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21.11.2022

Gedanken zur Bedeutung von Weihnachten als Fest

Irgendwie fühlt sich die Weihnachtszeit nicht mehr so an wie noch in der Vergangenheit.
Irgendwie fühlt sich die Weihnachtszeit nicht mehr so an wie noch in der Vergangenheit. Bild: Goldküste24
Es ist nicht mehr lange, bis die Adventszeit wieder beginnt. Schon seit meine Kinder erwachsen sind, mache ich mir immer Gedanken, was diese Zeit mir noch bedeutet.

Als Kind war für mich vor allem die Adventszeit eine sehr besondere Zeit, die mit dem Weihnachtsfest immer sehr abrupt endete. Ich freute mich an den vielen Lichtern, an den leuchtenden Christbäumen, an allen Anlässen, die im Zusammenhang mit der Adventszeit in der Vorweihnachtszeit stattfanden. Dem Heiligabend fieberten mein Bruder und ich noch entgegen, doch die Verwandtenbesuche waren kein Vergnügen, da ich dort einfach viele Stunden angepasst verbrachte.

Aktiv den Advent gestalten

Als meine Kinder in mein Leben kamen, freute ich mich wieder auf die Adventszeit, die ich nun aktiv selbst gestalten konnte. Ich genoss diese Zeit, in der ich meine Kinder überraschen und faszinieren konnte. Ihre leuchtenden Augen machten mich glücklich. Mit ihnen ein Adventskalender, einen Adventskranz gestalten, Guetzli backen oder zusehen, wie sie sich am Samichlaussäckli freuten, erfüllte mich mit sehr viel Glück. Ich erinnere mich aber auch an grenzwertige Situationen.

Der Adventsideen sind keine Grenzen gesetzt. Bild: Pixabay

Der falsche Samichlaus

Der Samichlaus warf Fragen auf, vor allem bei meinem Sohn. Als er vier Jahre alt war, stellte er mir viele Fragen. Irgendwie glaubte er nicht richtig an die Geschichte vom Samichlaus. Er sagte mir: «Mamie, das sind alles falschi Samichläus». Wir waren sehr erstaunt und auch etwas hilflos. Jedes Jahr pilgerten wir an den Samichlaus-Einzug. Erwartungsvoll warteten alle drei auf den Einmarsch der Samichläuse. Doch mein Sohn fand es eigenartig, dass soviele Chläuse und Schmutzli's mit ihren Eseln einzogen. Er hatte die Vorstellung von einem einzigen Samichlaus mit Schmutzli.

Nicht nur die Menge an Chläusen liessen ihn an der Glaubhaftigkeit der Chlaus-Geschichte zweifeln. Kam dazu, dass die einen eine rote Kuten, die anderen eine blaue trugen. Also blau war für meinen Sohn falsch. Der Hauptchlaus hatte gar eine Bischofsmütze an und trug ein goldiges Gewand, was ihn auch stutzig machte.

Zudem bekam fast jedes Kind einen Lebkuchen, Nüssli und Mandarinen. Nicht mal ein Sprüchli war gefragt. Seine Illusion vom Samichlaus war mit vier Jahren geplatzt. Die Geschichte warf bei mir auch Fragen auf, wie weit lasse ich die Kinder in einer schönen Geschichte, die vor allem mir gefiel. Ich hatte keine Ausrede und konnte meinen Sohn nicht von einer Geschichte überzeugen, die mit den Jahren immer phantastischer wurde. Leider unterliess ich es, ihm die richtige Niklaus-Geschichte zu erzählen. Er hätte sie verstanden und vielleicht wieder mehr Freude am Samichlaus gehabt.

Der klassische Adventskranz ist immer noch in allen Wohnzimmern zu finden. Bild: Pixabay

Eine andere Vorstellung

Auch das Weihnachtsfest selbst stellte mein Sohn früh in Frage. Für mich war seine Klarheit und sein Hang der Hinterfragung sehr lehrreich. Er glaubte nicht an ein Christkind. Mit fünf Jahren war ihm klar, dass wir Eltern hinter all den Geheimnissen standen. Es war für alle eine Erleichterung, als die Christchindli-Mär vom Tisch war. Weihnachten wurde nach der Klärung viel entspannter und sogar feierlicher. Meine Kindheitsträume verblassten, doch wurde die Advents- und Weihnachtszeit für mich authentischer und ehrlicher, überhaupt nicht minder feierlicher. Womit ich aufgewachsen war, war für meine Kinder nicht mehr stimmig.

Nötige Wandelung

Das ist die Essenz dieser Geschichte, dass die Advents- und Weihnachtszeit sich wandeln darf. Sie wächst und verändert sich über die Generationen. Es schien mir fast, als wären meine Kinder reifer in ihrem Alter als ich damals. Keine kitschigen Weihnachtsbäume mehr, nicht mehr Berge von Geschenken. Eine gemeinsam gestaltete Zeit, die mir sehr viel wertvoller schien als jene, deren ich nachhing.

Nun sind sie schon lange erwachsen, sind noch nicht verheiratet und haben noch keine eigene Familie. Die Gestaltung ihrer Weihnachten gefällt mir sehr gut. Der heutige Zeitgeist lässt die Adventszeit sehr anders erscheinen. Die Kirche hat nicht mehr den Stellenwert von früher. Der Religionsgedanke hat sich ebenfalls verändert.

Die letzten Jahre haben für mich die Advents- und Weihnachtszeit nochmals in ein anderes Licht gerückt. Viele rituelle Adventsanlässe fanden nicht statt und zwangen zu alternativen Ideen.

Ich habe mir Gedanken gemacht, dass es Zeit ist, diese von vielen hochgesteckten Erwartungen an die Advents- und Weihnachtszeit zu revidieren. Für mich hat diese Zeit in gewisser Zeit an Wichtigkeit verloren. Ich war nicht mehr so viel unterwegs, habe mich mehr so ablenken lassen wie früher oder einfach konsumiert, was alles geboten wurde – ganz einfach, weil es nicht mehr möglich war. Ich merke, dass mir nichts fehl, und das ich sehr viel gelassener in diese Zeit gehen kann.

Kleine wertvolle Freuden

Ich freue mich an einem Marroni-Stand in der Stadt Zürich am Bahnhof, weil er heimelige Gefühle bei mir auslöst. Zuhause brennt meistens eine Kerze, die mir mehr Licht gibt, als ich mir je hätte vorstellen können. Offenbar bin ich in all dieser Zeit wirklich bewusster geworden. Geniesse anders und kann dem Konsum nicht mehr so viel abgewinnen. Er ist mir gar lästig. Sehr ungern bewege ich mich in Einkaufsläden, geschweige denn, suche ein Geschenk für einen lieben Menschen.

Ich habe schon lange angefangen, unter dem Jahr zu schenken, wenn mir eine Idee über den Weg läuft, die mir gefällt. Dieses Geschenk spare ich weder für den Geburtstag noch für das Weihnachtsfest auf, sondern schenke es sofort. Das macht sehr viel Spass.

Ich wünsche in diesem Sinne allen vorerst eine kreative Weihnachtszeit, die durchaus ein Genuss sein kann ohne Stress und Erwartungen.

Patricia Rutz, Goldküste24 / Linth24