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Gesundheit
07.08.2022
05.08.2022 16:40 Uhr

Affenpocken: BAG prüft Impfstoff-Beschaffung

Entwicklung der Hautläsionen bei der Erkrankung an Affenpocken.
Entwicklung der Hautläsionen bei der Erkrankung an Affenpocken. Bild: UK Health Security Agency
Das Bundesamt für Gesundheit prüft aktuell eine zentrale Beschaffung eines Affenpocken-Impfstoffs. Bisher hat das Heilmittelinstitut Swissmedic allerdings kein Zulassungsgesuch für eine Impfung erhalten.

Das teilte die Zulassungsstelle am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Ob es im Fall der Affenpockenimpfung zu einer rollenden Prüfung der Daten wie bei den Zulassungsgesuchen für Covid-19-Impfstoffe kommt, ist den Angaben von Swissmedic zufolge von der Epidemielage abhängig.

Eigentlich ist diese rollende Eingabe der Daten im Verfahren bisher nur für Covid-19-Arzneimittel vorgesehen, wie die Zulassungsbehörde schreibt. Diese Methode ist dort sinnvoll, wo die Daten noch unvollständig sind. Swissmedic klärt entsprechende Fragen vorab bei einem Treffen mit den Gesuchstellern.

Die EU-Kommission liess bereits den eigentlich für Menschenpocken produzierten Impfstoff Imvanex auch gegen Affenpocken zu. Mit 304 laborbestätigten Fällen am Mittwoch haben die Affenpocken in der Schweiz bisher bei weitem weder epidemische geschweige denn pandemische Werte erreicht. Die Krankheit ist meldepflichtig und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) überwacht sie seit dem 21. Mai.

Hersteller verkauft nur an Staaten

Der Bund evaluiert derzeit die zentrale Beschaffung eines Impfstoffs gegen die Affenpocken, wie das BAG Keystone-SDA mitteilte. Voraussetzung dazu ist die Zulassung durch Swissmedic.

Ein Artikel in der Arzneimittel-Bewilligungsverordnung erlaubt es zwar Fachpersonen, unter bestimmten Bedingungen Medikamente und Impfstoffe zu importieren, die in der Schweiz noch nicht zugelassen sind und damit Patientinnen und Patienten zu behandeln. Das kommt aber derzeit nicht in Frage.

Der dänisch-deutsche Impfstoffspezialist und Imvanex-Hersteller Bavarian Nordic nämlich ist gemäss dem BAG nur dazu bereit, seinen Affenpockenimpfstoff an Staaten und in grösseren Mengen zu liefern. Deshalb prüft der Bund die zentrale Beschaffung. Die Eidgenössische Kommission für Impffragen erarbeitet aktuell Impfempfehlungen.

Keine Pandemie-Gefahr

Bei Affenpocken droht keine Pandemie wie etwa bei Aids. Die Krankheit wird gemäss Infektiologen nicht übertragen, wenn die infizierte Person keine Symptome wie Pockenbläschen oder Pusteln aufweist. Somit sind Infizierte nicht lange ansteckend. Wenn die Pusteln abgeheilt sind, sind die Erkrankten immun.

Bei HIV ist das ganz anders: Sichtbare Symptome zeigen sich erst Jahre nach der Ansteckung, ansteckend sind Infizierte aber bereits davor. Zudem sind Affenpocken-Viren kaum via Blut übertragbar.

Zwei Todesfälle in Europa

Spanien meldete bisher zwei Tote aufgrund der Affenpocken. Das sind die ersten Todesfälle in Europa aufgrund der sich rasch ausbreitenden Infektionskrankheit. Weltweit wurden seit Mai acht Tote registriert. Die ersten fünf waren aus Afrika gemeldet wurden, wo die Krankheit 1970 erstmals beim Menschen diagnostiziert worden war. Daneben hatte Brasilien einen Todesfall gemeldet.

Weltweit sind laut dem Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, rund 70 Prozent der seit Mai gemeldeten 18'000 Ansteckungen mit Affenpocken in Europa festgestellt worden, rund 25 Prozent auf dem amerikanischen Kontinent.

Die WHO rief die höchste Alarmstufe aus. Die weltweite Verbreitung der Affenpocken ist ungewöhnlich, bisher waren sie im Wesentlichen auf sechs afrikanische Länder beschränkt.

Zu den typischen Symptomen der Krankheit gehören hohes Fieber, geschwollene Lymphknoten und windpockenähnliche Pusteln. Übertragen wird die Krankheit durch engen Körper- und Hautkontakt und durch Tiere. Im Gegensatz zu den seit 1980 dank der Impfung ausgerotteten Menschenpocken verlaufen Affenpocken milder; die meisten Infizierten erholen sich nach einigen Wochen.

Keystone-SDA / Linth24