Rapperswil-Jona
15.05.2020
15.05.2020 16:54 Uhr

Hauptsache «draussen» sein

Gemeinsam haben die HSR Hochschule für Technik Rapperswil und die HEPIA Genf eine Untersuchung zum Freizeitverhalten der Bevölkerung während der Coronakrise durchgeführt.

Die Umfrage zeigt: Frei- und Grünräume sind für die Bevölkerung wichtig bei der seelischen Bewältigung der Coronakrise. Denn die Bevölkerung entspannt sich in der Coronakrise vor allem Zuhause und in siedlungsnahmen Frei- und Grünräumen: Die Seele baumeln lassen, auf der eigenen Terrasse dem Balkon oder ums Haus. Wichtig war im Lockdown vor allem das Gefühl, «draussen» zu sein. Frauen halten sich besser an die Vorgaben, obwohl sie gleichzeitig stärker von den Folgen des Lockdowns betroffen sind.

Das Ziel der Umfrage war es, das Verhalten und die Einstellung der Bevölkerung in Bezug auf die Naherholung in Frei- und Grünräumen seit dem 17. März zu ermitteln, als der Coronavirus-Lockdown die Schweiz in weiten Teilen lahmlegte. Die repräsentative Befragung fand in der Osterwoche vom 9. bis 19. April 2020 online bei 1022 Personen statt, davon 251 im Kanton Genf und 771 im Kanton Zürich. Während der Befragungswoche befand sich der teilweise Lockdown in der Schweiz auf seinem Höhepunkt.

Bevölkerung befolgte Anordnungen

Die Bevölkerung leistet der Aufforderung der Behörden weitgehend Folge und bleibt nach ihrer Einschätzung deutlich mehr zuhause als vor dem 17. März, in Genf mehr als in Zürich, entsprechend der dort kritischeren Situation. Die eigene Terrasse und der Balkon sind die bevorzugten Frei- und Grünräume, gefolgt von Garten und Wiese ums Haus. Erst an dritter Stelle kommen in Zürich Wald und Waldrand, in Genf Landwirtschaftsland. Wald und Waldrand sind in Genf an vierter Stelle. Über 70 % der Befragten, sowohl in Zürich als auch in Genf geben an, dass sie viel weniger mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln weiter entfernte Erholungsgebiete aufsuchen.

Die Befragungsergebnisse machen deutlich, dass Frei- und Grünräume für die Bevölkerung sehr wichtig sind, um die Auswirkungen der Coronakrise besser zu bewältigen. Die durchgeführten Aktivitäten sind vor allem kontemplativer Art, z.B. «einfach sein/Ruhe geniessen/Seele baumeln lassen». Dabei hilft es den Menschen, dass sie draussen sind und positive Gefühle entwickeln, die Natur geniessen und Abwechslung gewinnen können. Das Aufsuchen von Frei- und Grünräumen bietet darüber hinaus die Möglichkeit, etwas für die eigene Gesundheit zu tun, sich generell zu entspannen und sich körperlich fit zu halten. Dabei wird eine hohe Tier- und Pflanzenvielfalt geschätzt, wobei Vogelgezwitscher und Insektengezirpe, Düfte und Gerüche der Natur und viele blühende Stauden, Sträucher und Bäumen wichtig sind. Offenbar lässt sich das alles auch vom eigenen Balkon aus geniessen.

Frauen halten sich besser an Vorgaben 

Während der Coronakrise hat sich das Freizeitverhalten der Bevölkerung bezüglich der Nutzung von Frei- und Grünräumen deutlich verändert, zeigen ihre Antworten. Zwischen Genf und Zürich gibt es grössere Unterschiede, welche insbesondere mit den stärkeren Ausgangseinschränkungen in Genf zusammenhängen. Während in Zürich u.a. Stadtparks, Seeufer und Sportplätze gesperrt wurden, riegelte die Genfer Behörde zusätzlich die Spielplätze ab.

Frauen bleiben während der Coronakrise nochmals mehr zuhause als Männer. Sie sind derzeit stärker von Kurzarbeit und Erwerbslosigkeit betroffen. Vor diesem Hintergrund deuten die Befragungsergebnisse darauf hin, dass ein grösserer Teil der zusätzlichen Betreuungsarbeit im Haus durch die Frauen wahrgenommen wird (Betreuung von Kindern und Risikogruppen, Home Schooling etc.).

Umwelt- und Wirtschaftsfolgen der Coronakrise

Auffällig ist das deutliche Votum einer grossen Mehrheit der Befragten für mehr Ruhe und bessere Luft während der Coronakrise, besonders der Frauen. Nur rund die Hälfte der Befragten, stimmten folgender Aussage zu: «Ich kann mich nicht darüber freuen, dass es der Umwelt derzeit besser geht, weil ich sehe, wie die Gesellschaft und Wirtschaft unter der Coronakrise leidet.» Diese Befürchtung wird am meisten von Männern (in Zürich) und 16- bis 49-Jährigen geteilt. Die Zustimmung ist zudem bei Befragten ohne Haus mit Garten oder Grünfläche und mit tieferem Ausbildungsgrad stärker.

Die vollständige Umfrage mit den Ergebnissen und Auswertungen finden Sie hier zum Download.

 

OM HSR Hochschule für Technik Rapperswil
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