Linthgebiet
25.03.2020
26.03.2020 14:34 Uhr

Das Leben im Albtraum

Die Zwangspause macht den Traum vom eigenen Geschäft zum Albtraum. Bei Linth24 kommen Betroffene über das «Schwimmen mit gebundenen Händen und Füssen» zu Wort.

Ob Naturheilpraxis, Herrenbekleidungsgeschäft oder Restaurant: In der momentanen Lage bangen zahlreiche Kleinunternehmen um ihre Existenz. Manche versuchen eine Umorientierung, andere üben Kritik an den Behörden und Massnahmen. Fünf UnternehmerInnen erzählen.

Seit 24 Jahren selbständig und jetzt Sorgen um die Existenz.

Catharina Rüedi, Massage & Fusspflege, Rapperswil

«Schockstarre für mich und viele andere. Man hat uns ohne eigenes Verschulden den Boden unter den Füssen weggezogen. Die Anlaufstellen für Selbständige sind überlastet. Die angekündigte Hilfe für Kleinbetriebe deckt nicht ansatzweise die nötigsten geschäftlichen und privaten Fixkosten. Viele haben keine Reserven, aber auch keine Schulden. Ich erwarte eine diskussionslose Eins-zu-eins-Entschädigung für entgangenes, belegbares Einkommen.»

Erfüllt alle Anforderungen und darf ihren wichtigen Beitrag im Gesundheitswesen trotzdem nicht leisten.

Graziella Hofmann, kant. appr. Naturheilpraktikerin, Rapperswil

«Die rechtliche Situation betreffend Praxisöffnung/-schliessung ist unklar, da Bund und Kanton St. Gallen widersprüchliche Angaben dazu machen. Der Bund verlangt, dass ich meine Praxis schliesse, der Kanton erlaubt die Öffnung. Um keinen Präzedenzfall zu schaffen, biete ich im Moment nur Notfalldienst per Skype oder Telefon an. Wirtschaftlich trifft mich das sehr hart.»

Muss das volle unternehmerische Risiko tragen, mit oder ohne Unterstützung.

Iwan Vollenweider, hemdenwerk, Rapperswil

«Was bringt uns die Zukunft? Als Kleinunternehmer beschäftigen mich in dieser Zeit Fragen wie: Was kommt auf uns zu? Was ist, wenn mein Geschäft über längere Zeit geschlossen bleiben muss? Werden meine Kunden wieder bei mir einkaufen? Geben die Leute noch Geld für Kleider aus? Bitte unterstützen Sie die regionalen Geschäfte, indem Sie Gutscheine bestellen und uns nach der Wiedereröffnung mit Ihren Einkäufen helfen, die Krise zu bewältigen. Herzlichen Dank!»

Konnte dank unternehmerischer Weitsicht und gutem Netzwerk noch grösseren Schaden abwenden.

Kay-Lütje Deter-Lüken, CEO Cosmopolitan Cosmetics, Jona

«Der Staat und wir als Bevölkerung haben aus heutiger Sicht zu spät reagiert, zu lange zugeschaut, was auf der Welt passiert und nicht die richtigen Schlüsse daraus gezogen. Die Keule, alle Betriebe lahm zu legen, ist am runden Tisch entstanden. Wenn nur ein bis zwei Personen in eine Apotheke dürfen, weshalb sollte das dann z.B. nicht auch in einem Blumenladen möglich sein? Ich konnte zum Glück auf neue Produkte umstellen und vertreibe nun Desinfektionsmittel.»

Hat für Staatsoberhäupter gekocht und muss jetzt die Suppe auslöffeln, die ihm der Bund eingebrockt hat.

Robert Ackermann, Gastronom & Hospitality Coach, Mels

«Durch die erzwungene Schliessung meines erfolgreichen Restaurants musste ich für alle MitarbeiterInnen Kurzarbeit beantragen. Mein persönlicher Prozess in dieser Situation lässt mich dies als Chance sehen, kürzer zu treten und mich neu zu orientieren. Ich suche ein Talent, um ihm die die Chance zu geben, ein lang bestehendes und profitables Unternehmen zu übernehmen.»

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Markus Arnitz, Linth24
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