Rapperswil-Jona
07.06.2019
07.06.2019 22:08 Uhr

CHANDIRAMANIS BÖRSENWOCHE NR 23

Steigende Börsen aufgrund zu erwartender tieferer Zinsen und ein starker Franken prägten diese Woche.

Zu Wochenbeginn veröffentlichte die Weltbank einen Bericht mit der überraschenden Erwartung eines zukünftig schwächeren Wirtschaftswachstums. Die Institution nahm ihre Prognose für das weltweite Wachstum im laufenden Jahr von 2.9 auf 2,6 Prozent zurück. Begründet wurden diese Annahmen mit den anhaltender Handelsstreitigkeiten und der internationalen Verschuldung. Im Anschluss daran erklärte US-Notenbankpräsident Jay Powell die Bereitschaft, im Laufe des Jahres die amerikanischen Leitzinsen zu senken. Dieses definitive Ende einer Phase gestiegener Zinsen in den USA gab der Wall-Street somit neuen Schub. Auch in Asien, Europa und speziell auch der Schweiz erholten sich die Aktienkurse teilweise kräftig nach der Konsolidierungsphase im Mai.

Zusammen mit der Börsenerholung und im Vorfeld amerikanischer Zinssenkungen kamen auch die wichtigsten Währungen in Bewegung. Euro und US-Dollar schwächten sich ab oder umgekehrt gesagt, der Schweizerfranken setzte zu einem neuen Höhenflug an. Das gefällt den Importeuren und ärgert die Exporteure sowie die Bereiche Gastgewerbe, Detailhandel und Tourismus. Da auch bei uns die Zinsen aller Laufzeiten bereits wieder rutschen, gibt es wiederum Geschenke an die Hausbesitzer in Bezug auf Hypothekarkredite. Aber für die Pensionskassen wird es zunehmend schwieriger, Geld gewinnbringend anzulegen.

Andere Ereignisse der ersten Juniwoche rückten eher in den Hintergrund. Das war einerseits der Besuch des US-Präsidenten Donald Trump in Grossbritannien. Hier wurde zwar viel berichtet, geschrieben und kritisiert über die Handelsverträge und den Brexit. In der Schweiz hat der Ständerat beschlossen, die Inhaberaktien zu verbieten bzw. Zwangsumtausch in Namenaktien auf Druck der OECD hin und mit der Absicht der Eindämmung von Geldwäscherei. Aber all dies zusammen war ohne negativen Einfluss auf die Aktienmärkte. Auch andererseits die Tatsache beunruhigte nicht, dass die geplante Fusion der Autogiganten Fiat-Chrysler und Renault überraschend abgesagt wurde, zumindest für den Moment.

Aussichten: Nicht nur die Tiefzinspolitik, sondern auch das Klima dürfte uns in den kommenden Wochen und Monaten beschäftigen. Der St. Galler Kantonsrat wird an der kommenden Junisession nach Pfingsten über das Klima beraten. Offensichtlich ist, dass Einschränkungen in Zukunft auch eine schwächere Wirtschaft bedeuten. Am Freitagnachmittag hat sich der Bundesrat an einer Pressekonferenz über das Rahmenabkommen mit der EU geäussert. Wie vermutet, sagt unsere Regierung «Ja, aber», wünscht somit auch besseren Lohnschutz, weiterhin Staatsgarantie bei den Kantonalbanken und generell weiniger Einschränkungen bei der Souveränität. Damit dürften die Diskussionen über die Beziehung Schweiz-EU wieder von vorne beginnen. Dagegen will der Bundesrat von der Volksinitiative zur Einschränkung der Personenfreizügigkeit nichts wissen. Die würde den bilateralen Weg gefährden.

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Christopher Chandiramani