Linthgebiet
04.10.2019
05.10.2019 06:46 Uhr

CHANDIRAMANIS BÖRSENWOCHE NR 38

Die Börse war diese Woche stark belastet: Handelskrieg, Wirtschaftsabkühlung, Credit-Suisse-Affäre sind die Stichworte.

Beim Handelskrieg legen die USA einen Zacken zu. Frühindikatoren weisen auf eine deutliche Abkühlung der Wirtschaft hin. Die Credit-Suisse-Affäre gibt viel zu reden, schadet dem Bankenplatz Schweiz und weist auf zahlreiche Schwächen hin.

In der Berichtswoche gab es ein Bündel von negativen Nachrichten. Die USA verhängen neue Strafzölle auf Flugzeugteile, aber auch auf Käse, Olivenöl und Wein. Sogar die Welthandelsorganisation (WTO) erlaubt solche Zölle in der Höhe von 7,5 Milliarden Dollar zu erheben wegen unerlaubter europäischer Exportsubventionen bei der Flugzeugbranche (Airbus). Nun machen die USA von diesem Urteil Gebrauch.

Gleichzeitig läuft in den USA das Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten weiter. Die Demokraten wollen Donald Trump am Boden sehen und seine Wiederwahl im Jahre 2020 vereiteln.

Auch in Grossbritannien wird immer noch eine Lösung für einen geordneten «Brexit» gekämpft. Die EU ist auf neue Vertragsverhandlungen nicht eingetreten. Man spricht nun schon wieder von einer Verschiebung.

Der neuste Einkaufsmanager-Index PMI (in den USA ISM genannt) ist ein guter Frühindikator der Wirtschaft, und dieser fiel deutlich, in der Schweiz auf unter den Wert von 44.6 und in den USA auf 47.8 Zähler. Werte unter 50 bedeuten eine Schrumpfung der Wirtschaft, darüber eine Expansion. Diese unerwartet tiefen Zahlen schickten auch die Aktienbörse in den Keller, in der Schweiz betrugen die Verluste rund 2.5 Prozent. Am Donnerstag und Freitag stabilisierten sich die Märkte wieder etwas. Die Arbeitsmarktzahlen (USA), publiziert am Freitag, wecken neue Hoffnungen auf vorgezogene Zinssenkungen.

Für die Publikation der Neunmonatsergebnisse war es noch zu früh, dennoch haben sich einige Unternehmungen über ihre Zukunft geäussert:

Microsoft will wieder smarte Mobiltelefone herstellen, Toyota steigt bei den Elektroautos ein. BP-Chef Dudley tritt zurück – und der Drucker und PC-Hersteller HP plant weltweit bis zu 9000 Stellen abzubauen.

Viel zu reden gab die Bespitzelungsaffäre bei der Credit Suisse. Traurige Entwicklung – ein Mitarbeiter der betroffenen Detektivagentur hat sich das Leben genommen. Anschliessend zog die Bank personelle Konsequenzen – Bankchef Tidjane Thiam bleibt im Amt, ebenso der VR-Präsident – gehen müssen dagegen der Leiter des operativen Geschäfts und der Sicherheitschef. Dieser Bespitzelungskrimi schadet dem ganzen Finanzplatz Schweiz massiv. CS-Aktien verloren zeitweise über 5 Prozent.

Aussichten

Im Herbst sind die Aktienmärkte in der Regel volatil, d.h. stark schwankend. Im Moment haben wir die Situation einer weltweiten wirtschaftlichen Abschwächung, aber als Gegenkraft weiteren Druck auf die Leitzinsen und kaum Anlagealternativen zu den Aktien. Wir empfehlen nur Qualitätstitel mit hohen Dividendenrenditen zu kaufen bzw. zu halten.

Aber es lohnt sich, einen Blick auf die internationale Verschuldung zu richten. Fast alle Staaten der Welt weisen hohe Schuldenraten aus, vor allem Japan, Griechenland, Italien, Portugal, Belgien, Singapur und die USA. Die Länder Norwegen, Luxemburg und die Schweiz stehen eher besser da.

Wichtig ist aber der Vergleich zur Wirtschaftsleistung (BIP). Früher wurden die Schulden mehrheitlich über die Inflation abgebaut, heute wird durch die Tiefzinspolitik der Notenbanken die Schuldenlast erträglicher gemacht. Das ist aber keine Lösung auf die Dauer – Symptombekämpfung anstatt Ausrottung einer Krankheit.

Alle Staaten und die Notenbanken haben somit immer noch einen grossen Hausaufgabenberg vor sich. Aber die tiefen Zinsen dürften somit noch lange anhalten, mit allen Nebenwirkungen – wie Enteignung der Sparer und Alters-Vorsorgewerke durch Negativzinsen, Immobilien-Blasenbildungen in einigen Gegenden aber auch mit Bevorzugung der Sachwertbesitzer, Aktionäre und Hauseigentümer (tiefe Hypozinsen).

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst