Schmerikon
16.08.2019
16.08.2019 14:13 Uhr

Ortsgemeinde kassiert Bussen

Eine schöne Feier am Auffahrtsdonnerstag. Rechts sichtbar das Auto mit der Bier-Bar, links hinter der Hecke das Dach des Metzgerautos.
Die Ortsgemeinde Schmerikon lädt diesen Samstag-Nachmittag zum Fest in der «alten Zementi» ein. Gerade dort aber hat sie Streit mit einem Mieter, was möglicherweise die Gerichte beschäftigen wird.

Der Auffahrtsdonnerstag war für Werner Frieden ein besonderer Tag. Er lud zu seinem 60. Geburtstag ein, in die «Alte Zementi» in Schmerikon. Frieden wohnt in Schmerikon, ist aber nicht Mitglied der Ortsbürger. Deshalb musste er als «Externer» eine Miete von 300 Franken bezahlen, plus ein Depot von satten 500 Franken.

Für die 65 Gäste mussten Esswaren, Getränke und Musikanlage transportiert werden. Ein altes Feuerwehrauto diente als Bier-Bar.

Es wurde ein schönes Fest. Doch danach kam der Kater. Nicht durch Alkohol bedingt, sondern von der Ortsgemeinde. Werner Frieden erhielt seine 500 Franken Depot nicht zurück, sondern nur 300 Franken. 200 Franken wurden ihm als «Busse» abgezogen, weil er mit den Autos durch ein Fahrverbot gefahren sei und sie beim Gelände habe stehen lassen. «Das ist gemäss Mietvertrag verboten», sagt der Andreas Kuster, der Präsident der Ortsgemeinde zu Linth24.

Werner Frieden sieht das ganz anders. «Das ist kein Fahrverbot sondern ein Zubringendienst». Er belegt seine Aussage mit einer Foto.

Kein Fahrverbot, sondern Zubringerdienst. Die breite Bucht für das Abstellen von Lieferantenautos.

Der für die Grilladen bestellte lokale Metzger sei, nach getaner Arbeit, also nach etwa zwei Stunden, wieder abgefahren, so wie auch der Musiker. Das parkierte Feuerwehrauto sei von der Ortsgemeinde akzeptiert worden. Frieden sagt: «Keine meiner Gäste parkierte bei der Zementi und auch sonst konnten keine anderen ‘Verstösse’ reklamiert werden. Aber anscheinend wird irgend ein Vorwand gesucht um das Depot ganz oder teilweise zurückzubehalten. Für mich ist das eine Unterschlagung oder ein Missbrauch der Verkehrsordnung.»

Linth24 hat gefragt, auf welcher Grundlage die Ortsgemeinde eine «Busse» erheben kann. Die Antwort blieb der Präsident schuldig. Stattdessen beruft er sich auf den Mietvertrag und den habe Frieden verletzt.

Beweissmittel der Ortsgemeinde. Auszug aus dem Vertrag und Foto. Das bewilligte Kaffeebar-Auto, das Auto des Musikers und des Metzgers. Gut sichtbar: Der Strandweg ist frei..

Die Busse findet Andreas Kuster nicht hoch, im Gegenteil: «Da das Ehepaar Frieden zu den ersten Nutzern nach dem Umbau gehörten, haben wir im Sinne eines Entgegenkommens nur einen kleinen Teil davon zurückbehalten.»

Werner Frieden findet die Busse «willkürlich» und vermutet mehr dahinter: «Der Ortsgemeindepräsident verlangt ein hohes Depot mit einem komplizierten Vertrag und zahlt dann nur einen Teil des Depots zurück.». In seinem Leserbrief an Linth24 schreibt Werner Frieden. «Es erweckt den Anschein, dass hier ein Geschäftsmodell umgesetzt wird, das gezielt eine Erhöhung der Miete zur Folge hat.»

Werner Frieden und Andreas Kuster haben bereits länger miteilander telefoniert. Friedlich war das nicht. Beide Seiten beharren auf ihrem Standpunkt.

Möglicherweise wird Frieden die Ortsgemeinde einklagen, denn «hier geht es um etwas Grundsätzliches». Andreas Kuster bleibt sturr. Lieber lädt er die Bevölkerung zu einer Besichtigung der «Alten Zementi» ein und hofft, dass der Auffahrtsdonnerstag bald vergessen geht.

Mario Aldrovandi, Linth24