Rapperswil-Jona
27.10.2018

EX-KESB-CHEF: «TSCHAU ZÄMÄ, ES GUÄTS LÄBÄ»

Wie sich Dr. Walter Grob als oberster Leiter der grössten Sozialbehörde des St. Galler Linthgebiets von seinen Mitarbeitenden verabschiedet hat – und wie der Stadtrat von Rapperswil-Jona seinen Karren immer tiefer in den Dreck fährt. Eine Momentaufnahme.

Der Urknall in der KESB Linth, in dem der Stadtrat seinen bisher mit rund einer halben Million Franken geschützten Spitzenbeamten Dr. Grob in die Wüste schickte – und ihm seine Stellvertreterin noch nachschicken will – schockiert. Genauso, wie verzweifelt der Rat versucht, sein Gesicht im von ihm selbst angerichteten Desaster zu wahren. Stadtratsvertreter Roland Manhart (CVP) sagte am Mittwoch im Regionalfernsehen TVO, wie zuvor schon anderen Medien, es hätten «viele verschiedene kleine Sachen» zu Grobs Entlassung geführt. Der Stadtrat müsse mit dem Leiter der KESB zusammenarbeiten können und Vertrauen in ihn haben, aber das sei «nicht mehr gewährleistet» gewesen. Dr. Grob habe seine Kompetenzen überschritten und Weisungen nicht befolgt. Der Konflikt habe sich seit Juni aufgebaut. Seither würden der Rat und Grob nur noch per Mail verkehren. Jedoch, so Manhart, aus fachlicher Sicht habe Dr. Grob einen guten Job gemacht. Und: Es gebe zwischen der Freistellung von Dr. Grob und der Klage gegen die Obersee Nachrichten und deren Journalisten keinen Bezug.

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Ganz so banal, wie der Stadtratsvertreter die Sache selber darstellt, war es bei weitem nicht. Schon anfangs Jahr sagte der Stadtpräsident öffentlich, die Stadt befinde sich in «Geisselhaft» von Dr. Grob. So erhielt der Stadtrat briefliche Post vom gemeinsam mit Grob engagierten Anwalt zur KESB-Klage. Darin schrieb dieser dem Rat vor, was er für Dr. Grob zu tun habe. Und Dr. Grob selber teilte dem Rat mit, dass er ihm fachlich nichts zu sagen habe. Genauso verhielt sich der KESB-Leiter auch. Mitte Februar beispielsweise verfolgte er einen halben Tag lang in St. Gallen eine Gerichtsverhandlung, obwohl seine KESB weder Klägerin noch Beklagte war. Seine Gerichts-Präsenz schrieb Grob dann aber trotzdem als Arbeitszeit auf, was dem Rat sauer aufstiess. Immer mehr realisierte der Stadtrat auch, dass Grob unter Zuhilfenahme des städtischen Anwaltsbüros noch weitere Klagen führte. So gegen im Ausland lebende Personen, die auf Facebook Einträge gegen den KESB-Leiter gemacht hatten. Als die Staatsanwaltschaft Uznach den Fall einstellte, verlangte Grob vom St. Galler Kantonsgericht – auf Kosten des Staates - die Neuaufnahme der Klage. Und das für einen über zwei Jahre alten Facebook-Eintrag, der schon lange gelöscht war. Der Stadtrat wusste schon gar nicht mehr, was ihm der eigene Anwalt alles verrechnete. Er liess deshalb die Anwaltsrechnungen in Sachen KESB analysieren und verbot Grob schriftlich weitere Rechtshändel.

Intern schlechtes Klima

Der Stadtrat verlangte von Dr. Walter Grob auch die Löschung von Zeitungsartikeln auf der KESB-Homepage, in welchen die ON-Redaktoren heruntergemacht wurden. Doch Grob war offenbar nicht beizubringen, dass solches nicht auf die Homepage einer sozialen Institution gehört. Er befolgte die Anweisung nicht. Ähnliche Zwiste bauten sich auch KESB-intern auf. Das Duo Grob und seine Stellvertreterin soll ein sehr eigenwilliges Regime aufgezogen haben, unter dem Mitarbeitende litten. Es ist sogar von Mobbing die Rede. Die Situation war rundum dermassen verkachelt, dass der Stadtrat sogar einen weiteren Anwalt engagierte, um zu prüfen, wie er den KESB-Leiter möglichst schadlos loswerden könnte.

Trotz der verfahrenden Situation, in die sich der KESB-Leiter selber verstrickte, sagte er nach seiner Entlassung der Linth-Zeitung: Er vermute, die Kündigung sei eine «Retourkutsche aus dem Umfeld von Bruno Hug». Nach Hugs Niederlage vor dem Kreisgericht habe er, Grob, mit Racheaktionen von den Hug zugeneigten Stadträten rechnen müssen.

Immer die anderen

Offenbar kann sich der Ex-KESB-Leiter nicht vorstellen, dass ihn an den Differenzen auch nur ein Millimeter Schuld treffen könnte. Es sind aus seiner Sicht immer die anderen schuld – genau wie damals, als er in Au-Heerbrugg als Gemeindepräsident haushoch abgewählt wurde.

Trotz all dieser bedenklichen Fakten will der Stadtrat seinen Bürger nun verkaufen, die in den ON-Berichten dargelegten KESB-Fälle hätten nicht das Geringste mit Grobs Entlassung zu tun. Es seien nur «viele kleine Differenzen im Bereich der Administration und der Mitarbeiterführung» gewesen, und darum werde der Stadtrat an seiner Berufungsklage vor dem St. Galler Obergericht festhalten. Der Rat tut damit so, als ob seine eigenen schlimmen Erfahrungen in diesem Falle nicht im geringsten mit den teils krassen Zugriffen auf KESB-Klienten nicht mit der Persönlichkeit des KESB-Verantwortlichen in Verbindung zu bringen wären. Die Bürger sollten dem Rat demnach abkaufen, dass jemand, der in komfortabelster Beamtenlage mit seinem Arbeitgeber auf allen Seiten in Streit gerät, seine Kompetenzen überschreitet, sich Weisungen widersetzt und zu intern Problemen führt, seinen Job in der Sache , fair, umsichtig und sorgfältig ausführt. Wer’s glaubt, wird seelig.

Passt der Abschied zur Amtsführung

Wie verabschiedet sich ein Spitzenbeamter nach seiner Entlassung von seinem Team, mit dem er doch 4 ½ Jahre zusammengearbeitet hat? Man sollte meinen, sozialkompetent und teamorientiert. Nicht so bei der KESB Linth: Nachdem Dr. Grob seine sofortige Freistellung als KESB-Leiter entgegengenommen hatte und er die KESB-Räume verliess rief er seinem Team zu: «Tschau zäme, äs guäts Läbe.» Stadtrat Manhart, der sich überlegt, künftig das Ressort Schule der Stadt zu übernehmen, würde dazu im Namen des Stadtrates wohl sagen, das sei zwar eine kleine Unschönheit, aber fachlich sei es in Ordnung.

Linth24, 

Bruno Hug