Home Gemeinden In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Rapperswil-Jona
28.11.2021
28.11.2021 09:37 Uhr

Stöcklings irrlichternde Stadt-Ver-planung

Linth24-Verleger Bruno Hug analysiert: Stadtpräsident Martin Stöckling scheint bei der Lido-BWZ-Lakers-Hallen-Planung mehr an sich als an die Stadt zu denken.
Linth24-Verleger Bruno Hug analysiert: Stadtpräsident Martin Stöckling scheint bei der Lido-BWZ-Lakers-Hallen-Planung mehr an sich als an die Stadt zu denken. Bild: Linth24
Stadtpräsident Stöcklings politischer Überlebenskampf wird für Rapperswil-Jona gefährlich. An der Bürgerversammlung vom 2. Dezember geht seine Murkserei weiter. Kommentar von Bruno Hug

Am nächsten Donnerstag ist Bürgerversammlung. Darin wird über einen Projektierungskredit in der Höhe von 600'000 Franken fürs Freibad Lido abgestimmt. Danach soll dieses für fast 7 Millionen renoviert werden. Und das, nachdem der Stadtrat letzten Mai für 80'000 Franken einen Volks-Mitspracheprozess zur Sportstättenplanung ins Leben rief und von dem aber weit und breit noch kein Resultat vorliegt.

Millionen mitten im Planungsprozess

Inmitten dieses Prozesses, in dem die Bevölkerung einmal mehr die Visionslosigkeit ihrer Regierung wettmachen müsste, sollen die Bürger nun also grünes Licht für den Badi-Ausbau geben. Womit die für 7.5 Millionen Franken revidierte Badi dann für die nächsten 15 bis 20 Jahre in ihrer Machart und ihrer Position gesetzt ist.

Andererseits sagte mir Stadtbauchef Christian Leutenegger vor 3 Wochen, es stehe stadtintern auch zur Diskussion, die an die Badi angebaute Bootshalle Lido abzureissen. Womit klar wird: Der Stadtrat hat noch keine Ahnung, wie er das Gebiet Lido gestalten will. Trotzdem schlägt er mit der Badi schon wieder (provisorische) Pflöcke ein, die alle weiteren Entwicklungen dieses wichtigen Sportstätten-Gebietes einschränken – zum Beispiel auch die Ideen zu einem Hallenbad.   

Lakershalle gehört ins Lido?

Zugleich hat Bauchef Leutenegger schon mehrfach bekräftigt, die neue Eistrainingshalle gehöre nicht ins Grünfeld, sondern ins Lido. So sehen es auch die Lakers. Mir liegt eine Mail aus dessen Führungszirkel vor, in der steht: «Ideal wäre für uns, wenn wir gemeinsam mit der Stadt den Standort Grünfeld begraben und ein umsetzbares Projekt im Lido kommunizieren könnten.»

Und so wäre es auch richtig und so steht es seit 20 Jahren in den Leitlinien zur Stadtentwicklung: Eis- und Wassersport gehören ins Lido, Ballsport und Leichtathletik ins Grünfeld.

Stöcklings BWZ-Kampf

Hier nun kommt der zumindest in Sachen Stadtentwicklung irrlichternde Stadtpräsident ins Spiel. Seit Jahren will er, geradezu zwanghaft, das neue BWZ im Südquartier und nicht am heutigen Standort im Stadtzentrum neu bauen. Anstatt das Volk zum Standort zu befragen, wie es die Opposition vorschlägt, bemühte er Anwälte und ein Gericht, um eine Volksinitiative zur Klärung dieser Frage zu verhindern. (Er gab also Geld seiner Steuerzahler aus, um deren Mitsprache zu hintertreiben.)

Zugleich machte Stöckling den Kanton zu seinem Komplizen. Seit einem Jahr flöten er und der kantonale Bildungsdirektor dem Volk vor, auf dem Lido-Areal entstehe neben dem BWZ dereinst auch eine Kanti, also ein Bildungs-Cluster.

Des Stapis Rechnung geht nicht auf

Und damit wird es eng im Lido. Mit den beiden Schulen ginge nämlich auch der Para-Parkplatz gegenüber der Lakers-Arena verloren. Neben der Frage, wie das Parken an den Lakers-Spielen dannzumal gelöst werden würde, würde dieser Platz künftig auch für die Knie-Premiere und weitere Veranstaltungen fehlen. Diese müssten dann wohl auf den Fussballplatz neben der Hockey-Arena ausweichen. Also dorthin, wo eigentlich die Lakers-Trainingshalle gebaut werden müsste.

Es ist eindeutig: Des Stapis Rechnung geht nicht auf: Kommt das BWZ und dereinst die Kanti ins Lido, fehlt hier für die Lakers-Halle der Platz. Und genau deshalb will Stöckling diese ins Grünfeld bugsieren – wo sie aber nicht hingehört und dort am Kopf des weitläufigen Grünfeld-Areals erst noch jede sinnvolle Empfangsbaute verhindert.   

Weiteres Führungsversagen der Stadtregierung

An einem Eishockey-Spiel rief Stöckling kürzlich dem Lakers-Geschäftsführer Markus Bütler übermütig zu: «Wann macht ihr endlich die Baueingabe für die Trainingshalle im Grünfeld?»

Der Stadtpräsident pokert also weiter. Gegen jede Vernunft. Wie es scheint, nicht zum Wohle der Stadt, sondern nur noch um sein politisches Überleben kämpfend. Stöckling weiss wohl selbst: Nach dem Porthof-Desaster, seiner Spitzkehre bei der Schachenfinanzierung, dem Visitor Center, dem Monsterschiff, seiner Götti-Hecke, der abgesoffenen Avenida, den (nicht) verlorenen Lido-Kassen oder dem Feuerwehrdebakel liegen nicht mehr viele Flops drin. Also glaubt er, das alles und den permanenten Stillstand der Stadt mit dem Durchboxen der Lakers-Halle im Grünfeld und dem BWZ im Lido wettzumachen. Ob auch diese Rechnung nicht aufgeht?

Zustimmung unter Zwang

Nächsten Donnerstag wird der Stadtrat an der Bürgerversammlung mit Sachzwängen hantieren: «Wenn der Kredit für die Badi nicht gesprochen wird, werden wir das Bad schliessen müssen.»

Viele werden zwar realisieren, dass hinter diesem Zwang ein weiteres Führungsversagen der Stadtregierung steckt, die wieder so lange nichts Konstruktives zustande brachte, bis nur noch ein teures Provisorium übrigbleibt.

Aber wer will diesem Stadtrat schon den Zuspruch verweigern und dafür die Badi-Schliessung in Kauf nehmen? Jedoch: Irgendwann wird das Fass überlaufen.

Bruno Hug, Linth24