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Eishockey
24.11.2020
24.11.2020 10:54 Uhr

Zwischenbilanz für die SCRJ Lakers

Hockeykenner Daniel Altorfer ist zufrieden mit dem Saisonstart der Lakers und ist zuversichtlich, dass eine erstmalige Play-Off-Qualifikation nach dem Wiederaufstieg in Reichweite liege. Bild: Linth24
Knapp 2 Monate nach Saisonstart nimmt Hockeykenner Daniel Altorfer die SCRJ Lakers respektive die Spieler und ihre Fähigkeiten genauer unter die Lupe.
  • Eishockey-Kommentar von Daniel Altorfer

Zugegeben: Der Blick auf die aktuelle Tabelle der National League gleicht aufgrund der Corona-Pandemie und deren Quarantäneregelungen einem Zufallsgenerator. Einige Teams haben bereits 14 Spiele und somit rund 1/3 der aktuellen Meisterschaft absolviert, andere Teams kommen auf 8 Spiele. Die Tabelle zeigt nur bedingt die aktuellen Stärkeverhältnisse.

Die Rapperswil Jona Lakers haben bereits 13 Spiele absolviert und befindet sich mit 17 Punkten aktuell auf Rang 7 der Tabelle.

Ob diese Rangierung dem bisher gezeigten entspricht möchte ich im Folgenden analysieren.

Sichere Torhüter

Wie ich in meiner Saisonvorschau geschrieben habe, versprach ich auf den Torhüterpositionen mehr Konkurrenz und Druck auf Melvin Nyffeler. Das dies so ist, zeigte Noel Bader gleich zu Saisonbeginn.

Der 24-Jährige stand aufgrund einer COVID-19- Erkrankung von Nyffeler bereits während 4 Spielen zwischen den Pfosten der Rapperswiler. Und dies erfolgreich: Seine Abwehrquote von 92.1% lässt sich sehen! Auch Melvin Nyffeler wusste bisher in den 9 Meisterschaftsspielen mit einer Abwehrquote von 91.6% zu gefallen.

Beide Lakers-Goalies konnten sich gegenüber der letzten Spielzeit steigern und sind ein sicherer Rückhalt für ihr Team.

Mehr Stabilität in der Defensive

War die Abwehr der Rapperswil Jona Lakers letzte Saison noch ein Schwachpunkt, so zeigt sich diese aktuell verbessert. Die Zuzüge von Igor Jelovac und Rayan Sataric verhelfen der Lakers Defensive zu deutlich mehr Stabilität. So kassierte man bisher 2.6 Gegentore/Spiel gegenüber 3.2/Spiel während der letzten Saison. 

Auch die Spielauslösung aus der eigenen Zone wirkt sattelfester. Es scheint, dass Tomlinson dieses Manko erkannt und verbessert hat. Dazu hat man mit Leandro Profico und Dominik Egli zwei Verteidiger, welche sich produktiv in die Offensive einschalten. Ersterer hat bereits 9 Scorerpunkte auf seinem Konto, während Dominik Egli nach einem eher durchzogenen Saisonstart immer besser in Fahrt kommt.

Einziger Wehrmutstropfen in der Defensive bleiben die teilweise unerklärlichen Aussetzer. So auch im letzten Spiel gegen die Lions, als Mauro Dufner just nachdem sich die Rapperswiler zurück ins Spiel kämpften, einen Querpasse aus der eigenen Zone direkt dem Gegner auf die Schaufel spedierte. Damit war die Partie entschieden und die Hoffnung auf einen Punktgewinn der Lakers zerschlagen. Solche Aussetzer verzeiht es auf diesem Level nicht.

Vielversprechende Talente

Mit Marco Lehmann wurde ein Flügel an den Obersee transferiert, der das Potential für einen 1- oder 2-Linienspieler in der NL mitbringt. Mit seinem Speed und Einsatzwillen ist er bereits jetzt eine Verstärkung für die Rapperswiler und ein Versprechen für die Zukunft.

Dasselbe gilt für Nando Eggenberger. Der in Davos ausgemusterte, physisch starke Flügel bringt alle Eigenschaften für einen guten Schweizer Stürmer mitFalls Eggenberger sein Spielverständnis verbessern kann, wird er noch viel von sich reden machen.

Der Lotto-6er bei den Importspieler

Es war bereits vor dem Saisonstart klar: Der Erfolg der Rapperswil Jona Lakers steht und fällt mit den Leistungen der Importspieler. Und was die vier Vorderleute bisher abliefern ist schlichtweg (Welt)-Klasse!

Roman Cervenka ist unbestritten einer der besten Spieler der Liga. Er kann ein Spiel allein entscheiden: so wie gegen den HCAP, als er mit 2 herrlichen Treffern und einem seiner magistralen Pässe den Grundstein zum wichtigen Sieg ebnete. 

Andrew Rowe ist mit seinem unermüdlichen Kämpferherz so etwas wie «die Seele» der Mannschaft. Ein Reisser und Antreiber auf höchstem Niveau.

Nach einem eher durchschnittlichen Saisonstart kommt auch Kevin Clark immer besser in Fahrt. 5 Punkte aus den letzten beiden Spielen sprechen für sich.

Mit viel Vorschusslorbeeren ausgestattet durfte man gespannt auf die Auftritte von Neuzugang Steve Moses sein. Nach einer kurzen Verletzungspause zu Saisonbeginn konnte man das Können von Moses in den letzten Spielen bestaunen. Mit seiner Abschlussqualität und dem unermüdlichen Einsatze konnte er vollends überzeugen. Moses ist eine echte Verstärkung für die Lakers und wird uns noch viel Freude bereiten.

Bleibt das Ausländerquartett von Verletzungen verschont, traue ich diese Saison jedem Importspieler mindestens 40 Punkte zu.

Punkte in wichtigen Partien

Was in dieser Saison auffällt ist die Punkteausbeute gegen die direkten Konkurrenten um einen Play-Off_Platz. So konnte man in den bisherigen 4 Duellen gegen die SCL-Tigers und den HCAP 11 von 12 möglichen Punkten für sich beanspruchen. Dies dürfte wohl mitentscheidend für einen erfolgreichen Saisonverlauf sein.

Zudem wurde erst ein Spiel gegen den HC Davos klar verloren. Alle anderen Partien bei denen die Rapperswiler als Verlierer vom Eis gingen waren äusserst umkämpft. Auch dies zeigt: Man ist nochmals näher an die Konkurrenz gerückt.

Fragwürdige Entscheidungen

Normalerweise lasse ich die Finger von Kritik an Spielleitern. Doch was in den Spielen gegen den SCB am letzten Dienstag und gegen den ZSC im Hallenstadion am letzten Samstag teilweise gegen die Rapperswiler entschieden wurde, wirft Fragen auf.

So musste Jeremy Wick im Spiel gegen den SCB wegen eines angeblichen Checks gegen den Kopf unter die Dusche. Prompt fiel das vorentscheidende 3:1 für Bern. Im Gegenzug wurden zwei glasklare und hinterhältige Stockschläge gegen die Rapperswiler im Spiel vom letzten Samstag nicht geahndet. Beide notabene in entscheidenden Phasen der Partie.

Ich möchte den Referees keine Absicht unterstellen, jedoch bleibt zu hoffen, dass die Unparteiischen ihrem Namen wieder gerecht werden in Zukunft.

Einen Schritt vorwärts

Alles in allem kann der Saisonstart der Rapperswil Jona Lakers als gelungen bezeichnet werden. Spielt das Team von Jeff Tomlinson so weiter, liegt eine erstmalige Play-Off-Qualifikation nach dem Wiederaufstieg in Reichweite.

So darf man an dieser Stelle den Verantwortlichen der Lakers ein gutes Zeugnis für ihre Arbeit ausstellen. Der Masterplan «der kleinen Schritte vorwärts» ist keine Illusion, sondern wird mehr als eingehalten. Die Crew hat ihren Job erfüllt!

Bleibt zu hoffen, dass die Fans der Rapperswil Jona Lakers das Geschehen auf dem Eis bald wieder live mitverfolgen können. Es liegt jetzt an uns Fans, den Rapperswil Jona Lakers unsere Treue und die Dankbarkeit für die geleistete Arbeit entgegenzubringen.

Daniel Altorfer, freier Mitarbeiter Linth24