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Rapperswil-Jona
05.12.2021
05.12.2021 12:53 Uhr

Badi Lido: Weitere Schlappe für den Stadtrat

Nach dem Njet der Bürgerschaft zum Provisorium Freibad Lido sass der Stadtrat nur noch mit langen Gesichtern da.
Nach dem Njet der Bürgerschaft zum Provisorium Freibad Lido sass der Stadtrat nur noch mit langen Gesichtern da. Bild: Linth24
Ein Leserbrief, ein Kommentar auf Linth24 und ein Votum an der Bürgerversammlung reichten, und schon kassierte der Stadtrat wieder eine Niederlage. Es ist zum Heulen. Kommentar von Bruno Hug

Inselwirt und Ex-Lehrer Joe Kunz hat letzte Woche in einem Leserbrief das vom Stadtrat vorgelegte 7.5-Millionen-Provisorium für die Lido-Badi kritisiert. Ich meinerseits habe auf Linth24 dasselbe Thema unter dem Titel «Stöcklings irrlichternde Stadt-Ver-Planung» in einen grösseren Zusammenhang gestellt. Ich legte dar, wie die «Stadt-Ver-Planung» rund ums Gelände Lido mit Freibad, allfälligem Hallenbad, studiertem Abbruch der Bootshalle, Kanti und BWZ sowie Falschplatzierung der Lakers-Eistrainingshalle ins Grünfeld komplett wirr und intransparent sei.

In dieses Chaos hätte die seit Monaten laufende Sportstättenplanung Ordnung und Orientierung bringen sollen. Sie soll im Sommer 2022 fertig sein. Inmitten dieses Prozesses legte der Stadtrat der Bürgerschaft am letzten Donnerstag unverständlicherweise eine Kreditvorlage vor, um die heutige Badi Lido für 7.5 Millionen Franken zu renovieren.

Ein Votum und der Stadtrat lag flach

Es brauchte an dieser Versammlung aber nur ein einziges Votum, um dem Stadtrat die nächste Schlappe zu bescheren. Joe Kunz legte in einem kurzen Vortrag dar, dass es keinen Sinn mache, jetzt für Millionen ein Badi-Provisorium zu bauen, das die nächsten 10 bis 15 Jahre die ganze Arealentwicklung im Lido blockieren würde. Kunz sagte, mit dem Provisorium «verbauen wir uns Optionen, bleiben stehen und kommen keinen Schritt weiter.» 

Nach den Worten von Joe Kunz herrschte Stille. Darauf folgte die Abstimmung und die nächste Abstrafung dieses glück- und planlosen Stadtrates. Nach einem Leserbrief, einem Kommentar auf Linth24 und einem Votum an der Versammlung lag der Stadtrat schon flach. Einmal mehr.

Fantasielose Renovationsstrategie

Führt man sich vor Augen, dass der Stadtrat ohne Gesamtüberblick über die weitere Lido-Entwicklung mit dem Badi-Provisorium das ganze Areal bedenkenlos blockiert hätte, zeigt sich einmal mehr, wie unprofessionell dieses Gremium unterwegs ist.

Zieht man in die Betrachtung mit ein, dass die Provisoriums-Badi aufgrund einer Volksbefragung zustande kam, wird das Ganze doppelt tragisch. In einem Mitwirkungsverfahren wurden die Rapperswil-Joner zur Badi befragt. In zwei Fragen gab es gar keine Badi mehr im Lido. Und in der dritten Frage konnte man ankreuzen, ob die heutige Badi instand gestellt werden sollte. Damit wird klar: Schon aufgrund der Fragestellung wollte der Stadtrat, statt in die Zukunft zu denken, lieber nur etwas renovieren. Denn, jedermann, der weiterhin eine Badi wollte, konnte bei zwei Null-Lösungen nur Frage drei ankreuzen. Das waren rund 490 Personen. Und auf diese baute der Stadtrat danach seine fantasielose Renovationsstrategie auf.

Stadtführung mit Methode JEKAMI

Zum Glück dieser Stadt werden die Bürgerinnen und Bürger immer misstrauischer. Selbst wenn sie sich selbst die Badi nehmen, sind sie weitsichtiger als ihr Stadtrat. Das permanente JEKAMI (Jeder kann mitmachen) genügt eben als Regierungsstil vielen nicht. Sie erwarten von ihrer Regierung sauber ausgearbeitete visionäre Projekte und wollen nach 5 Jahren Stillstand unter Stadtpräsident Stöcklings Regierung endlich wieder weiterkommen!

Laut Bauchef Christian Leutenegger soll kommenden Sommer die Sportstättenplanung vorliegen. Dazu ist– wer ist da noch erstaunt? – einmal mehr ein Mitwirkungsverfahren von Bevölkerung und Parteien geplant.

Aber vielleicht gibt es in dieser Stadt doch noch Wunder und der Stadtrat hat bis dann selbst einmal eine Idee, wie er die Stadt weiterentwickeln will. Und legt dazu endlich alle seine Karten offen.

Bruno Hug, Linth24