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Leserbrief
Kanton
09.08.2020
09.08.2020 18:06 Uhr

Nationale Politik und Sorgen um die Landsgemeinde

Roland Dürig aus Schwanden fragte sich am 1. August angesichts der aktuellen Themen: Wohin steuern die Schweiz und das Glarnerland? Von nationalen Versäumnissen und der Abschaffung der Landsgemeinde.
Der Nationalfeiertag bot für Leser Roland Dürig Anlass, über die wirtschaftliche und politische Situation der Schweiz und des Glarnerlands nachzudenken. Oder war es gar ein Traum?

Am 1. August 2020 hatten wir Glarner wettermässig ein grosses Glück: Der Regen hat gegen Abend hin aufgehört, so konnte man im Dunkeln sitzend von Schwanden aus 7 schöne Bergfeuer beobachten. Das eine leuchtete aus 2300 Höhenmetern ins Tal hinunter und die andern verschwanden allmählich in der Dunkelheit und machten dem Mond Platz.

Vom Rütli und der Landsgemeinde haben wir geredet bis spät in die Nacht hinein und Wein getrunken. Müdigkeit und Zufriedenheit überfielen mich und sorgten für einen tiefen Schlaf, oder doch nicht? Eine frische Gesprächsrunde bahnte sich an, denn an aktuellen Themen mangelte es ja in letzter Zeit kaum.

BR Ueli Maurer sass gegenüber und meinte, dass es einfach so nicht weiter gehen darf, wie vor dem Lockdown. Unsere wirtschaftlichen Höchstleistungen der letzten 20 Jahre liessen sich zwar sehen und machten uns zum angeblich reichsten Land der Welt.

Doch: «Heute, nach fünfmonatiger Flaute, sehe ich ein, dass wir, d.h. unsere Regierung einem grossen Fehlverhalten, dem Drang nach noch mehr, verfallen ist. So hat die Schweiz die Schuldenreduktion von 20 Milliarden Franken der letzten zehn Jahre verspielt und in der gleichen Zeit so viel fruchtbares Ackerland zubetoniert. Dadurch ist unsere Selbstversorgung mit landwirtschaftlichen Produkten auf dem Tiefpunkt angelangt, wir sind verletzlich und vom Ausland abhängig.»

Nach einer kurzen Gesprächspause meldet sich BR Viola Amherd zu Wort und glaubt, dass die finanzielle Situation es nicht erlaube, für 6 Milliarden neue Kampfflugzeuge zu kaufen, weil die vorhandenen Flieger noch sehr gut im Schuss seien und unserer Armee neue Boden-Luft Abwehrmittel fehlten.

Ein anwesendes Glarner Regierungsratsmitglied (Name unbekannt) unterstützt die Vorrednerin und verspricht, diesen Sparwillen auch im Glarnerland einzubringen. «Also darf an der nächsten Landsgemeinde das Budget nicht zur Annahme empfohlen werden, weil darin die Ausgaben viel höher sind als die Einnahmen, es sei denn wir würden die Null-Lohnrunde dem Volk vorschlagen.

Meine grösste Sorge ist der Ruf nach Abschaffung der Landsgemeinde. Die vier Leserbriefe in der SO haben mich gar nicht gefreut, jedoch zum Nachdenken angeregt. Die von den Landsgemeinde-Gegnern aufgeführten Fakten sind ernst zu nehmen, doch für mich, hier aufgewachsen, ist es halt ein schöner Brauch. Dass aber die Landsgemeinde noch im Herbst stattfinden soll, verstehe ich nicht, das werde ich versuchen zu verhindern.»

Die Zwangs-Landsgemeinde ist trotz regnerischem Wetter eröffnet. Der Landammann ruft: «D’s Wort isch fry.»

Der erste Redner wirbt mit klaren Worten für die Abschaffung der undemokratischen und teuren Veranstaltung. «Im Namen vieler Stimmberechtigter, die heute aus lebenswichtigen Gründen nicht anwesend sind, kann der jährlich wiederkehrende Aufwand eingespart werden und der heutige Landsgemeindeplatz einem langersehnten anderen Zweck zugeführt werden.»

Der unter Punkt 11 im Memorial aufgeführte Verpflichtungskredit von 7,8 Mio. Franken solle für den Bau eines dreistöckigen Autoparkhauses verwendet werden, nicht für den landfressenden Strassenbau. Der Kanton könne endlich in Glarus etwas gegen das leidige Parkproblem tun, für Pendler und Dauermieter. «Liebe Glarnerinnen und Glarner, stimmen Sie meinen beiden Anträgen zu!»

Die grössere Mehrheit hebt die Hand in die Höhe und applaudiert so laut, dass das Echo vom Glärnisch runterkommt. Mittendrin erwache ich, reibe mir die Augen und stelle leider fest, äs isch ja nur ä chlisäs Träumli gsi.

Roland Dürig, Schwanden