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Kanton
18.07.2022
19.07.2022 09:05 Uhr

Abschied von Altbischof Ivo Fürer in der Kathedrale

Prozession: Der Sarg wird zur Otmarskrypta gebracht.
Prozession: Der Sarg wird zur Otmarskrypta gebracht. Bild: Bistum St.Gallen / Kommunikation
500 Personen nahmen am Montag in der Kathedrale St.Gallen Abschied vom ehemaligen Bischof Ivo Fürer. Dieser war vergangene Woche 92-jährig verstorben. Fürer war von 1995 bis 2006 St.Galler Bischof.

Am Trauergottesdienst nahmen viele kirchliche Würdenträger aus der Schweiz und dem Ausland teil, vertreten waren auch die Regierungen von St.Gallen und beiden Appenzell. Vor dem Gottesdienst hatte die tiefste Glocke der Kathedrale – zugleich die tiefst klingende Kirchenglocke der Schweiz – geläutet.

Geleitet wurde der Trauergottesdienst von Bischof Markus Büchel. Der St.Galler alt Regierungsrat Martin Gehrer, ehemaliger Administrationsratspräsident des katholischen Konfessionsteils, würdigte Ivo Fürer als «liebenswürdigen, aufgeschlossenen Geist», der mit Freude auf die Menschen zuging.

«Bedeutender Netzwerker»

Der frühere Bischof sei ein Mann mit klaren Vorstellungen und Prinzipien und «ein bedeutender Netzwerker in der Kirche und in der Gesellschaft» gewesen. Fürer war vor seiner Wahl zum St.Galler Bischof von 1977 bis 1995 Generalsekretär des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) gewesen.

Auf seine Initiative hatte das Bistum St.Gallen im Jahr 2002 als erstes Bistum in der Schweiz ein Fachgremium gegen sexuelle Übergriffe eingesetzt. Auslöser waren die Übergriffe eines Pfarrers, der verhaftet worden war und später wegen pädophiler Handlungen verurteilt wurde.

Nach dem Trauergottesdienst wurde der Sarg mit dem verstorbenen Bischof in der Otmarskrypta der Kathedrale beigesetzt. Dort ruhen bereits neun frühere St.Galler Bischöfe. Die normalerweise geschlossene Krypta wird am kommenden Samstag und Sonntag für persönliche Gebete geöffnet.

Einsegnung des Sarges durch Bischof Markus Büchel. Bild: Bistum St.Gallen / Kommunikation

«Ich werde Pfarrer»

Erinnerungen von Alex K. Fürer an seinen Bruder Ivo
Gespickt mit persönlichen Erlebnissen und Episoden schilderte Alex K. Fürer das Leben seines verstorbenen Bruders, Bischof Ivo Fürer. Dabei bleiben für ihn nicht nur die vielen Gespräche über Kirche, Religion und Familie unvergesslich, sondern ebenso die Erinnerungen an einen Bruder, der Freund und Begleiter zugleich war. Früh stand ihre Mutter ohne Vater da. Spielerisch versuchten die drei Brüder die Zeiten des Zweiten Weltkriegs zu verarbeiten. Dazu gehörte auch die Einberufung der «Fürer-Armee», die der kleine Ivo ganz selbstverständlich anführte, mit dem Majorshut des verstorbenen Vaters auf dem Kopf. Schon früh soll Ivo erklärt haben «Ich werde Pfarrer», beim Altärle blieb Norbert und Alex Fürer Brüder die Ministrantenaufgabe, die Mutter war jeweils der Kirchenchor.

Für das Theologiestudium immatrikulierte sich Ivo Fürer an der Universität in Innsbruck. Seine eigentliche Karriere als Kirchenmann begann später als Bischofsvikar in St.Gallen. Er baute sich ein internationales Netzwerk auf, war Leiter der Synode 72, Sekretär des CCEE (Rat der europäischen Bischofskonferenzen) und bestimmte St.Gallen als ständigen Sitz dieser Organisation. 1995 wählte ihn das Domkapitel zum Bischof von St.Gallen, was er bis 2006 blieb. Der Mailänder Kardinal Martini blieb auch nach der CCEE-Zeit mit den Fürers eng verbunden, er sagte einmal bei einem gemeinsamen Essen in Gossau: «Ivo hat das grosse Glück, inmitten einer Familie die täglichen Freuden und Sorgen zu erleben, diese Erfahrungen fehlen leider den meisten von uns (Priestern)».

Alex Fürer hätte noch viel zu berichten gehabt, er schloss mit einem Dank an den Allmächtigen, dass er der Familie Ivo geschenkt hatte und einen Dank an alle, die Bischof Ivo Fürer in der Kathedrale die letzte Ehre erwiesen hatten.

Keystone-SDA / Sabine Rüthemann, Bistum St.Gallen / Linth24