Home Gemeinden In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Gemeinden
19.12.2020

CVP als «Die Mitte»: Reaktionen aus dem Linthgebiet

Was denken zwölf CVP-PolitikerInnen aus dem Linthgebiet über die Zukunft ihrer Partei?
Was denken zwölf CVP-PolitikerInnen aus dem Linthgebiet über die Zukunft ihrer Partei? Bild: Linth24 / ZVG
National sind die Würfel gefallen: Die CVP wird neu «Die Mitte» heissen und mit der BDP fusionieren. Wie kommen diese Änderungen im Linthgebiet an? Linth24 fragte bei 12 PolitikerInnen nach.

Das Präsidium der CVP Schweiz will mit der Partei den Aufbruch eine neue Zukunft wagen: unter dem neuen Namen «Die Mitte», mit verändertem Logo und vereint mit der BDP. Die eigene Parteibasis sprach sich in der Urabstimmung klar dafür aus. Kürzlich gaben sowohl die BDP- wie auch die CVP-Delegierten auf nationaler Ebene grünes Licht.

In den Kantonen dürfen die Kantonalparteien selber entscheiden, unter welchem Namen sie künftig auftreten wollen. So will z.B. die CVP Oberwallis den alten Namen behalten.

Im Kanton St.Gallen fällt der Entscheid Mitte 2021. Zumindest im Linthgebiet hätte der neue Name «Die Mitte» keine schlechten Chancen, wie eine Linth24-Umfrage bei zwölf regionalen CVP-VertreterInnen zeigt. Gleichzeitig wird bei der Auswertung deutlich, dass manche Aspekte des neuen Parteiauftritts durchaus zu reden geben.

Teils leise Kritik am neuen Namen «Die Mitte»

Der vom Parteipräsidium vorgelegte neue Name «Die Mitte» sorgt noch am ehesten für Kritik. Mehrere CVP-PolitikerInnen hätten etwas «Griffigeres» oder «Knackigeres» bevorzugt. Doch auch für viele dieser KritikerInnen sowie die grosse Mehrheit der Befragten insgesamt steht ausser Frage, dass es für einen Aufbruch auch einen neuen Namen braucht.

«Das C schreckt offensichtlich viele potenzielle WählerInnen ab, weil sie es immer noch stark mit dem katholischen Milieu verbinden. Ich hätte mir einen griffigeren Namen gewünscht. Trotzdem ist es wichtig, dass wir den Aufbruch nun vollziehen mit dem neuen Namen.»
Beni Würth, Ständerat, Rapperswil-Jona

Im Vorfeld der parteiinternen Abstimmung warb Ständerat Beni Würth für den Namen «Die Mitte». Das C im alten Namen schrecke offensichtlich viele potenzielle WählerInnen ab, weil diese es immer noch sehr stark mit dem katholischen Milieu verbänden. Obwohl Würth gerne einen griffigeren Namen als «Die Mitte» gesehen hätte, sei es wichtig, dass die Partei nun den Aufbruch mit dem neuen Namen vollziehe.

«Bei der Nationalratswahl 2019 hat sich öfters gezeigt: Bevor die Kandidierenden der JCVP überhaupt mit jungen Leuten über politische Inhalte diskutieren konnten, wurde zuerst gleich das C angesprochen.»
Cedric Gmür, Präsident JCVP Kanton St.Gallen, Amden

Voll und ganz hinter dem Namenswechsel mit Ablegung des «C» steht der Ammler Cedric Gmür, Präsident der JCVP Kanton St.Gallen. Er habe beobachtet, dass bei der Nationalratswahl 2019 öfters JCVP-Kandidierende zuerst auf das C angesprochen wurden, bevor sie überhaupt mit jungen Leuten über politische Inhalte diskutieren konnten. Obwohl Mittepolitik wieder im Trend sei, hätten nur sehr wenige Junge JCVP gewählt. Er sehe deshalb im Namenswechsel eine grosse Chance.

«Der neue Name ‹Die Mitte› unterstreicht unsere bewährte Parteihaltung, nämlich konsensfähig und lösungsorientiert zu sein.»
Heidi Romer-Jud, Gemeindepräsidentin / Kantonsrätin, Benken

Eine Vorfreude auf den neuen Namen empfindet die Benkner Gemeindepräsidentin Heidi Romer, zugleich auch Kantonsrätin. «Die Mitte» stehe losgelöst von einer religiösen Bezeichnung und widerspiegle die bewährte Haltung der Partei, nämlich Konsensfähigkeit und Lösungsorientiertheit. Als Mittepartei übernehme man eine grosse politische Verantwortung gegen aussen und sei oft das «Zünglein an der Waage».

«Ein Namenswechsel ändert nichts, es zählen Köpfe, Ideen und Inhalte. Ich würde es begrüssen, wenn unsere Partei mutig neue Themen aufgreift.»
Gabi Tremp, Gemeinderätin, Schänis

Die Schänner Gemeinderätin Gabi Tremp kann sich mit «Die Mitte» besser identifizieren, da die CVP kein Monopol auf das Christentum habe und sie die Trennung von Staat und Kirche befürworte. Sie findet aber auch, dass ein Namenswechsel nichts ändere, denn schliesslich zählten Köpfe, Ideen und Inhalte. Tremp würde es begrüssen, wenn ihre Partei neue Themen aufgreift und die «Demokratie mit zielführenden Kompromissen weiterbringt». Es brauche eine Partei des Ausgleichs.

«Als Traditionalist trauere ich dem Namen CVP schon ein wenig nach. Ich werde jedoch die neue Namensbezeichnung akzeptieren und der Partei sicherlich treu bleiben.»
Diego Forrer, Gemeindepräsident, Uznach

Die Freude über «Die Mitte» ist jedoch nicht flächendeckend. So gibt der Uzner Gemeindepräsident Diego Forrer an, dass er die neue Bezeichnung zwar akzeptieren werde, aber als Traditionalist dem Namen CVP schon ein wenig nachtrauere. Doch da die Partei seinen Grundwerten nach vor am besten entspreche, werde er ihr wohl treu bleiben.

«Persönlich ist für mich der Name CVP wichtig. Ich bin schon so viele Jahre damit verbunden. Im Moment denke ich, es ist schade zu wechseln. Aber die Mehrheit wünscht sich einen Wechsel und so schliesse ich mich an.»
Regina Zweifel, Gemeinderätin, Gommiswald

Auch für Regina Zweifel, Gemeinderätin in Gommiswald, ist der alte Name CVP wichtig. Sie sei schon so viele Jahre damit verbunden und bedauere es im Moment, den Namen zu wechseln. Doch da sich die Mehrheit, insbesondere die Jungen, den Wechsel wünschten, werde sie sich der Mehrheit anschliessen.

Gemischte Reaktionen aus dem Umfeld auf Umbenennung

Obwohl der Kantonalpartei die Umbenennung erst 2022 bevorstehen dürfte, wollte Linth24 von den befragten CVP-Mitgliedern wissen, ob sie aus ihrem persönlichen oder Partei-Umfeld bereits erste Reaktionen erhalten haben. Die Bandbreite der Antworten reichte von «Null» über «recht gemischt» bis hin zu «ausschliesslich positiv» (letzteres bei Heidi Romer).

«Natürlich sind die Reaktionen kontrovers. Wenn man aber Idee und Zielsetzung erklärt, dann kommt regelmässig grosser Zuspruch.»
Beni Würth, Ständerat, Rapperswil-Jona

Ständerat Beni Würth beobachtete in seinem Umfeld kontroverse Reaktionen zum Namen. Doch wenn man Idee und Zielsetzung des Unterfangens erkläre, dann erhalte man oft grossen Zuspruch.

«Von meinen ParteikollegInnen ist nicht nur eitel Freude betreffend den neuen Namen zu hören. Jedoch ist das jetzt so entschieden und entweder man gewöhnt sich daran oder eben nicht.»
Ueli Dobler, Stadtrat, Rapperswil-Jona

Von seinen ParteikollegInnen hörte Stadtrat Ueli Dobler aus Rapperswil-Jona nicht nur eitel Freude im Hinblick auf den neuen Namen «Die Mitte». Doch da der Entscheid nun mal gefallen sei, gebe es zwei Möglichkeiten: Entweder man gewöhne sich daran – oder eben nicht...

«Mehrheitlich waren es positive Rückmeldungen. Viel mehr kritische Reaktionen gab es, als ich frisch in die CVP eintrat. Viele hatten mich erstaunt gefragt, ob ich denn wegen dem ‹C› in dieser Partei sei.»
Franziska Steiner-Kaufmann, Kantonsrätin, Gommiswald

Die Gommiswaldner Kantonsrätin Franziska Steiner-Kaufmann registrierte mehrheitlich positive Reaktionen zum Namen «Die Mitte». Im Vergleich dazu habe sie bei ihrem CVP-Eintritt mehr kritische Stimmen von aussen gehört. Viele hätten sie damals verwundert gefragt, ob sie denn wegen dem «C» der Partei beigetreten sei.

«Es gibt auch schon Interessierte, welche bei einem Namenswechsel der JCVP Kanton St.Gallen beitreten werden.»
Cedric Gmür, Präsident JCVP Kanton St.Gallen, Amden

Bislang ausschliesslich positive Rückmeldungen registrierte Cedric Gmür aus seinem Freundeskreis. Gerade die politisch Interessierten begrüssten den neuen Namen, da sie das C mit Religion und nicht mit politischen Inhalten verbänden. Eine «Junge Mitte» würde zu einer wesentlich attraktiveren Wahloption. Es gebe bereits Interessierte, die bei einer Umbenennung der Jungpartei beitreten werden.

Aufbruch und Öffnung der CVP: breite Zustimmung

Die Einschätzung des Parteipräsidiums, dass die CVP sich öffnen und einen neuen Aufbruch wagen sollte, ist auch im Linthgebiet breit abgestützt, unabhängig von Alter und Geschlecht. Viele der Befragten sehen in der Entwicklung Chancen für die Partei, etwa eine neue Aussenwahrnehmung und die Erschliessung neuer Wählerschichten, und kaum Risiken.

«Ein Aufbruch, sich Öffnen ist immer gut. Wer nicht wagt, gewinnt nicht!»
Regina Zweifel, Gemeinderätin, Gommiswald

So beurteilen auch langjährige CVP-Mitglieder wie etwa Regina Zweifel, Gemeinderätin in Gommiswald, einen Aufbruch und eine Öffnung grundsätzlich als gute Sache. Sie findet sogar: Wer nicht wagt, kann nicht gewinnen.

«Es sind immer die Menschen, die Dynamik in ein System bringen, und so nehme ich die ‹CVP-Mitte› gegenwärtig wahr. Wir haben viele junge sehr aktive Mitglieder, die ‹energetisch› sehr gut unterwegs sind.»
Daniela Brunner-Gmür, Gemeindepräsidentin, Kaltbrunn

Eine Art Aufbruchstimmung nimmt die Kaltbrunner Gemeindepräsidentin Daniela Brunner wahr. Sie betont, dass ein «Aufbruch» nicht nur in Form einer neuen Bezeichnung stattfinde. Momentan bemerke sie innerhalb der Partei eine Dynamik, mit einer grossen Zahl junger und sehr aktiver Mitglieder, die mit viel Energie unterwegs seien.

«Wichtig ist, dass die Grundwerte der Partei weiterhin Bestand haben werden, gleichwohl die Partei nicht nur den Namen ändert, sondern auch ihr Profil schärft.»
Franziska Steiner-Kaufmann, Kantonsrätin, Gommiswald

Zu den jungen Parteimitgliedern zählt Franziska Steiner-Kaufmann. Auch für sie ist es mit einer Umbenennung der Partei noch nicht getan. Es sei wichtig, dass die Partei weiterhin an ihren Grundwerten festhalte, auch wenn sie ihr Profil schärft.

Steiner-Kaufmann blickt dankbar auf die konstruktive und lösungsorientierte Politik unter dem alten Namen, freut sich aber auch auf einen neuen Abschnitt in der Geschichte der Partei.

Erfahren Sie morgen im zweiten Teil, wie die CVP-Mitglieder aus dem Linthgebiet das neue Logo der Partei «Die Mitte» beurteilen und was sie vom Zusammenschluss mit der BDP halten.

Stefan Knobel, Linth24