Home Region Sport In-/Ausland Magazin Agenda
Kultur
29.06.2022
29.06.2022 22:50 Uhr

Rapperswiler Bistro zeigt Künstlerfreundschaft

Bruno Moser (l.) und Brogan Zima während ihres Aufenthaltes im nordenglischen Küstenstädtchen Withby. Ihr gemeinsames Werk sind Kunstpostkarten.
Bruno Moser (l.) und Brogan Zima während ihres Aufenthaltes im nordenglischen Küstenstädtchen Withby. Ihr gemeinsames Werk sind Kunstpostkarten. Bild: zVg
Im Juli zeigen Brogan Zima und Bruno Moser in Rapperswil Gemälde, Zeichnungen und Fotografien. Das Kernstück der Ausstellung im Bistro «inä» ist eine Serie von Postkarten, die sie gemeinsam erschaffen haben.

Bei einer Recherchearbeit auf YouTube schlug der Algorithmus dem Künstler Bruno Moser ein Video vor, in dem eine junge Frau namens Brogan Zima Banjo spielt und dazu singt. «Plötzlich war die Inspiration da», sagt Moser. «Ich stand auf und bearbeitete ein grosses Gemälde, das mir seit einem Jahr Kopfzerbrechen bereitet hatte. Mit ein paar Handgriffen kam Bewegung ins Bild, es atmete und war fertig.»

Das Video war der Anfang der Künstlerfreundschaft zwischen der 28-jährigen Brogan Zima (Consett, England) und dem 57-jährigen Bruno Moser (Rapperswil-Jona, Schweiz). Die beiden begannen sich über Facebook auszutauschen.

Inspirierender Austausch

«Wir lernten uns langsam kennen, so langsam, wie es in der heutigen Zeit kaum vorstellbar ist», sagt Moser. «Ich schrieb Brogan, dass mich unsere Beziehung an den Briefwechsel zwischen Abaelard und Heloise erinnert, einem tragischen Liebespaar aus dem Mittelalter.» Schnell schaltete sich ein Facebook-Freund in die Diskussion ein und berichtete von dem Puppenspieler aus dem Film «Being John Malkovich». Ein paar Minuten später sah Moser, wie die Brogan aus einem Holzklotz eine Marionette mit ihren Gesichtszügen schnitzte. Diese explosive Spontanität und Kunstfertigkeit gefiel ihm auch in ihren Zeichnungen.

«Ich fand Bruno inspirierend und begann, ihm von meinem Leben auf der Strasse und meiner Kunst zu erzählen», sagt Zima. «Die Kritzeleien meiner Gedanken stammen aus einem grossen ledernen Buch, das ich zusammen mit einem Reisepass und einem Banjo bei mir trug, während ich in einem rasenden Zustand durch England und Europa trampte, angeheizt von Theorien in meinem Kopf, wie die Welt funktioniert.»

Eine weitere Auswahl der Kunstpostkarten, die Zima und Moser gemeinsam für die Ausstellung im «inä» erschaffen haben. Bild: zVg

Überwältigendes Talent

Jeden Tag kamen neue Geschichten, Impressionen und Bilderfluten von der Insel. Moser war vom Talent der jungen Frau überwältigt und wollte sie besuchen. Wegen der Pandemie musste er sich gedulden. Er begnügte sich vorerst mit dem Kauf von zwei Selbstporträts, die ihre Bulimie thematisierten. Zima hatte sie mit 16 unter grossem Leidensdruck erschaffen.

Mittlerweile hat Moser Zima zweimal in ihrer Heimat in Nordengland besucht. Dabei erschufen die beiden Werke im Postkartenformat, die nun das Kernstück bilden der Ausstellung im Bistro «inä» in der Rapperswiler Altstadt. Zima und Moser zeigen auch Fotografien, grössere Gemälde und Zeichnungen.

Letzte Ausstellung unter Rodolfo Castelberg

«Brogan Zima und Bruno Moser» ist die letzte Ausstellung unter der Leitung des «inä»-Wirtes Rodolfo Castelberg. Sie dauert vom Freitag, 1. Juli (Vernissage, 18:30 Uhr) bis am 5. August (Finissage 19 Uhr) und kann während der Öffnungszeiten des «inä» besucht werden.

«Brogan Zima und Bruno Moser», Bistro «inä», Herrenberg 29, Rapperswil-Jona, Freitag 1. Juli (Vernissage, 18:30 Uhr) bis Freitag, 5. August (Finissage 19 Uhr). www.inae.ch

PD, Text, Kommunikation und Kultur