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Kultur
06.01.2026
04.01.2026 17:35 Uhr

Geschichte des Dreikönigskuchens

Dreikönigskuchen. (Symbolbild)
Dreikönigskuchen. (Symbolbild) Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung
Der Dreikönigskuchen ist viel älter als das Christentum und seine Bedeutung geht tiefer, als «wer die Krone findet». Er verbindet römische Bräuche, Machtkritik und Gemeinschaft.

Erst später verbindet der Dreikönigskuchen die Drei-Königs-Symbolik. Der eigentliche Ursprung liegt in den Saturnalien (Dezember/Januar). Die Saturnalien waren ein grosses Volksfest, und dafür wurde die soziale Ordnung für kurze Zeit aufgehoben, nämlich dienten die Herrn den Sklaven. Ein Los bestimmte den König des Tages. Dafür wurde ein Brot oder Kuchen geteilt. Darin wurde eine Bohne versteckt. Wer sie fand, war für einen Tag lang der König!

Das war eine spielerische Machtdemontage. Es zeigte sich in dem Spiel, dass Macht nicht göttlich oder verdient ist, sondern zufällig und vergänglich.

Ursprünglich wurde eine getrocknete Bohne (als Symbol des Lebenskeims), später eine Mandel, dann eine Porzellanfigur und heute eine Plastikfigur im Dreikönigsbrot oder -kuchen versteckt.

Bohne als Symbol der Fruchtbarkeit

Die Bohne stand für Fruchtbarkeit, Neubeginn und verborgenes Potential.

Wie viele Rituale wurde auch dieses christianisiert. Im frühen Mittelalter übernahm die Kirche den Brauch und verband ihn mit dem 6. Januar (Epiphanie). Sie gab dem Ritual eine neue Bedeutung. Die drei Könige erkennen das Kind, worin der König verborgen ist. Es ging dabei nicht um Macht, sondern um Erkenntnis. Der Kuchen bleibt, die Bedeutung hat sich gewandelt.

Gemeinsames Teilen ist wichtig

Der Dreikönigskuchen wird nicht allein gegessen, sondern geteilt. Jeder Mensch bekommt ein gleichgrosses Stück. Niemand weiss vorher, wer König wird. Die Gleichheit kommt vor dem Los und die Gemeinschaft vor der Hierarchie.

Die Papierkrone, die mit dem Dreikönigskuchen verkauft wird, ist eine späte harmlose Zugabe (heute König sein). Mit dem Titel König gilt es, Verantwortung zu tragen, grosszügig zu sein und manchmal bedeutet es auch, dass man den nächsten Kuchen bezahlt.

Der Dreikönigskuchen steht für verborgene Würde (Bohne), Zufall statt Macht, Gemeinschaft, aber auch für Neubeginn nach der Wendezeit. Jeder kann König sein, doch nur im Kreis der anderen.

Warum ist er in der Schweiz so verankert?

Dies hat mehrere Gründe, die erstaunlich gut zur Schweizer Mentalität und Geschichte passen. Es ist kein Zufall.

In vielen Ländern ist der Dreikönigsbrauch höfisch, gehört zum Adel, zu den Königen und auch zu einer Inszenierung.

Die Schweiz hatte nie einen König, auch keine zentrale Hofkultur und frühe republikanische Traditionen. Ein Brauch, bei dem per Zufall jemand König wird, ohne echte Macht, passt perfekt zu: alle sind gleich, heute bist du dran, morgen jemand anders – und das ist sehr schweizerisch.

Dazu kommt, dass die Schweiz starke Bäcker- und Zunftkultur hatte. Man überall regionale Brote und Festgebäcke bekommt,  und es auch viele Bräuche gibt, die im Alltag verankert sind und nicht nur in der Kirche. Da der Dreikönigskuchen einfach ist, konnte er sich in den Familien und Dörfern halten.

In reformierten Gebieten wurden in der Reformation viele Heiligenfeste abgeschafft, doch die Epiphanie blieb, jedoch entmythologisiert. Denn der Kuchen war kein Heiligenkult, kein Bild und auch kein Reliquienbrauch. 

Bezug zur Schweizer Geschichte

Die Schweiz funktioniert seit Jahrhunderten über Gemeinden, Teilhabe, Losverfahren (z.B. früher bei Ämtern), Rotation von Verantwortung. Und genau das spiegelt der Dreikönigskuchen: gleiche Stücke, niemand weiss vorher, wer oben ist und das Königsein ist zeitlich begrenzt. Die Schweizer Bäckereien griffen den Dreikönigskuchen bewusst auf und bekam eine lokale Verankerung.

Tieferer unausgesprochener Grund

Die Schweiz ist kulturell geprägt von Zurückhaltung, Skepsis gegenüber Macht und Wertschätzung des Alltäglichen. Der Dreikönigskuchen feiert Gleichheit statt Herrschaft, Gemeinschaft statt Glanz, Zufall statt Macht und Alltag statt Inszenierung.

Königskuchen mit Papierkrone Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung
Patricia Rutz, Toggenburg24/Linth24
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