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Benken
08.06.2021
07.06.2021 15:58 Uhr

«Solche Leute haben keine Ahnung!»

Die Crowdfunding-Aktion von Tanya Beck für ihren gelähmten Bruder Ueli ist voll im Gange: Mittlerweile ist schon ein Betrag von knapp 38'000 Franken beisammen.
Die Crowdfunding-Aktion von Tanya Beck für ihren gelähmten Bruder Ueli ist voll im Gange: Mittlerweile ist schon ein Betrag von knapp 38'000 Franken beisammen. Bild: Linth24
Mit einer Crowdfunding-Aktion will Tanya Beck aus Benken ihrem muskelkranken Bruder Ueli das Bleiben im eigenen Haus sicherstellen. Allerdings ruft die Aktion auch Kritiker auf den Plan.

Der Benkner Ueli Beck leidet an einer unheilbaren muskulären Erbkrankheit, durch welche seine Muskeln kontinuierlich absterben. Um in seinem Elternhaus vom unteren in den oberen Stock zu gelangen, braucht Ueli Beck einen Treppenlift, welcher nach 20 Jahren ersetzt werden muss – das Familien-Budget reicht dafür jedoch nicht aus.

Aus diesem Grund startete Uelis Schwester Tanya Beck eine Crowdfundig-Aktion und rief auch in den Sozialen Medien einen Spendenaufruf aus. Dieser wurde erhört: Innerhalb von 25 Tagen hinterliessen 251 wohlgesinnte Menschen oder Firmen einen Beitrag auf der gofundme- Seite und der gesamte Spendenbeitrag beträgt schon fast 38'000 Franken. 

Im Interview mit Linth24 gibt Tanya Beck einen kurzen Einblick in den Prozess und die Zukunft, aber auch in die Worte einiger Kritiker.

Linth24: Frau Beck, Ihr Spendenaufruf löst ein grosses Echo aus. Haben Sie damit gerechnet?

Tanya Beck: Zuerst nicht. Ich habe das auf meinen eigenen Social Media Kanälen geteilt, dann ging es viral. Viele Medien haben das aufgegriffen.

«Wir können das nicht alleine stemmen»
Tanya Beck aus Benken

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Der völlig überalterte Lift ist ein finanziell belastendes Thema in der Familie. Wir können das nicht alleine stemmen. Ich stiess dann auf gofundme und dachte, ich probiere das mal aus.

Wie kommen Sie auf ein Budget von 100'000 Franken?

Das Budget beinhaltet Lift b& Umbau. Wir holen auch heute noch Offerten ein. Es ist ein ständiger Prozess, das Beste zu einem möglichst günstigen Preis zu bekommen. Der Lift soll in Uelis Elternhaus passen, damit er weiterhin dort wohnen kann. Das ist die beste und praktikabelste Lösung für ihn und sein Umfeld, welches ihn betreut. Er arbeitet ja noch als Grafiker im Mathilde Escher Heim.

«Solche Meinungen zeigen nur, dass die Leute keine Ahnung vom Zusammenleben mit Behinderten haben»
Tanya Beck aus Benken

Es gibt auch Kritik in den Social Media Kommentaren. Der Lift sei zu teuer, Ueli soll in eine Behindertenwohnung...

Es gibt keinen Lift von der Stange. Die IV zahlt nur einen kleinen Teil. Alles muss angepasst werden. Eine Behindertenwohnung heisst auch, ihn aus dem ganzen Umfeld zu reissen, das er sich aufgebaut hat. Solche Meinungen zeigen nur, dass die Leute keine Ahnung vom Zusammenleben mit Behinderten haben. Ueli ist ja nur körperlich eingeschränkt. Die Leute, die das verlangen, wären die ersten, die aufgeben würden, wenn sie jemanden mit Behinderung in der Familie hätten.

«Grosse Gönner oder Mäzene, welche den Hauptteil tragen, haben wir noch nicht»
Tanya Beck aus Benken

Was machen Sie, wenn Geld übrig bleibt?

Wenn die Spenden über der Offerte liegen, dann verwenden wir den Rest für andere Menschen mit Muskeldystrophie des Typs Duchenne (DMD). Wir führen eine klare Buchhaltung und werden alles belegen können. Wir hoffen, dass wir unser Budget erreichen. Es sind vor allem kleine bis mittlere Spenden. Grosse Gönner oder Mäzene, welche den Hauptteil tragen, haben wir noch nicht. Der ganzen Familie ist es ein grosses Anliegen, sich bei allen zu bedanken, die bis jetzt etwas gespendet haben. Danke!

Markus Arnitz, freier Mitarbeiter Linth24