Rapperswil-Jona
17.05.2020
17.05.2020 05:04 Uhr

Falschaussagen zur Badi

Die laut Stadtpräsident «entsorgte» Lido-Kasse ist da. Wird nun in der Badi doch Eintritt verlangt?
Teil 4. «Stadtrat im Dauer-Problem»: Bei der Badi Lido sind Eintrittskasse, Sonnenschirme und Liegestühle nicht «entsorgt». Die Falschaussagen aus dem Stadthaus sind krass. Von Bruno Hug.

Am 19. Dezember 2019 schrieb der Stadtrat von Rapperswil-Jona, der Neubau der Badi Lido werde wegen Mehrkosten in Millionenhöhe nicht in Angriff genommen. Gleichwohl werde die Badi aber diesen Sommer nicht geöffnet. Es würde «unter anderem die Konzession zum Betrieb» fehlen. Zudem seien «die Filteranlage und das Schwimmbecken defekt». Auch sei «die Seewasserzuleitung abgehängt».

Erste Portion Falschaussagen

Das waren zur Badi die ersten Falschangaben aus dem Stadthaus. Wie Linth24 weiss, ist das Schwimmbecken nicht defekt. Es stehen dort lediglich kleine Reparaturen für wenige Tausend Franken an, welche durch die Badmeister erledigt werden. Wie jeden Frühling. Auch die Filteranlage ist nicht defekt. Und die Betriebs-Konzession sagte der Kanton Anfang Jahr schon nach der ersten Unterredung mit der Stadt zu. Ausserdem war die Seewasserleitung schon letzte Saison provisorisch verlegt und kann mit begrenzten Kosten wieder in Betrieb genommen werden.

Stadtrat knickt vor Petition ein

Anfänglich schluckte das Volk die Badi-Schliessung. Nur die Südquartiervereins-Vorständin Bianca Brunner fand, das gehe nicht. Am 3. Februar startete sie eine Petition zur Badi-Wiedereröffnung. Nach wenigen Tagen hatten sie schon 700 Unterschriften zusammen. Gut drei Wochen später waren es 2’200. Das schreckte den Stadtrat auf.

Freier Eintritt wegen fehlender Kasse

Am 13. Februar trat Stadtpräsident Martin Stöckling vor das Stadtforum. Er verkündete vor der politischen und gesellschaftlichen Elite der Stadt mit Stolz, die Badi werde nun doch eröffnet. Das koste zwar 150'000 Franken für neues Mobiliar und weitere Massnahmen. Und weil «Liegestühle, Sonnenschirme» und vor allem «die Badi-Eintrittskasse entsorgt» seien, werde dort diesen Sommer kein Eintritt verlangt. Die Stadt verzichte damit auf Einnahmen in Höhe «von rund 100'000 Franken».

Zweite Portion Falschaussagen

Jedoch: Die Grosszügigkeit vortäuschenden Aussagen des Stadtpräsidenten waren falsch. Die Badi-Kasse ist nicht «entsorgt». Sie steht im Kassen-Räumli der Eishalle, 100 Meter neben der Badi, und war dort als Reserve-Kasse deponiert. Wie jeden Winter. Und auch die Sonnenschirme und die Liegestühle sind da. Sie warten, sauber aufgereiht, im Lager der Badi auf die Badesaison. Die Fotos von Linth24 am Ende dieses Berichts belegen das!

Kostet es in der Badi doch Eintritt?

Nun fragt sich: Waren auch die Informationen zu den Wiedereröffnungskosten von 150'000 Franken falsch? Denn: Für die Kasse, die Sonnenschirme, die Liegestühle, die Filteranlage und das Schwimmbecken braucht es nicht so viel Geld. Es ist ja alles da und praktisch alles intakt.

Eine weitere Frage, die der Stadtrat nun beantworten muss: Kostet es diesen Sommer in der Badi Lido – falls sie trotz Corona wirklich aufgeht – doch Eintritt? Jetzt, wo entgegen den Aussagen des Stadtpräsidenten alles vorhanden ist?

  • Sonnenschirme und Liegestühle warten schön geordnet auf die neue Saison.
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  • Und auch die Ständer für die Sonnenschirme sind noch da.
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  • Im «defekten» Lido-Schwimmbecken sind nur kleinere Reparaturen nötig, wie jeden Frühling.
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  • Tische und Stühle warten auf die Badibesucher.
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Kommentar: Die Stadt braucht eine Verwaltungsreform

Machen Politiker Falschaussagen, verlieren sie ihre Glaubwürdigkeit. Das muss auch Stadtpräsident Martin Stöckling wissen. Warum beging er diese «Todsünde» trotzdem? Wollte er damit auf die Schnelle überdecken, dass man es sich im Stadthaus mit der Badi-Schliessung wieder einmal zu einfach gemacht hatte? Oder wurde er intern falsch informiert und hat das unkontrolliert vor dem Stadtforum verkündet? Man darf gespannt sein auf seine Stellungnahme. Denn: Falschaussagen des Stadtpräsidenten sind kein Kavaliersdelikt!

Es ist immer dasselbe: Zu viele Projekte dieser Regierung sind schlecht durchdacht und unbefriedigend begleitet. Die Stadt hat einen Stadtrat und einen Stadtpräsidenten, die zu Vieles auf die leichte Schulter nehmen, und dann, wenn’s brenzlig wird, versuchen, das sich anbahnende Debakel hinzubiegen. Das muss aufhören.

Es braucht im Stadthaus Einsatz, Ideen, Gradheit, Weitsicht und wohl auch gescheite Berater – statt Einflüsterer. Der Stadtrat unter Martin Stöckling muss mehr seriöse, durchdachte Projekte liefern. Der letzte erfolgreiche Stadtpräsident, Benedikt Würth, sagte mir einmal: «Rapperswil-Jona zu führen ist etwas vom Schönsten. Aber es ist harte Knochenarbeit. Jeden Tag.»

Momentan suchen die Parteien einen neuen Bauchef. Wie Linth24 weiss, gibt es interessante Bewerber. Und dass mit Roland Manhart einer aus der «alten Zoller-Garde» Platz macht, kann nur guttun. Ob auch noch andere Rätinnen oder Räte abtreten? Blicken die Räte heute auf ihre Amtsperiode, können sie mit ihrer Arbeit kaum zufrieden sein.

Sicher ist für mich: Die Neubesetzung von zwei oder mehr Ratsstellen genügt nicht. Die Stadt braucht eine Verwaltungsreform. Stöckling muss entlastet werden. Die Stadträte müssen wieder in die Verantwortung treten. Sie müssen an ihrer Arbeit gemessen werden können – und mit Überzeugung gewählt oder abgewählt werden.

Bruno Hug, Linth24
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