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Kolumne
04.06.2022

Aktienmärkte auf Trendsuche

Christopher Chandiramani: «Die Inflations- und Zinsängste bleiben, insbesondere nach Publikation der Arbeitsmarktdaten in den USA am Freitag.»
Christopher Chandiramani: «Die Inflations- und Zinsängste bleiben, insbesondere nach Publikation der Arbeitsmarktdaten in den USA am Freitag.» Bild: PD
Vor Pfingsten haben die Aktienbörsen zunächst an die Erholung der Vorwoche angeknüpft. Ab Mittwoch dominierte erneut die Ernüchterung infolge Krieg und den alten Inflations- und Zinsängsten. Das verlängerte Wochenende verstärkte die Zurückhaltung der Investoren.

Einhundert Tage nach Kriegsbeginn ist man mit den Friedensverhandlungen nicht weiter gekommen – im Gegenteil, die Kriegsaktivitäten in der Ostukraine haben zugenommen, und der Westen verschärft gleichzeitig die Sanktionen. In der Finanzwelt gilt Russland  nun als säumiger Zahler. Internationale Banken und Unternehmungen ziehen ihre Geschäfte reihenweise aus dem Land ab.
Eine Senkung der Benzin- und Dieselpreise ab 31. Mai in Deutschland entlastet die Wirtschaft. In der Schweiz ist man mit weniger Abgaben auf Energie und Sprit noch nicht so weit.
Der Bundesrat erhöht die Anforderungen an die Liquidität systemrelevanter Banken. Ziel der neuen Verschärfung ist es, dass die Banken schwerwiegende Liquiditätskrisen besser bewältigen können. Einem Liquiditätsstress soll während mindestens 30 Tagen Stand gehalten werden können.
In Grossbritannien fanden die Thronfeierlichkeiten in Bezug auf „70 Jahre Queen Elisabeth“ statt. Die Londoner Börse war dadurch zeitweise geschlossen.
Die Währungen USD und EUR sowie auch Kryptos blieben volatil, aber per Saldo mit geringen Veränderungen innerhalb der Berichtswoche.
Die Erdölpreise sind ebenfalls stark schwankend, widerspiegeln Erwartungen zwischen Boykott gegen Russland und den geplanten höheren Förderungen durch die OPEC.

Unternehmensnachrichten

Ein Urteil des Bundesgerichts gegen den Taxidienst Uber verpflichtet das Unternehmen, die Fahrer als Arbeitnehmer zu behandeln, Sozialabgaben (AHV) nachzuzahlen, auch Pensionskasse und Ferienguthaben usw.
Nach 14 Jahren verlässt Sheryl Sandberg den Facebook-Konzern Meta. Sie galt als rechte Hand von Gründer Mark Zuckerberg.
Nach einem positiven Gerichtsentscheid hat der Zughersteller Stadler Rail grünes Licht erhalten für den grössten Auftrag der Schweizer Bahngeschichte. Es geht dabei um einen Rahmenvertrag mit den SBB, Thurbo und Bahnen im Wallis und umfasst die Lieferung einer Serie von Zugskompositionen des Typs „Flirt“.
Der Genfer Aromen und Riechstoffhersteller Firmenich will mit dem niederländischen Unternehmen DSM fusionieren. Damit entsteht ein neuer Grosskonzern. Die Aktien des Konkurrenten Givaudan kamen anschliessend unter Druck (minus 5 Prozent Wochenverlust).
Der Baukonzern Implenia erhielt einen Auftrag aus Schweden im Umfang von umgerechnet 100 Mio. CHF, dies für den Bau eines Verbindungstunnels der Stockholmer Metro. Auch die Aktien von anderen baunahen Werten wie Holcim und Sika waren vergangene Woche gefragt.
Der Detailhändler Valora akquiriert und expandiert nach Deutschland, übernimmt Pommes-Kette „Friettenwelt“, und peilt dadurch ein Umsatzplus von 25 Mio. an. Valora erzielt 2021 einen Gesamtumsatz von CHF 1,8 Mrd.
Der Derivate-Dienstleister Leonteq wächst stark. Für das erste Semester 2022 wird mit einem Gewinn von mehr als CHF 110 Mio. gerechnet, ein Plus von 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Aussichten

Die Inflations- und Zinsängste bleiben, insbesondere nach Publikation der Arbeitsmarktdaten in den USA am Freitag. Weitere Zinserhöhungen der Notenbanken sind möglich. Die Inflation (Schweiz 2.9%, über 8% in den USA und EU) ist noch nicht besiegt. Steigende Energiepreise lassen sich jedoch grundsätzlich nicht durch die höheren Leitzinsen bekämpfen, weil diese Preise politisch und nicht wirtschaftlich bedingt sind. Unerwünschter Nebeneffekt steigender Zinsen ist auch eine höhere Schuldenlast der armen Länder. Kursverluste bei den Aktien und Immobilien sind unerwünscht, welche lange Zeit die Wertentwicklung unserer Altersvorsorge (Pensionskassen) gestützt haben. Die Hoffnungen beruhen nun hauptsächlich auf einer baldigen Beendigung des Kriegs und vor allem auch ein Ende des Konflikts zwischen Russland und der westlichen Welt.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24