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Rapperswil-Jona
27.06.2020
27.06.2020 08:58 Uhr

Nun kommt die Badi-Pleite

In welcher Form und wann die Badi Lido erneuert wird - das steht zurzeit in den Sternen. Das bisherige Projekt ist beerdigt.
Das Projekt Lido-Badi in Rapperswil-Jona wird versenkt. 2 Millionen im Eimer. Von Bruno Hug.

Der Stadtrat von Rapperswil-Jona muss ein nächstes Geschäft beerdigen: Laut seiner Medienmitteilung setzt er «bei der Planung des neuen Freibad Lido auf einen Neustart». Das bisherige Projekt lasse sich im Rahmen des 2018 an der Urne bewilligten Kredits von 27,5 Mio. Franken nicht realisieren. Der Badi-Neubau würde «mindestens 33 Millionen Franken» kosten. Der Stadtrat habe deshalb entschieden, das Projekt abzusetzen. Er sei aber «der Auffassung, dass der Bedarf für ein Freibad ausgewiesen» sei. Nun sei zu klären, in welcher Form dieses entstehen solle. Die rund zwei Millionen Projektkosten werden abgeschrieben.

Schuld sind die andern…

Weiter teilt der Stadtrat mit, gemäss der externen Expertise sei «die Führung und Koordination des Projekts durch die Gesamtleitung» ungenügend gewesen. Schuld daran sei das Büro Meletta Strebel Architekten, Zürich. Es habe «unterschiedliche und teilweise widersprüchliche Planungsstände» gegeben. Und: «Kontrollen und Konsolidierungen von Arbeitsergebnissen» seien zu wenig abgestimmt gewesen. Es hätten Kosteninformationen gefehlt oder sie seien «mangels Abstimmung falsch ausgefallen». Den Architekten sei es «im Rahmen der Gesamtleitung nicht gelungen», eine verlässliche Kostenschätzung zu erstellen. Unzureichend sei auch das «mangelhafte Fundationskonzept» gewesen. Das Vertrauen in das Projekt und in das Planungsteam fehle.

… und die Stadtverwaltung

Dann finden sich in der Pressemitteilung noch folgende Sätze: «Seitens Stadt fehlte eine klare Definition der Projektanforderungen im Vorfeld der Projektierung sowie ein griffiger Prozess zur Überwachung und Prüfung von Arbeitsergebnissen.»

Und: «Erschwerend» sei hinzugekommen, dass sich «einzelne Anforderungen an das Projekt verändert» und «sich die Bedürfnisse der Anspruchsgruppen gewandelt» hätten. In der Folge hätten Projektanpassungen vorgenommen werden müssen, was zu Abstimmungsschwierigkeiten bei der Planung geführt habe.

Kommentar: Führungslos und zu viel Geld!

 

Was heisst das nun alles? Liest man die – wenigstens ehrliche – Medienmitteilung der Stadt, kommt wenig Freude auf. Folgende Punkte sind relevant: 

1. In der Mitteilung ist zu lesen, beim Projekt habe «eine klare Definition der Projektanforderungen» gefehlt. Das heisst: Das Projekt wurde einfach mal aufgegleist, ohne grundlegende Abklärungen. (Der Schwarze Peter geht natürlich an Bauchef Thomas Furrer, jedoch: Dieselbe Lauerei geschieht nun wieder beim BWZ und bei den Sporthallen im Grünfeld, deren Probleme auf die Stadt zukommen werden.)

2. Die Stadt schreibt weiter, es habe «ein griffiger Prozess zur Überwachung und Prüfung von Arbeitsergebnissen» gefehlt. Damit steht fest: In der Stadt gab man für zwei Millionen Aufträge heraus und hat sie nicht überwacht. Defacto: Hundslausige Führungsarbeit von Menschen, die über zu viel fremdes Geld verfügen.

3. Die nächste wichtige Aussage: Es hätten sich «einzelne Anforderungen an das Projekt verändert und die Bedürfnisse der Anspruchsgruppen gewandelt». Im Klartext: Zu Beginn des Projektes hat man nicht sauber abgeklärt, wer was bekommt und danach hat man dann allen ihre Sonderwünsche erfüllt. Fazit: Man müsste den Stadtoberen wohl die Steuern senken. Erst dann wird man sich in der Verwaltung verantwortungsvoll überlegen, wem man was ermöglichen will.

4. Die Medienmitteilung ist defacto eine Kündigung des Gesamtstadtrates an den Bauchef. Das ist verständlich. Er trägt für dieses Desaster die Hauptverantwortung. Ihn aber allein zum Buhmann zu machen, ist zu billig. Der ganze Stadtrat macht eine schlechte Figur. Er muss nach so vielen Pleiten eine Reform der eigenen Behörde in die Hand nehmen. Die Räte müssen mehr Verantwortung übernehmen und der Stadtpräsident muss entlastet werden.

5. Die Stadt schreibt zudem: «Die Betriebsbewilligung des Kantons für das bestehende Freibad Lido gilt einstweilen bis zu Beginn der Erneuerung.»

Das heisst: Auf einmal ist die Badi-Bewilligung ohne Limit vorhanden. Derweil der Stadtrat noch letzten Dezember mitgeteilt hat, es gebe für die Badi keine Betriebsbewilligung mehr. Das Becken sei kaputt - was falsch war. Und Stadtpräsident Martin Stöckling sagte vor dem Stadtforum, die Badi-Kasse fehle, und die Sonnenschirme und die Liegestühle. Deshalb verzichte die Stadt auf 100'000 Franken Eintritt.

Da die Stadt zurzeit keinen Eintritt kassiert, ist das die einzige richtige Aussage des Stadtpräsidenten. Die andern waren alle falsch (Linth24 hat darüber berichtet). Die Begründung für die Fehlinformationen des Stadtpräsidenten steht aus.

Bruno Hug, Linth24
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