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Weesen
14.07.2022

Fernwärme Weesen: KVA-Abwärme und Planungen

Die Fernwärme-Leitung aus der KVA Linth in Niederurnen ist auch für Weesen potenziell interessant.
Die Fernwärme-Leitung aus der KVA Linth in Niederurnen ist auch für Weesen potenziell interessant. Bild: zvg
Für das künftige Weesner Fernwärme-Netz priorisiert der Gemeinderat Weesen die Nutzung der Abwärme der KVA Linth in Niederurnen. Dafür sprechen mehrere Gründe. Bald soll ein Vorprojekt erarbeitet werden.

4. Präferenz der Abwärmenutzung – Fernwärme

Eine Bachelorarbeit aus dem Jahr 2013 empfahl der Gemeinde Weesen den Anschluss an die Fernwärme der KVA in Niederurnen zu suchen. Auch Fachleute nennen immer wieder die KVA als (langfristig) anzustrebende Wärmequelle. Nach kantonalem Energiekonzept steht die Nutzung von regionaler und lokaler Abwärme ebenfalls an erster Stelle.

Bisher scheiterte die KVA als Wärmequelle an den Kosten der dafür notwendigen Anschlussleitung ab der Hauptleitung ins Glarnerland nach Weesen. Die Strategie der KVA basiert unverändert auf dem Anschluss eines grossen Wärmeabnehmers (wie z.B. Eternit, Netstal Maschinen) als Grundauslastung und dem Anschluss weiterer Bezüge entlang der dafür notwendigen Hauptleitung. Mittlerweile wurde die Fernwärme-Leitung über die Eternit AG hinaus bis nach Näfels geführt.

Eine weitere Linienführung in der Gemeinde Glarus Nord zur glarnerischen Arbeitszone zwischen Autobahn A3 und dem Linthkanal ist angedacht und hilft mit, die Gemeinde Weesen mit anzuschliessen. Alle Nutzer könnten sich so die Kosten der Erstellung dieser Zuleitung nach einem zu vereinbarenden Schlüssel aufteilen. Finanziert die KVA diese Fernleitung alleine, so würde sie diese Erstellungskosten auf den von uns zu zahlenden Wärmepreis hinzuschlagen.

Der Gemeinderat fragte sich auch, ob es sinnvoll ist, jetzt eine oder mehrere eigene Heizzentralen aufzubauen, wenn allenfalls schon bald eine Fernwärmeleitung in die Biäsche/Seeflechsen gebaut wird, an die sich die Gemeinde Weesen zu günstigeren Bedingungen als bisher anschliessen könnte. Der Gemeinderat sieht deshalb auch eine Option, diese Fernwärme-Anschlussleitung nach Niederurnen auf eigene Kosten zu bauen und dafür das Recht für die Wärmeversorgung in der Biäsche und Seeflechsen für die dort anzusiedelnden Industriebetriebe zu erhalten. Das erste Gespräch mit der KVA Leitung zeigte hierzu verhandelbare und faire Ansätze. Die Gemeinde Weesen ist in diesem Gebiet bekanntlich bereits für die Wasserversorgung zuständig, weshalb auch hier Synergien genutzt werden könnten. Hierzu sind Gespräche mit der Gemeinde Glarus Nord und dem Kanton Glarus zu führen.

Die KVA Niederurnen kann als langfristig sicherer Lieferant von Wärme/Fernwärme betrachtet werden. Sie wird von einem Zweckverband von Gemeinden betrieben, zu denen Weesen, Amden, Schänis und die Glarner sowie weitere Gemeinden gehören. Aktuell sind bei der KVA grosse Investitionen in eine neue Ofenlinie gesprochen worden. In den Ostschweizer Kantonen geht man unter Berücksichtigung der denkbaren Recycling-Möglichkeiten von einer Zunahme der Kehrichtmenge bis 2035 aus. Einzig im Minimalszenarium resultiert ein Rückgang um 11%.

Die Produktion von Wärme aus Kehricht ist effizienter als die Produktion von Strom. Auch unter Berücksichtigung des ganzen Wärmepotenzials im «sinnvollen» Einzugsgebiet bleibt die Wärme ein kleiner Anteil der Energieproduktion der KVA. Mit den zwei Ofenlinien und einem Öl Kessel für die Not ist die Wärmeproduktion über das ganze Jahr hindurch gesichert. Bei einem Stromausfall kann die Kehrichtverbrennung als Inselbetrieb weitergeführt werden. Die gedrosselt laufende Dampfturbine produziert den dafür benötigten Strom. Bei grossen Netzschwankungen stellt die KVA bereits heute auf Inselbetrieb um.

Aus ökologischer Sicht wird die Wärme aus der KVA als Abwärme betrachtet, die so oder so wegen der Verbrennung von Kehricht entsteht und damit CO₂-neutral ist. Deshalb wird die möglichst effiziente Nutzung deren Abwärme als in erster Priorität anzustrebende Lösung betrachtet. Zudem liegt die Vorlauftemperatur bei rund 90°, was die Nutzung von bisherigen Radiatoren-Heizungen erleichtert.

Als weitere Option und allenfalls als Alternative oder Ergänzung könnte die Nutzung der Abwärme der mit dem Kanton Glarus in Verhandlung stehenden Lachsfarm auf dem Grundstück neben dem Autobahn-Werkhof Biäsche in Frage kommen.

5. Nächste Schritte: Vorprojekt und Infoanlass

Der Gemeinderat lädt Planungsbüros für die Offerteingabe ein. Diese sollen ein Vorprojekt erarbeiten. Ziel dieses Vorprojektes ist es, eine Strategie mit Zeitplan für den Aufbau des Fernwärmenetzes in Weesen zu erstellen und dabei die Berechnung der Kosten als Basis für die Festsetzung der Wärme-Gebühren zu erhalten.

Wenn die Resultate des Vorprojektes vorliegen, soll Ende 2022 oder anfangs 2023 zu einer Infoveranstaltung eingeladen werden. Da die Hauseigentümer sich vermehrt mit der Ersetzung ihrer bisherigen Heizsysteme befassen, ist ein Entscheid des Gemeinderats diesbezüglich wichtig und dringlich.

Im Idealfall könnte bereits im 2024 ein Kreditentscheid bei der Bürgerschaft abgeholt werden.

Gemeinderat Weesen / «Weesen aktuell»