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Kolumne
11.09.2022
13.09.2022 10:34 Uhr

Dr. Gut: «Frieren unterm Windrad»

Dr. Gut: «In unserer hochindustrialisierten, digitalen Welt ist ein Blackout nicht einfach ein romantischer Abend bei Kerzenlicht, sondern die Mutter aller Katastrophen.» Rechts:  Bundesrätin Simonetta Sommaruga.
Dr. Gut: «In unserer hochindustrialisierten, digitalen Welt ist ein Blackout nicht einfach ein romantischer Abend bei Kerzenlicht, sondern die Mutter aller Katastrophen.» Rechts: Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Bild: Linth24/Keystone
Ohne Kernkraft gibt es nicht genug Strom. Wann sehen das die verantwortlichen Politiker endlich ein?
  • Kolumne von Dr. Philipp Gut

Die Schweiz und Deutschland entsorgen die Kernenergie, die hierzulande über einen Drittel der Stromproduktion ausmacht – und erst noch klimaschonend ist. Gleichzeitig steigt der Strombedarf durch die forcierte Elektrifizierung und die ungebremste Massenzuwanderung steil an.
Diese Rechnung geht nicht auf: Eine klaffende Stromlücke tut sich auf – mit fatalen Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft. In unserer hochindustrialisierten, digitalen Welt ist ein Blackout nicht einfach ein romantischer Abend bei Kerzenlicht, sondern die Mutter aller Katastrophen.

Sommaruga und der schnarchende Elefant

Doch die verantwortlichen Politiker wollen das noch immer nicht wahrhaben. Energie-Bundesrätin Simonetta Sommaruga gab am Samstag ein Interview im «Tages-Anzeiger», in dem sie über alles Mögliche sprach – nur nicht über den riesigen schnarchenden Elefanten im Raum: die ausgeknipste Kernenergie.
Die «Energiestrategie 2050» ist spektakulär gescheitert. Doch Sommaruga gesteht das partout nicht ein: «Gescheitert ist jene Politik, die blind auf Gas- und Ölimporte gesetzt hat!», behauptete sie im «Sonntags-Blick». Gleichzeitig lässt sie Notkraftwerke bauen, die womit betrieben werden? Mit Gas und Öl.

Kurzschluss nach Fukushima

Damit bewegen sich unsere verantwortlichen Politiker weiter auf der abschüssigen Bahn, die sie in einer Kurzschlusshandlung nach der Flutkatastrophe von Fukushima betreten haben.
Es werde in «allen europäischen Staaten in den nächsten zwanzig Jahren eine genügende Stromproduktion haben», versicherte Sommarugas Vorgängerin Doris Leuthard bei der Beratung der Energiestrategie 2014. Die Versorgungssicherheit sie «nicht infrage gestellt».

Zurück zur Vernunft

Das Volk glaubte es – und muss jetzt die Zeche dafür bezahlen. Die utopischen Versprechen, Windräder und Solaranlagen könnten den steigenden Strombedarf decken, sind am Felsen der Physik zerschellt.
Es gibt zwei Optionen: Wir können entweder frieren unterm Windrad und in den dunklen Winternächten auf Sonnensuche gehen – oder die ideologischen Scheuklappen ablegen, die schädlichen Technologieverbote kippen und zurückkehren zur energiepolitischen Vernunft.
Ich bin für die zweite Option. Und Sie?

Dr. Philipp Gut schreibt auf dem Online-Verbund von Portal24 jede Woche eine Kolumne, die auf den 16 dem Verbund angeschlossenen Portalen jeden Sonntagmorgen publiziert wird. Philipp Gut ist Buchautor und einer der profiliertesten Journalisten der Schweiz. Mit seiner Kommunikationsagentur Gut Communications GmbH berät er Parteien, Verbände, Unternehmen und Private.

www.gut-communications.ch

Dr. Philipp Gut, Kolumnist Linth24