Linthgebiet
24.05.2019

CHANDIRAMANIS BÖRSENWOCHE NR 21

Ein Europa in Turbulenzen führt dazu, dass der Euro gegenüber Franken und Dollar schwächelt. Die Börsenwoche mit Christopher Chandiramani.

Die Nachwehen der Handelskrise zwischen den USA und China setzten auch in der Berichtswoche die Aktienmärkte nochmals unter Druck und sorgten für stärkere Schwankungen. Besonders der geplante US-Boykott des chinesischen Smartphone-Herstellers Huawei in Bezug auf die Software des Google-Android-Systems belastete. Falls es in Zukunft nur noch zwei grosse Hersteller von Mobiltelefonen geben sollte (Samsung und Apple), würde auch die ganze Chip-Industrie massiv leiden. Entsprechend fielen auch die Aktienkurse fast aller Elektronik-Komponentenhersteller in den Keller. Das hatten die Amerikaner offenbar übersehen, so dass aufgrund neuer freundlicherer Töne sich diese Kurse gegen Ende der Woche wieder leicht erholten. Im weiteren Wochenverlauf konzentriertere sich das Geschehen mehrheitlich auf Europa, den Abhörskandal Österreichs und den Rücktritt von Theresa May in Grossbritannien sowie die Gesamterneuerungswahlen der EU-Parlaments.

Ein grosser und unerwarteter Paukenschlag war der Abhörskandal in der österreichischen Politik. Das war offenbar der grösste Skandal seit der Glykol- bzw. Frostschutzwein-Affäre vor fast 35 Jahren (1985). Es geht um heimlich gemachte Aufnahmen vor zwei Jahren von Vizekanzler Heinz-Christian Strache während eines Urlaubs auf Ibiza. Verworrene Gedanken und Visionen über Österreichs zukünftige Politik wurden ihm zum Verhängnis. Das kostete in der Folge ebenfalls den Kopf von diversen führenden Mitglieder der österreichischen Freiheitspartei (FPÖ). Auch Kanzler Sebastian Kurz muss sich kommende Woche einem Misstrauensvotum des Parlaments stellen. Über Motive und Urheber dieses Abhörskandals gibt es zurzeit nur wenige Erkenntnisse. Vermutlich ist es ein beabsichtigtes Störmanöver der momentan laufenden Wahlen des Europaparlaments, insbesondere eine Schwächung der Rechtsparteien als Ziel. Vermutlich kommen in den nächsten Tagen weitere Details ans Tageslicht, oder die ganze Lüftung des Geheimnisschleiers ist möglich.

Aussichten: In Zukunft dürfte uns das Verhältnis Schweiz-EU wieder vermehrt beschäftigen. Interessant ist, dass bei den Urnengängen am letzten Wochenende - Steuern und Waffenrecht - die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger eher europafreundlich gestimmt haben. Gemäss Umfragen sind aber über 80 Prozent weiterhin gegen eine weitere Annäherung oder einen EU-Beitritt. Zusätzlich macht jetzt aber die EU-Spitze Druck in Bezug auf das geplante Rahmenabkommen und setzt dem Bundesrat Fristen zur Entscheidung. Die weitere zukünftige Entwicklung könnte auf jeden Fall börsenrelevant sein, denn EU ist zurzeit immer noch der grösste Handelspartner der Schweiz. Wir sind wirtschaftlich von unseren europäischen Nachbarn stark abhängig. Die Vorgänge in Österreich und England dürften das Verhalten der EU komplizierter machen.

Christopher Chandiramani (Auch über Facebook abonnierbar: «Christopher's Economic Research and Investment Lounge»)

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