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Weesen
12.07.2022
14.07.2022 18:58 Uhr

Fernwärme Weesen: Nachfrage und Potenziale

Der Walensee bietet riesiges Potenzial zur Gewinnung von Wärmeenergie für Weesen, aber es gibt Gegenargumente. (Archivbild)
Der Walensee bietet riesiges Potenzial zur Gewinnung von Wärmeenergie für Weesen, aber es gibt Gegenargumente. (Archivbild) Bild: Stefan Knobel, Linth24
Der Gemeinderat Weesen lässt den Aufbau eines Weesner Fernwärme-Netzes abklären. Eine Umfrage deutet auf ein grosses Interesse bei den Liegenschaftsbesitzern. Auch das Potenzial wurde analysiert.

Die Abklärungen des Gemeinderates zum Aufbau eines Fernwärmenetzes in der Gemeinde Weesen stossen auf reges Interesse.

Die Umfrage unter den Liegenschaftsbesitzern führte zu erfreulichen 113 Rückmeldungen. Davon sind 66 sehr interessiert an einem Anschluss und weitere 33 möchten einen Anschluss sicher prüfen. Lediglich 3 Grundeigentümer haben grundsätzlich kein Interesse an einem Anschluss offenbart. Ein beträchtlicher Teil der grossen Wärmebezüger in Weesen hat sich dabei sehr interessiert gezeigt.

1. Ergebnis der Studie zur Potenzialabschätzung

Im Rahmen der Energieregion Zürichsee-Linth hat die Energieagentur St.Gallen das Potenzial für Wärmeverbunde in Weesen auf Basis der vorhandenen Feuerungsdaten der Gebäude abgeschätzt. Als die beiden interessantesten Gebiete haben sich das Städtli und das Gewerbegebiet im Moos bestätigt. Mit Erweiterung dieser Gebiete Richtung Rosengarten mit Einbezug der Primarschule und in Richtung Maagstrasse und Wismet mit Einbezug des bereits bestehenden Nahwärmeverbundes Wismet lag die Verbindung zu einem einzigen Wärmeverbund nahe.

Basierte der regionale Wärmeplan 2021 noch auf dem Aufbau von zwei Wärmeverbunden mit Holzschnitzelheizungen, die je nach Ansiedlung von Industriebetrieben in der Biäsche mit der Kehrichtverbrennungsanlage KVA verbunden werden können, wurde im Rahmen der Studie die Wärmeerzeugung mit Holzschnitzeln hinterfragt. Bezüglich der Wahl der Energieträger wurden nachfolgende Varianten berücksichtigt.

2. Warum nicht Holzschnitzel?

Fernwärmeanlagen auf Basis von Holzschnitzeln sind eine bewährte Lösung. Noch vermodert in den umliegenden Wäldern viel Holz, das so sinnvoll genutzt werden könnte und den Waldbesitzern, insbesondere der Ortsgemeinde, eine bessere Bewirtschaftung wie Einnahmen liefern kann. Aus solchen Überlegungen gibt es in der Region verschiedene Projekte, Wärmeverbunde mit Holzschnitzelheizungen auszubauen (z.B. Kaltbrunn, Eschenbach und Benken).

Die Kapazität für Holzschnitzel aus dem eigenen Wald der Ortsgemeinde Weesen reicht nicht ganz für einen Wärmeverbund in der angedachten Grösse. Aus regionaler Sicht hat Weesen den Standortvorteil, sowohl an einem grossen Oberflächengewässer als auch nahe der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) in Niederurnen zu liegen. Bei immer grösser werdendem Bedarf an Holzschnitzeln in der Region stösst die regionale Kapazität an Holzschnitzeln einmal an ihre Grenzen. Aus regionaler Sicht ist es deshalb sinnvoll, die Holzschnitzel in jenen Gemeinden zu verwenden, die weder an einem grossen Gewässer noch in der Nähe der KVA liegen.

Selbst der Verband «Holzenergie Schweiz» mit dem Ziel der Förderung der Energiegewinnung aus Holz weist in der Zeitschrift «Wald und Holz» darauf hin, dass mit den aktuell diskutierten Projekten zur Nutzung von Holz für Wärmeverbunde und Stromerzeugung und der beobachteten Entwicklung bei privaten Holzheizungen schweizweit das realistische Potenzial an Energieholz demnächst ausgeschöpft sein wird. Der Verband hat sich aus Sicht der Versorgungssicherheit von Holzenergieanlagen zu diesem Hinweis entschlossen.

3. Warum nicht Seewasser?

Als Standortvorteil für Weesen bietet der Walensee ein riesiges Potenzial zur Gewinnung von Wärmeenergie, das fast nicht genutzt wird. Die Nutzung von Oberflächengewässern wird seitens des Kantons St.Gallen gefördert, aber auch seitens möglicher Betreiber solcher Energienetze. Da solche Systeme hohe Investitionen in die Wasserfassung und die Wärmepumpen erfordern, liegt das Wärmepotenzial von Weesen gemäss ersten Berechnungen im untersten Bereich eines wirtschaftlichen Betriebes.

Wie die Erfahrungen im Nahwärmeverbund Wismet zeigen, ist der Betrieb von Wärmepumpen in Systemen mit hohen Vorlauftemperaturen für Radiatoren-Heizungen nicht sehr effizient. Dies ist für die Wärmeversorgung insbesondere des Städtlis ein Nachteil. Für den Betrieb der Wärmepumpen wird Strom benötigt, der im Winter knapp werden könnte. Bei einem Stromunterbruch könnte deren Betrieb nicht garantiert werden, womit auch Häuser mit einer Notstromversorgung wie z.B. im Wismetpark abgesichert werden müssten, um weiter mit Wärme versorgt werden zu können.

Erfahren Sie im abschliessenden zweiten Teil, wo die Präferenz bei der Fernwärmenutzung für Weesen liegt und welches die nächsten geplanten Schritte sind.

Gemeinderat Weesen / «Weesen aktuell»