Linthgebiet
01.06.2019

CHANDIRAMANIS BÖRSENWOCHE NR 22

Viele mittelgrosse Ereignisse prägten diese Woche, aber keines hat einen eindeutigen Einfluss auf das Börsengeschehen.

Die letzte Börsenwoche im Monat Mai 2019 war um den Auffahrtstag verkürzt. Bereits am Mittwochabend schlossen zahlreiche Banker und Börsenhändler ihre Bücher und viele unter ihnen machen zusätzlich die «Brücke», gemeint ist ein verlängertes Wochenende.

Der Montag startete mit Bekanntgabe der Resultate des EU-Parlaments. Die Ergebnisse dieser Wahlen sind nicht eindeutig. Zusammengefasst kann gesagt werden, dass Grüne und Rechtsaussenparteien zulegen konnten auf Kosten der Sozialdemokraten und der gemässigten Bürgerlichen. Aber das geschah nicht in allen Ländern im gleichen Ausmass. Das Regieren dürfte jedenfalls durch diese Polarisierung in Zukunft schwieriger werden.

Österreich hat die Regierungskrise hinter sich. Das sogenannte «Ibiza-Video» hatte in der Vorwoche einen Parteienstreit zwischen den Freiheitlichen und der Volkspartei ausgelöst. Sogar Kanzler Sebastian Kurz wurde vom Parlament abgewählt und vom Bundespräsidenten Alexander van der Bellen durch die Verfassungsrichterin Brigitte Bierlein ersetzt. Somit dürfte in unserem Nachbarland wieder Ruhe einkehren, jedenfalls bis zu den Neuwahlen im Herbst. Damit könnte sich auch die Wiener Aktienbörse vom Schock erholen.

Der «Handelskrieg» der Amerikaner ist noch nicht Vergangenheit. US-Präsident Trump nimmt Mexiko ins Visier und möchte Extrazölle gegen das Land einführen. Zum ersten Mal verknüpft er Handels- und Einwanderungspolitik. Er setzt dadurch sein Nachbarland unter Druck und versucht so die grossen Migrationsströme aus Lateinamerika in die USA zu unterbinden.

Ausser den politischen Ereignissen war das weltweit gute Wirtschaftswachstum auffallend, in der Schweiz im Jahresvergleich 1.7 Prozent und in den USA betragen die Schätzungen 3.1 Prozent für das Gesamtjahr 2019. Das liegt leicht über den Erwartungen der Ökonomen. Aber das Gespenst einer Abschwächung in einigen Sektoren hat den Börsenhandel dennoch belastet, bzw. den Höhenflug der Aktienkurse in diesem Jahr gebremst.

Überrascht hat zu Wochenbeginn die Fusionsabsicht von Fiat-Chrysler und Renault zum grössten Autohersteller der Welt. Hintergrund sind geografische Überlegungen und eine Stärkung der E-Mobilität. In der Schweiz geht die Generalversammlungs-Saison allmählich zu Ende. Die meisten Gesellschaften haben nun auch ihre Dividenden ausgeschüttet und relativ gute Aussichten für 2019 versprochen.

Aussichten: Zwar war der vergangene Monat der kühlste Mai seit dreissig Jahren, aber dennoch dürfte uns das Klima in den kommenden Monaten weiter beschäftigen. Die Natur sollte möglichst ohne neue Vorschriften und radikale Verbote geschont werden. Zusätzliche Steuern auf Energie und Treibstoffen ergeben Wettbewerbsnachteile, verteuern Produkte und Dienstleistungen und schwächen somit die Wirtschaft insgesamt. Interessant zu beobachten ist, dass das vor allem in Europa diskutiert wird, in Schweden, Deutschland und der Schweiz – in Ländern, die für den Umweltschutz bereits sehr viel tun. In anderen Ländern und Kontinenten ist CO2 momentan kaum ein Thema.

Christopher Chandiramani (Auch über Facebook abonnierbar: «Christopher’s Economic Research and Investment Lounge»)

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