrücken kann ich sagen, dass ich meine Sprache wie die Einheimischen spreche und das Essen mir sehr bekannt ist und ich es geniesse. Und doch merkt man mir aufgrund meiner Fragen an, dass ich nicht von hier bin. Beispielsweise weiss jedes Kind, dass man mit MoMo zahlt, ich nicht. So vieles ist mir noch fremd. So gibt es im Gegensatz zur Schweiz beim Einkaufen ein Plastiksackverbot.»

Linth24