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Kolumne
14.01.2022
14.01.2022 18:10 Uhr

Aktienmarkt: Zinsängste und abbröckelnde Kurse

Wegen der vielen noch ungelösten aktuellen Probleme könnten die Märkte laut Christopher Chandiramani vorerst volatil bleiben.
Wegen der vielen noch ungelösten aktuellen Probleme könnten die Märkte laut Christopher Chandiramani vorerst volatil bleiben. Bild: Linth24
In den letzten Tagen verlor Covid an Brisanz. Dafür wurde mehr die Zins-Entwicklung beachtet. Befürchtungen einer stärker gestrafften Geldpolitik sorgten für schlechte Stimmung und schickten Aktienkurse auf Talfahrt.

Die Inflation ist in den USA im Dezember 2021 auf 7 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Wert seit 40 Jahren. Somit wächst der Druck auf die US-Notenbank, die Leitzinsen früher und stärker anzuheben als geplant. Das würde auch Europa treffen, ebenfalls Asien, aber am wenigsten die Schweiz, welche mit Zinserhöhungen zuwartet, weil hier die Teuerung schwächer ist. An fast allen Aktienmärkten kam es zu Gewinnmitnahmen, vor allem bei den grosskapitalisierten Werten und Zyklikern.

Das Gastgewerbe hat die Corona-Krise noch nicht überwunden. Ein Problem ist vor allem die 2G-Regel. Eine Umfrage vom Gastrosuisse bei 1'900 Restaurants ergab, dass 70 Prozent defizitär arbeiten.

Die Rendite der Bundesobligationen ist erstmals seit November 2018 wieder positiv. Gold, Erdöl und Währungen veränderten sich nur wenig, einzig Kryptowährungen waren wieder schwächer.

Zumeist erfreuliche Unternehmensabschlüsse

Der Sanitärkonzern Geberit erreicht sein höchstes Umsatzwachstum seit Börsengang. Der Konzernumsatz nahm 2021 um knapp 16 Prozent auf 3.46 Mrd. CHF. Das war am obersten Ende der Erwartungen. Aufgrund der schlechteren Marktstimmung kam es zu Verkäufen (zeitweise 7 Prozent Wochenverlust).

Der Rheintaler Metallverarbeiter SFS steigert 2021 den Umsatz um 11 Prozent auf 1.9 Mrd. CHF und erzielt EBIT-Marge von 16 Prozent. Dies ergab kursmässig einen leichten Wochengewinn. 

Der Bauchemieproduzent Sika hat 2021 wieder mehr verkauft als vor der Krise. Nach dem Einbruch von 2020 erreichte Sika wieder neue Höchstwerte. Angetrieben vom Aufschwung in der Bauindustrie nach den Lockdown-Schliessungen im Vorjahr steigerte die Gesellschaft den Umsatz um 17.3 Prozent auf 9.24 Mrd. CHF. Eine wichtige Rolle spielten dabei auch die Akquisitionen.

Der Zuger Vermögensverwalter Partners Group hat seine Eckwerte publiziert und 2021 Kapitalzusagen von Kunden von 25 Mrd. USD erhalten, nach 16 Mrd. im Vorjahr. Die verwalteten Vermögen stiegen auf 127 Mrd. nach 119 Mrd. per Mitte Jahr. Im Jahresvergleich betrug das Wachstum 17 Prozent. Für 2022 rechnet die Gesellschaft mit Kapitalzusagen von 22 bis 26 Mrd. USD.

Der Hersteller von Heizungen Zehnder erzielte im Geschäftsjahr 2021 einen Umsatz von 697 Mio. Euro, das entspricht einem Wachstum von 13 Prozent. Das erste Halbjahr 2021 brachte ein organisches Plus um 24 Prozent, während einige Lieferengpässe das Wachstum im zweiten Semester deutlich bremsten.

Aufgrund generell pessimistischer Stimmung gab es grössere Kurskorrekturen bzw. Gewinnmitnahmen bei Straumann, VAT, Kühne+Nagel, ES Dottikon, Bachem, Belimo, Sensirion, Inficon und Swissquote, fast alles Kursgewinner des Jahres 2021. Etwas besser tendierten die Finanzwerte.

Die Basler Kantonalbank hat die PS-Versammlung pandemiebedingt abgesagt. Ähnliches wäre später auch bei anderen Generalversammlungen möglich.

Verhaltene Aussichten

Viele aktuelle Probleme sind noch ungelöst, Teuerung, Zinsentwicklung, Rohstoffknappheit, Verzögerungen bei den Lieferkrediten, Fachkräftemangel.

Neu, aber voraussichtlich nur vorübergehend sind die zunehmenden krankheitsbedingte Absenzen. Es gibt bereits Hotelschliessungen in den Bergen und Ausdünnung der Fahrpläne beim ÖV. Geopolitische Spannungen ergeben sich momentan in Russland (Ukraine, Kasachstan) und China (Taiwan). Am meisten belastet die Zinsdiskussion in den USA. Zwar sollte die gute Entwicklung bei den Unternehmensabschlüssen die Aktienbörse stützen, aber auch Zahlen über Erwartungen brachten in diesem Jahr Gewinnmitnahmen anstatt Kursavancen.

Insgesamt könnten deshalb die Märkte vorerst volatil bleiben und in unruhigem Fahrwasser verharren.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24