Home Region Sport In-/Ausland Magazin Agenda
Rapperswil-Jona
20.07.2022
20.07.2022 10:05 Uhr

Planungsleichen am Beispiel Lakers Trainingshalle und Badi Lido

Badi Lido und Eis-Trainingshalle Grünfeld: Ausser Spesen nichts gewesen!
Badi Lido und Eis-Trainingshalle Grünfeld: Ausser Spesen nichts gewesen! Bild: Linth24
Im Nachgang zu meinem Bericht zu Rapperswil-Jonas Sportstättenplanung von vorgestern beschreibe ich folgend am Beispiel Badi Lido und Lakers-Trainingshalle, wie in dieser Stadt Planungsgeld versenkt wird. Kommentar von Bruno Hug

Dieser Bericht in Kürze:

Vorgestern habe ich in einem Kommentar dargelegt, warum die neu erarbeitete Sportstättenplanung von Rapperswil-Jona im Bereich Lido wegen des geplanten Abbruchs des Eisstadions zu weiteren Provisorien führen dürfte. In diesem Bericht zeige auf, wie diese Stadt seit Jahren erfolglos um die Badi Lido und die Eis-Trainingshalle herumturnt – und Geld verlocht.  

Mitte 2015 machten die SCRJ Lakers und der Eislaufclub ECRJ für ihre seit Jahren gewünschte und notwendige Eis-Trainingshalle einen neuen Anlauf. Ex-Stadtpräsident Erich Zoller zauberte daraufhin aus dem Nichts heraus ein Projekt aus dem Hut, das einem baulichen Wunder glich: Querliegend über die altersschwache Bootshalle sollte der energetische, visuelle und akustische Unsinn einer Tragluft-Eis-Trainingshalle entstehen, im Volksmund «Ballon» genannt.

Der erste Millionen-Murks

Davorliegend, ebenfalls auf der Bootshalle, hätte das offene Eisfeld gebaut werden sollen. Und auf dem Fussballplatz zwischen Stadion und Kinderzoo ein weiteres Eisfeld als Provisorium. Dafür entlockte der Stadtrat den Bürgern im März 2016 einen Projektkredit in Höhe von 1 Million Franken. In den «Obersee Nachrichten» schrieb ich, das Projekt sei ein «schlimmer Murks». Die Eisflächen auf verschiedenen Ebenen seien in Bau und Unterhalt viel zu teuer.

Unter neuer Regierung ins nächste Debakel

Der Stadtrat liess sich nicht beirren. Im Sommer 2017 hätte der «Quer»-Bau starten sollen. Weil das Projekt aber tatsächlich viel teurer als erwartet zu stehen kam, stoppte der Stadtrat unter dem neuen Stadtpräsidenten Martin Stöckling das Vorhaben. Um sogleich ins nächste Debakel zu marschieren: Statt der Gummi-Halle wollte er jetzt für gegen 10 Millionen Franken eine fest gebaute Trainingshalle quer über die Bootshalle legen. Samt Eisfeld auf dem Fussballplatz. Projektkosten rund 1 Million.

Planungsleiche Trainingshalle

Als danach auch für dieses Projekt die Kosten aus dem Ruder liefen und es wieder abgesetzt werden musste, zauberte Stöckling, ähnlich wie Zoller Jahre zuvor, ein neues Projekt aus dem Hut. Auf dem städtischen Land der Reithalle im Joner Grünfeld könne eine Trainingshalle gebaut werden, beschied er. In Kombination mit einer Unihockey-Halle für die Jona-Uznach Flames.
Im Dezember 2019 segnete die Bürgerschaft dem Stadtrat diese neue Grünfeld-Doppelpaket ab und sprach für Landabgabe, Bau- und städtische Unterhaltsbeiträge mehrere Millionen.

Lakers-Halle im Grünfeld wieder abgesetzt

Und jetzt, im Juni 2022, legt die Sportstättenplanung desselben Stadtrates fest, dass die Eis-Trainingshalle beim Hauptstadion zu stehen kommen müsse. (Was nicht mehr als logisch ist.)
Damit fallen auch bei diesem Eishallen-Projekt viele Planungsjahre und viel Planungsgeld ins Wasser. Diesmal zu Lasten Lakers, die sich, statt sich gegen die falsche Trainingshallen-Auslagerung ins Grünfeld zu wehren, von der Stadtratsidee Grünfeld über Jahre aufhalten liessen.  

Chaotisch auch die Badi Lido

Genauso chaotisch lief es beim Freibad Lido. Für dessen Neubau veranstaltete der Stadtrat vom 26. März bis 27. April 2012 einen Projektwettbewerb. Daraus ging das Siegerprojekt «Z» hervor.
2015 wurde dieses Badi-Projekt vom Stadtrat unter Ex-Präsident Zoller dann noch mit der quer auf der Bootshalle geplanten Lakers-Trainingshalle vereint. In der Ankündigung dazu teilte der Stadtrat 2015 mit, man gehe für beide Bauten von Kosten in Höhe von 33 Millionen Franken aus.

Nachdem auch hier die Kosten nicht im Griff waren und das Projekt auch bautechnisch in Schieflage geriet, holte sich der Stadtrat bei den Bürgern im November 2018 einen Baukredit für die Badi Lido in Höhe von 27.5 Millionen Franken. Baustart war auf Frühling 2020 geplant.

Wieder 2 Millionen verbuttert

Nachdem 2 Millionen Planungskosten verbuttert waren, liefen die Kosten wieder aus dem Ruder und der Stadtrat legte das Projekt am 19. Dezember 2019 auf Eis. Ein halbes Jahr danach verkündete er das definitive Aus und schüttete Asche über sein Haupt. Es habe «eine Definition der Projektanforderungen» gefehlt und die Bedürfnisse «der Anspruchsgruppen» hätten sich gewandelt.
Im Klartext: Das Millionen-Projekt wurde ohne Basis-Abklärungen auf die Bahn geschickt.

Die Sonnenschirme fehlten nicht

Eine weitere, wenig erfreuliche Note im ganzen Debakel war dann noch, dass der Stadtrat nach all den abgesoffenen Projekten die Lido-Badi schliessen wollte. Nach einer Petition musste er das aber wieder zurücknehmen. Dazu verkündete Stadtpräsident Stöckling vor dem Stadtforum am 13. Februar 2020 künftigen Freieintritt für die Badi-Gäste. Das kostete die Steuerzahler 120'000 Franken. Stöckling führte dazu aus, es gebe Gratiseintritt, weil die Badi-Kasse, die Sonnenschirme und die Liegestühle nicht mehr da seien.
Das aber war falsch. Alles war vorhanden, was der Stadtpräsident bei seinem Besuch einen Monat zuvor in der Badi höchstpersönlich gesehen hatte.

Das Leben der Steuerzahler ist knüppelhart

Um den Kreis zu schliessen: Im Dezember 2021 wurde dem Stadtrat von der Bürgerversammlung der Projektierungskredit in Höhe von 600'000 Franken für den später geplanten provisorischen Ausbau der Badi Lido in einem Kostenumfang von gut 7 Millionen Franken verweigert.

Wie es nun bei der Badi, bei der Lakers-Trainingshalle, beim offenen Eisfeld, beim Hallenbad und der Bootshalle, die alle mit dem Eisstadion zusammenhängen und das aber irgendwann abgebrochen werden soll, weitergehen soll, darauf darf man gespannt sein. Die Detailplanung dazu soll jetzt beginnen.

Das Leben der Steuerzahler in Rapperswil-Jona ist knüppelhart.

Bruno Hug