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Leserbrief
Kanton
10.12.2020
10.12.2020 17:59 Uhr

«Aktuelle Zeit erträgt keine talentierten Blender»

Regierungen und Behörden redeten vorschnell und reflexartig von Verschwörungstheorien, meint Schwander.
Regierungen und Behörden redeten vorschnell und reflexartig von Verschwörungstheorien, meint Schwander. Bild: Archiv
Nationalrat Pirmin Schwander findet, dass Behörden und Regierungen mit Fragen zu Corona-Massnahmen und deren Folgen schlecht umgehen, und fordert, dass sie sich einmal selbstkritisch hinterfragen.

«Im März habe ich geschrieben: Die Freiheit ist unser höchstes Gut – gerade und besonders auch jetzt! Heute muss ich ergänzen und differenzieren: Politische Selbstbestimmung setzt Freiheit und politische Urteilskraft voraus.

Wer frei ist und politische Urteilskraft besitzt, kann Daten und Informationen selbst sortieren, sachliche und politische Zusammenhänge selbst erkennen und einseitige und manipulistische Propaganda selbst durchschauen.

Dazu braucht es keine talentierten Blender, welche schon so oft ohne nachweisbare Fakten (in der Wissenschaft wird von ‹empirischer Evidenz› gesprochen) Menschen, Kulturen und ganze Völker in den Abgrund führten.

‹Versuch und Irrtum› beim Bundesrat

Eine Auswertung der bundesrätlichen Antworten vom letzten Montag auf die reichlichen Fragen über die COVID-19-Massnahmen zeigt mit aller Deutlichkeit, dass der Bundesrat mit der ‹Versuch und Irrtum›-Methode probiert, die richtigen Massnahmen herauszufinden. Von nachweisbaren Fakten (also empirischer Evidenz) sind wir also weit entfernt.

Fragen über die getroffenen COVID-19-Massnahmen und die allfälligen Folgeschäden bei jedem einzelnen Menschen und für die ganze Gesellschaft sind heute wichtiger denn je.

Keine Selbstkritik bei Regierungen und Behörden

Fragen über die COVID-19-Massnahmen und deren Folgen sind unbeliebt. Regierungen und Behörden reden dann vorschnell und reflexartig von Verschwörungstheorien, betrachten damit ihre eigenen politischen Werte und Urteile höherwertig und irrtumsfrei und lassen die Polizei auffahren.

Dabei sollten genau diese einmal selbstkritisch hinterfragen, ob sie noch über die nötige politische Urteilskraft für ihr anvertrautes Amt verfügen. Gerade die aktuelle Zeit erduldet keine Blender, schon gar nicht talentierte!

Fazit: Wer glaubt, irgendein talentierter Blender könne mich weitab von Fakten mundtot machen, unterliegt einem historischen Irrtum. So rufe ich die Redewendung in Erinnerung: ‹Irren ist menschlich, aber auf Irrtümern zu bestehen ist teuflisch.› (Hieronymus; Seneca).»

Pirmin Schwander, Nationalrat, Lachen