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Kanton
17.05.2021

Vor Gericht: Gewalt und Drohung oder nur lautes Reden?

Im Juli 2019 trafen der Angeklagte und das Behördenmitglied bei der Liegenschaft aufeinander, worauf es zum Streit kam. Bild: hrr
Ein 47-jähriger Märchler stand vor dem Bezirksgericht March. Er wird beschuldigt, einem Behördenmitglied gedroht und Gewalt angewendet zu haben. Der Richterspruch wird Ende Woche erwartet.

Das Bezirksgericht March befasst sich mit einer Klage gegen einen 47-jährigen Techniker und Bauführer, der sich oft im Südsudan aufhält und Aufträge im Ausland ausführt. Angeklagt ist der Märchler der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, der versuchten Gewalt und Drohung gegen dieselben und des unbefugten Aufnehmens von Gesprächen. Die geschädigte Person ist ein Behördenmitglied einer Gemeinde der Untermarch.

Laut Anklageschrift war bereits ein langjähriges Baurechtsverfahren mit einem Hausverbot des Beschuldigten für die Gemeindeverwaltung den aktuell verhandelten Vorfällen vorausgegangen. Im Juli 2019 trafen der Angeklagte und das Behördenmitglied bei der Liegenschaft aufeinander, worauf es zu folgender Situation gekommen sein soll. Der Angeklagte soll den Mann bedrängt haben, er solle endlich eine Brandschutzmauer kontrollieren, was längst überfällig sei. Dabei soll er gesagt haben: «Los emal Bürschtli, jetzt gasch du blitzartig da hindere und luegsch wäg dere Brandschutzmur, susch chunnsches mit mir no richtig z’ tue über.» Der Verwaltungsangestellte ging nicht darauf ein und versuchte sich zu entfernen. Woraufhin der Bauführer nachdoppelte: «Bürschtli …, Schnuderbueb …, jetzt wämmer mal luege wer d Arbet macht und suscht zieh di da abe.»

Gespräch verweigert – gedroht?

Die beiden im Streit liegenden gelangten auf einen öffentlichen Platz, wo der Angeklagte den anderen mit der linken Hand am Kragen gepackt haben soll. Dies hat eine vorgeladene Zeugin aus circa zehn bis 20 Metern Distanz gesehen. Sie habe auch lautes Reden gehört, jedoch nicht verstanden, worum es ging. Sie kannte den Angeklagten schon, weil sie dort in einem Geschäft arbeitete. Sie hielt ihn für aufgebracht. Daraufhin habe sie den Bedrängten hineingelassen und abgesperrt. Vorher habe der Beschuldigte noch seinen Fuss in den Türspalt gehalten.

Der ledige 47-Jährige betonte in der Verhandlung mehrmals die Wichtigkeit der ausstehenden Kontrolle, die ihm seit Jahren verweigert worden sei. Als ehemaliger Feuerwehroffizier könne er das beurteilen. Der Kläger habe die Polizei rufen wollen und er selbst wäre einverstanden gewesen, sagte der Angeklagte. Sonst habe ihm der Kläger das Gespräch, das er gesucht habe, mehrheitlich verweigert. Dass er laut spreche, sei berufsbedingt, er arbeite vor allem auf grossen, lauten Baustellen. Die Tonaufnahme sei zufällig entstanden.

Der Gerichtspräsident verlas zwei Zeugenaussagen von Besuchern der nahen Restaurantterrasse, die beide nichts Schlimmes gesehen hätten. Die Staatsanwaltschaft beantragt einen Schuldspruch. Zu bestrafen sei der Märchler mit 150 Tagessätzen zu 100 Franken und einer Busse von 3750 Franken. Die Strafe sei aufzuschieben bei einer Probezeit von drei Jahren. Die Verfahrenskosten seien ihm aufzuerlegen.

«Erreicht nicht nötige Intensität»

Der Verteidiger des Angeklagten plädierte auf Freispruch in allen Punkten.  Sein Mandant habe dem Herrn von der Gemeinde nur auf die Schulter tippen wollen, dieser habe sich gedreht, worauf er den Kragen berührte. Von Packen könne keine Rede sein. Ausserdem gebe es eine längere Vorgeschichte der Rivalität zwischen den beiden Männern. Der Andere habe schon mit Schlägen gedroht, sein Mandant hingegen nicht.

Sein Mandant habe sich nicht in den Weg gestellt und zugegeben, dass er laut spreche, das mache ihn glaubhaft. «Die Worte und Handlungen erreichen die für einen Strafbestand im Sinne von Artikel 285 StGB notwendige Intensität nicht», plädierte der Verteidiger. Er werde falsch angeschuldigt, darunter könnte sein Ruf leiden; er sei rechtschaffen, das wüssten viele, sagte der Beschuldigte zum Schluss.

Urs Attinger, Linth24/March24