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Kolumne
24.09.2022

Ende der Negativzinsen – Börsen auf Jahrestiefst

Der SMI erreichte mit nur noch knapp über 10'000 Punkten ein Jahrestiefst, so Christopher Chandiramani. Das Umfeld bleibe bis auf Weiteres instabil.
Der SMI erreichte mit nur noch knapp über 10'000 Punkten ein Jahrestiefst, so Christopher Chandiramani. Das Umfeld bleibe bis auf Weiteres instabil. Bild: Linth24
Börsenrelevante Ereignisse der vergangenen Woche waren die Leitzinserhöhungen der Notenbanken und die Teilmobilmachung der Russen im Ukrainekrieg. Beides verstärkte den negativen Trend an den Börsen.

Die Schweizerische Nationalbank erhöhte diese Woche den Leitzins zum zweiten Mal im Jahr 2022, diesmal sogar um plus 0.75 Prozent um auf 0.5%. Nach fast acht Jahren endet somit in der Schweiz die Phase der Negativzinsen. In derselben Woche haben auch die Zentralbanken der USA, Grossbritannien und Norwegen die Zinsen erhöht und kämpfen somit mit vereinten Kräften gegen die hohe Inflation.

Nach Gebietsverlusten der Russen in der Ukraine hat Präsident Wladimir Putin eine Teilmobilisierung der Streitkräfte angeordnet. Dies verlängert den Krieg. Gleichzeitig sind auch – entgegen internationaler Normen – Referenden in den besetzten Gebieten angekündigt in Bezug auf eine Annexion mit Russland.

Vom Bund und mehreren Kantonen wurde über eine mögliche kommende Stromverknappung orientiert und über die konkreten Sparmassnahmen. Gesprochen wurde vom Heizen der Räume in öffentlichen Gebäuden auf maximal 19 Grad, Lift- und Rolltreppen-Abschaltungen sowie Verzicht auf die Weihnachtsbeleuchtung.

Ein EU-Beitritt der Schweiz rückt in weite Ferne. Nur noch 6.5 Prozent der Jungen zwischen 18 und 34 befürworten gemäss Umfragen einen EU-Beitritt. Früher waren es zeitweise über 59 Prozent. Gründe sind die erfolgreichen bilateralen Abkommen und die wachsende Skepsis gegenüber der Zuwanderung durch Personenfreizügigkeit sowie zunehmende Angst vor europäischem Recht.

Unternehmensnachrichten

Der Milchverarbeiter Emmi bestätigt seine Mittelfristziele und ernennt einen neuen Finanzchef. Das Unternehmen hat den Calida-Finanzchef Sacha Gerber an Bord engagiert. Die bisherige Finanzchefin Ricarda Demarmels übernimmt per Jahresbeginn 2023 den Posten als Konzernchefin.

Der Spezialist für Kommunikationstechnik Huber+Suhner hat an einem Investorentag die Langfristziele bestätigt, weiteres Wachstum und eine EBIT Marge von 12 Prozent. Zudem wird das Unternehmen an seiner Dividendenpolitik festhalten.

Der Zugbauer Stadler Rail erhält weitere Grossaufträge aus Deutschland. DB Regio bestellt für die Moselstrecke 19 Triebzüge des Typs Flirt. Der Auftrag hat ein Volumen von über EUR 100 Mio.

Der Pharmakonzern Roche erhält die EU-Zulassung für das Augenmittel Vabysmo gegen AMD (Makula-/Netzhautdegeneration im Alter).

Der Stromkonzern Romande Energie verkauft gemeinsam mit Services Industriels de Lausanne (SIL) und der Gemeinde Lutry die IT-Firma Neo Technologies. Der Name des Käufers soll demnächst bekannt gegeben werden.

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé ist in Frankreich mit Klage über 250 Millionen Euro konfrontiert. Es geht um Bakterienfund in Buitoni-Pizzas.

Die Grossbank Aktien der Credit Suisse sind nach weiteren Gerüchten über eine Kapitalerhöhung um über 10 Prozent auf CHF 4.2 gefallen. Schon vor Tagen gab es Gerüchte über eine Neuaufteilung des Konzerns in drei Sparten und einem Teilrückzug aus den USA.

Aussichten

Die Schweizerische Nationalbank hat ihre Strategie geändert. Bis vor kurzem stand die Wechselkurspolitik im Vordergrund, vor allem auch der Schutz des Exports und des Tourismus. Mit ihren Leitzinserhöhungen ist nun die Preisstabilität das Hauptziel. Dabei wird eine Rezession in Kauf genommen, schrumpfende Unternehmensgewinne, Pensionskassenverluste und auch der Schweizerfranken wird weiter gestärkt. Der SMI fiel im laufenden Jahr um 20 Prozent auf ein neues Jahrestiefst.

Eine Entwarnung kann noch keine gegeben werden. Nicht nur die Zinserhöhungen, sondern auch der Ukrainekrieg, die Energiekrise, Rohstoffverknappungen und Lieferkettenengpässe halten an, das sind belastende Faktoren und trübt das Bild. Das Umfeld bleibt somit bis auf weiteres instabil.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24