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Eishockey
20.01.2021
20.01.2021 05:13 Uhr

«Mit dem Eishockey habe ich keinen Rappen verdient»

Werner Kunz spielte von 1949 bis 1966 für den damaligen SCR und war während 10 Jahren Captain. Heute feiert er seinen 90. Geburtstag. Bild: Sonja Hitz / Werner Kunz
Der älteste SCRJ-ler feiert heute seinen 90. Geburtstag. Werner Kunz spielte 17 Jahre für den damaligen SCR und blickt mit Linth24 auf sein bewegtes Leben auf dem Eis zurück.

Am 20. Januar 1931 lag in der Region ebenfalls Schnee. Mit 1,5 Meter sogar richtig viel. Und heute vor 90 Jahren erblickte Werner Kunz das Licht der Welt. In der heutigen Sageli-Bar war er zu Hause, und noch heute wohnt er nur wenige Meter von seinem Geburtsort entfernt in Schlatt (Feldbach). Werner Kunz spielte zu Anfangszeiten in Rapperswil Eishockey und ist somit das älteste Mitglied der heutigen SCRJ Lakers.

Eishockey-Karriere begann vor der Haustür

Werner Kunz erlebte eine unbeschwerte Kindheit und absolvierte mit 15 Jahren eine Lehre als Feinmechaniker in Hombrechtikon. Er arbeitete einige Jahre als Konstrukteur bei Trüb, Täuber & Co. in Zürich und Hombrechtikon. Später war er im Bereich Datenübertragung tätig und war mit verantwortlich für die Entwicklung der damals modernen Taxkontrollen im Bereich Telekommunikation. 

Schon in seiner Jugend kam er mit dem Eishockey in Kontakt. "Während der Lehrzeit spielten wir jeweils auf dem gefrorenen Weiher hinter unserem Elternhaus mit Freunden Eishockey", erzählte der rüstige Rentner. Irgendwann wurde ein Freundschaftsspiel gegen Pfäffikon ZH organisiert, das Werner Kunz und sein Team sogleich gewannen. Das gab Motivation für mehr...

  • Mannschaftsfoto aus den frühen 50er-Jahren. Die Trikots waren noch handgestrickt! Bild: Sonja Hitz / Werner Kunz
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  • Schweizer Meister der 1. Liga im Jahr 1964/65. Danach folgte der Aufstieg in die NLB. Bild: Sonja Hitz / Werner Kunz
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  • Der Pokal für den 1. Liga-Schweizer Meister - Werner Kunz musste das Jahr sowie den Vereinsnamen noch selber eingravieren. Bild: Sonja Hitz / Werner Kunz
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  • Werner Kunz im Einsatz während eines Trainingslager in Davos. Bild: Sonja Hitz / Werner Kunz
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  • Ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1961 zur Einweihung der Kunsteisbahn in Rapperswil. Bild: Sonja Hitz / Werner Kunz
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  • Captain Werner Kunz und die Mannschaft des SCR. Die Tribünen waren damals sehr gut besucht. Bild: Sonja Hitz / Werner Kunz
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  • Ein Handschlag mit ehrlich gemeinter Freundlichkeit. Früher waren die Spieler des SCR oft gut befreundet mit ihren Gegnern. «Eishockey verbindet und soll Freude bereiten, kein Streit» Bild: Sonja Hitz / Werner Kunz
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  • Mit Otto Schubiger (ganz links im Bild) bildete Werner Kunz (Nr. 5) ein erfolgreiches Verteidigungspaar. «Es war für mich eine riesen Ehre, zusammen mit Otto zu spielen», so Werner Kunz. Bild: Sonja Hitz / Werner Kunz
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  • Fansprüche gab es schon in den 60er-Jahre zum Aufstieg in die NLB. Bild: Sonja Hitz / Werner Kunz
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  • Die Spieler-Lizenz aus der 1. Saison in der NLB (1965/66). Nach dieser Saison beendete Werner Kunz seine Karriere als Eishockeyspieler. Bild: Sonja Hitz / Werner Kunz
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17 Jahre für den SCR gespielt

Die Eishockey-Meisterschaft wurde damals in den 40er/50er-Jahren im Cupsystem ausgetragen, jedenfalls in den unteren Ligen. In Rapperswil wurde 1945 der SCR gegründet, sie verloren aber immer wieder das erste Spiel und somit war die Meisterschaft schnell zu Ende. Auf die Saison 1949/50 ist Werner Kunz dem SCR beigetreten, und auch in seiner ersten Saison ging das erste Spiel verloren. Ein Jahr darauf aber war der SCR erfolgreich. Sie gewannen sogar die Meisterschaft und stiegen in die nächst höhere Liga auf (heutige 1. Liga).

Werner Kunz spielte 17 Jahre für den SCR und war von 1955 bis 1965 sogar Captain. Ein sportlicher Höhepunkt ist sicher der Aufstieg in die NLB im Jahr 1965. Werner Kunz erzählt aber ein viel persönlicheres Erlebnis: "Ich habe mit Otto Schubiger zusammen in der Verteidigung gespielt. Das war für mich ein absolutes Highlight." Otto Schubiger spielte lange Zeit beim ZSC und trat mit der Schweizer Nationalmannschaft an der Olympiade in St. Moritz (1948, Bronzemedaille) und Oslo (1952) an. Er galt als damals der konditionsstärkster und schnellster Spieler auf Schweizer Eis. 

«Wir hatten stets eine gute Beziehung zu den Spielern aus den anderen Mannschaften. Ab und zu haben wir uns auch neben dem Eis getroffen. Wir waren eher Freunde als Feinde. Eishockey soll kein Kampf sein, sondern Freude bereiten!»
Werner Kunz, SCR-Spieler von 1949-1966

Auch neben dem Eis sehr engagiert

Nach dem Aufstieg in die NLB zog sich Werner Kunz immer mehr zurück aus dem aktiven Eishockeysport. Schon bald fand er aber eine neue Aufgabe neben dem Eis, beim Schweizerischen Eishockeyverband (heute SIHF). 1969 gründete Werner Kunz die Seniorenstufe und ein paar Jahre später organisierte er die Senioren-Weltmeisterschaft (1977) in Zürich und Bülach. Voller Stolz zeigt er das Turnierprogramm und berichtet: "Da reisten über 1000 Eishockeyspieler aus Kanada und den USA nach Zürich, um an dieser WM mit dabei sein zu können. Tagsüber wurden mit Cars Ausflüge gemacht - abends wurde dann Eishockey gespielt." Generell sei das Verhältnis zwischen den Spielern aus den verschiedenen Mannschaften sehr freundschaftlich gewesen.

Seit 1994 ist Werner Kunz Ehrenmitglied vom Schweizerischen Eishockeyverband. Vor allem die vielen Versammlungen wie zum Beispiel die Hockey Awards in Bern bereiten ihm auch heute noch grosse Freude. Über solche Einladungen oder auch an Wochenend-Trips in Interlaken oder Montreux zum 75- bzw. 100jährigen Jubiläum des Hockeyverbandes freute sich Werner Kunz sehr. Ein Grund für diese grosse Freude ist sicher, dass er an diesen Anlässen auf aktuelle Sportgrössen wie Nico Hischier oder Timo Meier traf. 

Trotz langjährigem Einsatz als aktiver Spieler und danach beim Schweizerischen Eishockeyverband betont Werner Kunz: "Ich war so lange dabei im Eishockey, aber während all dieser Zeit habe ich keinen Franken verdient." Umso wertvoller sind solche Engagements von Personen wie ihm.

  • Seit 1994 ist Werner Kunz Ehrenmitglied des Schweizerischen Eishockeyverbandes (heute SIHF), worauf er sehr stolz ist. Bild: Sonja Hitz / Werner Kunz
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  • Werner Kunz mit Nico Hischier an den Hockey Awards in Bern. Bild: Sonja Hitz / Werner Kunz
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  • Auch Timo Meier hat er schon getroffen. Bild: Sonja Hitz / Werner Kunz
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  • Grosser Stolz für Steve Mason (links) und Werner Kunz - der "Chübel" vom Cupsieg in der Saison 2017/18. Bild: Sonja Hitz / Werner Kunz
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  • Werner Kunz ist auch heute noch viel zu Fuss unterwegs, beim wandern im Puschlav oder beim spazieren in der Region um Rapperswil und Feldbach. Bild: Sonja Hitz / Werner Kunz
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90 Jahre und immer noch sehr aktiv

Auch heute ist Werner Kunz oft im Eishockeystadion anzutreffen. Wenn irgendwie möglich, besucht er die Heimspiele der SCRJ Lakers und freut sich vor allem auch über die vielen sozialen Kontakte, die sich im Laufe der Jahre entwickelt haben. "Diese Kontakte fehlen sehr zu Zeiten von Corona", erzählt er und ergänzt sogleich: "Sonst geht es mir aber sehr gut, ich bin gesund und für mein Alter sehr fit." Er kocht täglich selber, geht einkaufen und ist mobil. Sehr oft ist Werner Kunz draussen anzutreffen auf einem langen Spaziergang in der Region oder auf Wanderungen in den Schweizer Bergen. Mehrmals im Jahr reist er ins Puschlav für Wanderferien und um langjährige Freundschaften zu pflegen. 

Grösster Wunsch: Gesund bleiben!

Zum heutigen runden Geburtstag ist ein grosses Fest leider nicht möglich. Deshalb feiert der Jubilar situationsbedingt im kleinen Rahmen mit seinen beiden Töchter und deren Ehemännern. Auf die Frage, was sich Werner Kunz zum 90. Geburtstag wünscht, antwortet er direkt: "Nichts! Mir geht es sehr gut, ich wünsche mir aber für uns alle, dass die Pandemie endlich vorbei geht und wir alle bald wieder normal leben können."

Sonja Hitz, SCRJ-Korrespondentin Linth24