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21.05.2022

«Hätte nicht gedacht, dass er noch die Kraft hat, zu sprayen»

Auf der Ufnau prangen zwei Sprayzeichnungen von Harald Naegeli an der Wand des Beinhauses.
Auf der Ufnau prangen zwei Sprayzeichnungen von Harald Naegeli an der Wand des Beinhauses. Bild: Martin Risch
Nach der Spray-Aktion von Harald Naegeli auf der Ufnau vor zwei Wochen hat sich an der Eröffnungsfeier zur diesjährigen art ufnau auch der Abt von Einsiedeln zum Kunstwerk geäussert.

An der Eröffnungsfeier zur Ausstellung «Dämonie aus dem Unbewussten – Ein Bilderzyklus der Vergänglichkeit » sprach Abt Urban direkt auch auf die Strichmännchen von Harald Naegeli an. In seiner Ansprache vor geladenen Gästen am vergangenen Donnerstag nahm er die Graffiti am Beinhaus der Kirche St. Peter und Paul zum Anlass, um über Vergänglichkeit und Versöhnung zu sprechen.

«Vergänglichkeit» als das Thema

Die art ufnau solle ganz bewusst auf der Insel stattfinden und Kunst zeigen, die in der Tradition der Insel stehe. Diese Kunst rege seit über 1000 Jahren schon zum Nachdenken an, gerade auch zum Nachdenken über «Vergänglichkeit ».

Er schilderte seine Begegnung mit dem Künstler Harald Naegeli an jenem kalten Januarmorgen dieses Jahres, als sie gemeinsam die Insel besuchten. «Das erste, was ich von Harald Naegeli sah, war ein Rollstuhl, der aus dem Schiff geladen wurde. War das nicht ein erstes Zeichen der Vergänglichkeit? Nein, ich hätte nicht gedacht, dass er noch die Kraft hat,hier auf der Insel zu sprayen.»

Wie wir wissen, hat der Künstler dann doch die Kraft gehabt und zwei tanzende Skelette hinterlassen. Die gesprayten Figuren passten sehr gut an die Aussenwand des Beinhauses, wie der Abt mit Verweis auf die dargestellten Dämonen im Innenraum der Kirche sagte. «Nun ist die Nordwand auch von aussen her mit den Dämonen des Todes durch die Hand Harald Naegelis versehen worden.

Sie waren nicht als Teil der Ausstellung geplant und ich hätte sie ihm, wie gesagt, kräftemässig nicht zugetraut. Aber ich muss gestehen: Der Ort ist richtig gewählt, weil er schon vor 1000 Jahren dafür gewählt wurde.» Die Zeichnung von Naegeli führe aussen weiter, was drinnen schon lange vor ihm angelegt worden sei: «Es ist vergängliche Kunst, die auf die Vergänglichkeit hinweist und darauf, dass wir unsere Dämonen der Verneinung anschauen und gar bekämpfen müssen. »

Provokant und aktuell

Mit dem Hinweis auf das angebaute Beinhaus provoziere Naegelis Kunst erneut: «Mach etwas aus deinem Leben, die Zeit läuft. Die Sanduhr ist darum vom Westen her sichtbar.»

Sein Schaffen zudem könnte aktueller nicht sein: «Die Kriege dieser Welt, vor allem jener in der Ukraine, stellen uns vor Augen, was es heisst, wenn unsere Dämonen entfesselt und nicht versöhnt werden: Brutalität und grausames Morden beherrschen ganze Gebiete unserer Erde», wie Abt Urban in seiner Ansprache betonte, die für Interessierte in vollem Wortlaut online auf www. kath.ch nachzulesen ist.

Martin Risch, March24/ Linth24