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Kolumne
21.05.2022

Aktienbörsen: Zunehmende Rezessionsängste

Christopher Chandiramani: «Die Energiepreise bleiben hoch, Rohstoffe und Lieferketten werden künstlich verknappt.»
Christopher Chandiramani: «Die Energiepreise bleiben hoch, Rohstoffe und Lieferketten werden künstlich verknappt.» Bild: PD
Neue Rezessionsängste liessen in der zweiten Wochenhälfte die Aktienkurse stark fallen. Teilweise herrschte Ausverkaufsstimmung, insbesondere wegen des anhaltendem Krieges, hoher Inflation und steigenden Leitzinsen der Notenbanken (USA), der grössten Volkswirtschaft der Welt.

Die Probleme sind die alten, der Krieg Russland-Ukraine und damit verbundene Kettenreaktionen wie hohe Preise für Energie und Treibstoffe. Neu hinzu gekommen sind Hiebsbotschaften, dass die US-Botenbank FED in Zukunft eine aggressivere Zinspolitik betreiben wird, mehrere Leitzinserhöhungen in grösseren Schritten seien zu erwarten bis eine Inflationsabschwächung sichtbar sei.
Eskalierend wirkte auch ein Nato-Beitritt Finnlands und Schwedens. Gegenüber Finnland haben die Russen den Ölhahn bereits ab Samstag zugedreht.   
Nordkorea berichtete über einen starken Corona-Ausbruch. China gelten immer noch Lockdows in einzelnen Städten. Eine neue Krankheit, die Affenpocken bereitet Ängste. Erste Fälle sind in Europa bereits aufgetreten. Fachleute rechnen jedoch nicht mit einer neuen Pandemie.
In der Schweiz erwartet der Branchenverband (VSE) starke Preiserhöhungen bis zu 20 Prozent für Elektrizität.
An der Währungsfront sind USD und der EUR wieder etwas schwächer. Kryptowährungen haben sich nach dem Absturz wieder stabilisiert, der russische Rubel hat sich überraschend deutliche erholt. Erdöl bleibt nach Schwankungen tendenziell fest wegen Befürchtungen einer weiteren Verknappung.
Vom 22.-26. Mai 2022 findet das in Davos das WEF statt. Es wurde Corona-bedingt verschoben und steht im Zeichen der Krisen – Ukraine, Energie- und Rohstoffpreise, Rezession, Pandemien, Klima usw.

Unternehmensnachrichten

Die Aktienbörsen hatte die schlechteste Woche seit zwei Jahren hinter sich. Der Wochenverlust des SMI beträgt 2.7 Prozent auf  11‘309 Indexpunkte. Betroffen waren alle Branchen, Grosskapitalisierte Werte wie Nestlé-Aktien verloren am Donnerstag ebenfalls überdurchschnittlich.
Beim Hersteller von Luxusgütern Richemont ist der Umsatz gegenüber der Vorperiode 2020/21 um 46 Prozent auf EUR 19.2 Mrd. Im Vergleich zu vor zwei Jahren (vor Corona), lagen die Umsätze um 35 Prozent besser. Gedämpfte Aussichten beim Chinageschäft liessen am Freitag den Aktienkurs zeitweise um 12 Prozent fallen.
Die Ratingagentur Moody`s hat den Ausblick für die Credit Suisse auf „negativ“ gesenkt. Angesichts erwarteter Verluste und Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten korrigierte Moody‘s die Erwartungen für 2022 und 2023 weiter nach unten. Verwaltungsrat und Geschäftsleitung stehen stark unter Druck.
Die Immobiliengruppe Intershop darf das Entwicklungsprojekt „Aupark“ in Wädenswil weiter ausbauen. Es gingen bis zum Ablauf der Frist keine Rekurse ein. Es entsteht ein Quartier mit 230 neuen Wohnungen.
Neues IPO (Erstkotierung) - die Gewerbeimmobiliengesellschaft Epic Suisse will ab 25. Mai an die Schweizer Börse SIX. Die Preisspanne beträgt 67 bis 77 Fr. für die 2,9 Mio. zur Ausgabe gestellten Titel.

Aussichten

Die Russen sind davon ausgegangen, mit einem Blitzkrieg gegen die Ukraine ihre Ziele zu erreichen. Was aber passiert ist, das ist bis jetzt ein dreimonatiger Verschleisskrieg mit Tausenden von Toten und Verletzten – auch auf russischer Seite – riesige Zerstörungen und Millionen von Flüchtigen. Noch ungewiss ist das Ausmass der Folgeschäden und beidseitigen Auswirkungen der Sanktionen. Die Energiepreise bleiben hoch, Rohstoffe und Lieferketten werden künstlich verknappt, die Notenbanken wollen die Leitzinsen weiter anheben, um die Teuerung zu bekämpfen. Dadurch werden auch Rezessionszeichen gesetzt. Es könnte sein, dass die Wirtschaftsräume USA, Europa und Asien gleichzeitig davon betroffen sind, was es noch nie gab. Einkommen verlieren durch Inflation an Wert. Wohnkosten, Transporte, Produktepreise und verschiedene Dienstleistungen werden teurer. Die Unternehmenszahlen sind zurzeit noch gut, aber die Margen dürften unter Druck geraten. Geld anlegen wird anspruchsvoller. Bei Kursübertreibungen nach unten könnte sich aber Schnäppchenjagd bald wieder lohnen. 

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24