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Rapperswil-Jona
21.10.2021
21.10.2021 14:11 Uhr

«Sie sind die Einzigen, denen die Flucht vor den Taliban gelang»

Michael Steiner möchte Geschichten verfilmen, welche die Menschen berühren.
Michael Steiner möchte Geschichten verfilmen, welche die Menschen berühren. Bild: zVg
Am Sonntag feiert Michael Steiners neuer Film «Und morgen seid ihr tot» in Rapperswil Premiere. Linth24 hat sich mit dem Schweizer Starregisseur unterhalten.

Linth24: Michael Steiner, die Rapperswiler Premiere findet in der Kinobar Leuzinger statt. Erinnern Sie sich noch an Ihre Kinobesuche? 

Michael Steiner: Ja klar. Es war mein erstes Kino, das vergisst man nicht. Wurde es nicht umgebaut? 

Meines Wissens hat es sich nicht gross verändert. In Ihrem neuesten Film erzählen Sie die Geschichte von Daniela Widmer und David Och, denen es 2012 gelang, vor den Taliban zu flüchten. Wann dachten Sie erstmals daran, diesen Stoff zu verfilmen?  

Schon relativ früh. Mein Interesse begann als ich sah, wie die Beiden nach ihrer Rückkehr von den Medien angegriffen wurden. Als ich daraufhin genauer recherchierte, merkte ich, dass das ein Film ist. Weil sie die Einzigen sind, die jemals vor den Taliban geflohen sind – und das als Zivilisten. Das fand ich sehr beeindruckend. 

Bei den Taliban mussten Daniela Widmer und David Och durch die Hölle gehen. Bild: zVg

Michael Steiner ist derzeit der erfolgreichste Schweizer Regisseur. Das Gespür des Rapperswilers für packende Geschichten, die zugleich massentauglich und tiefsinnig sind, zeichnet seine Filme aus. Dazu gehören so unterschiedliche Werke wie «Grounding – der Untergang der Swissair» oder «Wolkenbruchs wundersame Reise in die Arme einer Schickse». Am Sonntag feiert sein neuestes Werk «Und morgen seid ihr tot» über die Flucht eines Schweizer Paares aus der Geiselhaft der Taliban Premiere. 

Daniela Widmer schrieb ein über 1000-seitiges Tagebuch über ihre Erlebnisse. Bild: zVg

In einem Interview bezeichnen Sie sich als Storyteller. Was macht für Sie eine gute Geschichte aus? 

Sie muss einzigartig sein und etwas haben, was Menschen interessiert. Ich kann nicht im vornherein sagen, ob es funktioniert oder nicht – und ob die Leute dafür ins Kino gehen. Manchmal hat man dafür ein Näschen, manchmal nicht. Mich muss eine Geschichte reizen, ich muss das Gefühl haben, dass die Leute den Film auch sehen wollen. 

Wie kam der Kontakt zu Daniela Widmer und David Och zustande? 

Ich lebte zu dieser Zeit in Südostasien. Als ich zurück kam, hatte mein Produzent einen Termin mit den beiden vereinbart. Wir trafen uns schliesslich in Solothurn. Zu dieser Zeit wollten sie ihre Geschichte in einem Dokumentarfilm zeigen, zudem schrieben sie an ihrem Buch. Wir fanden, es sei nicht gescheit, wenn sie die Geschichte zwei Mal erzählen müssen. Daher warteten wir mit dem Drehbuch, bis der Roman erschienen war.

Wie arbeiteten sie mit Widmer und Och zusammen? 

In dem Buch steht nicht alles, was wir verfilmt haben. Wir fragten oft nach, und so wurde es eine enge Zusammenarbeit über die Jahre. Übrigens hatten sie auch immer ein Vetorecht, wenn ihnen etwas nicht passte. Vor allem Daniela war da sehr involviert. David war ja eine Zeitlang nicht in der Schweiz. 

Sehen Sie sich auch nach dem Dreh weiterhin?

Ja. Wir sind gute Bekannte geworden. Jetzt sehen wir uns wegen der Filmpremiere natürlich öfters. Ich hoffe, der Film bringt ihnen das Vertrauen in die Schweiz zurück. Und umgekehrt hoffe ich, dass die Zuschauer durch den Film Vorurteile abbauen können. 

Vorpremiere von «Und morgen seid ihr tot» in Anwesenheit des Regisseurs Michael Steiner: Sonntag 14 Uhr in der Kinobar Leuzinger, Rapperswil-Jona. Mehr Informationen unter www.kinoevent.ch

Jérôme Stern, Linth24