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Kaltbrunn
19.05.2022
18.05.2022 16:20 Uhr

Lärmsanierungsprojekt Kaltbrunn: Mitwirkung

Übersichtskarte der vom Projekt betroffenen Kantonsstrassenabschnitte in Kaltbrunn (rot markiert).
Übersichtskarte der vom Projekt betroffenen Kantonsstrassenabschnitte in Kaltbrunn (rot markiert). Bild: Tiefbauamt Kanton St.Gallen / dBAkustik GmbH
Wegen der Überschreitung von Lärmgrenzwerten bei einigen Kaltbrunner Liegenschaften entlang der Kantonsstrassen startet das St.Galler Tiefbauamt die Mitwirkung für ein Lärmsanierungsprojekt.

Durch die Gemeinde Kaltbrunn verlaufen die Kantonsstrassen Rickenstrasse-Benknerstrasse und Uznacherstrasse-Gasterstrasse. Entlang der Strasse sind bei einigen Gebäuden die gesetzlichen Lärmgrenzwerte überschritten.

Das Tiefbauamt St.Gallen hat darum als Eigentümerin der Strasse und gestützt auf das eidgenössische Umweltschutzgesetz Lärmschutzmassnahmen geprüft und ein Sanierungsprojekt ausgearbeitet. Das Projekt wird vom 16. Mai bis 16. Juni 2022 einem Mitwirkungsverfahren unterstellt (siehe Inserat).

Temporeduktion, lärmarmer Belag und Schallschutzfenster

Die LinthSicht-Redaktion hat die zuständige Projektleiterin der Fachstelle Immissionen, Jeannette Madörin, zum Interview getroffen.

Frau Madörin, als Eigentümerin der Kantonsstrassen, welche durch das Dorf Kaltbrunn verlaufen, beabsichtigt das Tiefbauamt des Kantons St.Gallen punktuell den Bau von lärmvermindernden Massnahmen. Auslöser dafür sind Lärmgrenzwerte, welche an gewissen Orten zu hoch sind.
Korrekt, das Lärmsanierungsprojekt in Kaltbrunn berücksichtigt als Massnahmen gegen den Lärm eine Temporeduktion, einen lärmarmen Belag und Schallschutzfenster, jedoch keine Lärmschutzwände.

Wie oft werden entsprechende Lärmmessungen gemacht, welches sind die Grenzwerte und auf welchem Messzeitpunkt basiert Ihre eingangs beschriebene Absicht?
Die Kantonsstrassen auf Gemeindegebiet von Kaltbrunn tragen gemäss Strassenlärmbelastungskataster (LBK) des Bau- und Umweltdepartements des Kantons St.Gallen wesentlich zur Überschreitung der Immissionsgrenzwerte bei und sind deshalb gemäss den Vorgaben des Umweltschutzgesetzes und der Lärmschutz-Verordnung zu sanieren.
Die massgebenden Grenzwerte sind in der Lärmschutz-Verordnung definiert. Für bestehende Anlagen, wie die Kantonsstrassen in Kaltbrunn, gelten die Immissionsgrenzwerte. Die Grenzwerte sind je nach Empfindlichkeitsstufe unterschiedlich. Diese Empfindlichkeitsstufen sind in den kommunalen Zonenplänen festgesetzt.
Die Lärmimmissionen der einzelnen Liegenschaften und unbebauten Parzellen werden als Beurteilungspegel anhand von Berechnungen mit einem dreidimensionalen Modell ermittelt. Dabei wird die absehbare Entwicklung des Verkehrs, im Sinne der Vorsorge, mitberücksichtigt (gemäss Leitfaden Strassenlärm von BAFU und ASTRA). Konkret wurde der Lärmpegel im Lärmsanierungsprojekt Kaltbrunn für das Jahr 2035 berechnet.

Wie stark können solche Massnahmen den Lärm für die Anwohnerinnen und Anwohner vermindern?
Beispielsweise bringen hochwirksame lärmarme Beläge eine Lärmreduktion von mindestens –3 dB(A), in der Anfangszeit sogar mehr.
Eine solche Lärmminderung bedeutet vergleichsweise eine Halbierung des durchschnittlichen täglichen Verkehrs. Geschwindigkeitsreduktionen können, je nach den tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeitsniveau, im gleichen Rahmen wie lärmarme Beläge wirksam sein.

Wenn solche Anti-Lärmmassnahmen umgesetzt werden, wer kommt für die dadurch entstehenden Kosten auf?
Die Kosten trägt grundsätzlich der Verursacher, also bei Strassen der Strasseneigentümer. Beim Lärmsanierungsprojekt Kaltbrunn zahlt das Tiefbauamt des Kantons St.Gallen über die Strassenkasse die Lärmschutzmassnahmen. Der Bund zahlt je nach Massnahme unterschiedliche Beiträge daran.

Wie ist das weitere Vorgehen geplant, welches sind die einzelnen Schritte und deren allfällige Abhängigkeiten?
Das Lärmsanierungsprojekt Kaltbrunn wird zwischen 16. Mai bis 16. Juni 2022 auf der kantonalen Online-Seite zur öffentlichen Mitwirkung aufgeschaltet. Nach dem Mitwirkungsverfahren wird das definitive Bauprojekt ausgearbeitet und der Gemeinde zur politischen Anhörung gemäss Art. 35 des Strassengesetzes unterbreitet. Danach wird das Genehmigungs- und Auflageverfahren eingeleitet.

Was ist der Zweck des Öffentlichen Mitwirkungsverfahren und welche Möglichkeiten eröffnen sich dadurch den Einwohnerinnen und Einwohnern?
Stellungnahmen und Anregungen zum Projekt können gerne über den nebenan vermerkten Pfad eingereicht werden. Zur Einsicht und Teilnahme sind alle eingeladen, die sich für das Projekt interessieren und gerne zur Entwicklung einer optimalen Lösung beitragen möchten.

Welches sind Alternativen zu den erwähnten Massnahmen?
Lärmsanierungsprojekte haben einen bundesrechtlichen Auftrag zu erfüllen und das Vorgehen der Prüfung von Lärmschutzmassnahmen erfolgt immer nach dem gleichen Schema. Zuerst sollen Massnahmen an der Quelle geprüft werden, wie beispielsweise lärmarme Beläge oder Geschwindigkeitsreduktionen. Anschliessend sind Massnahmen auf dem Ausbereitungsweg, z.B. Lärmschutzwände auf ihre Verhältnismässigkeit zu prüfen. Reichen solche Massnahmen nicht aus oder sind nicht tragbar (unverhältnismässig), so kommen allenfalls Ersatzmassnahmen (Schallschutzfenster) zum Tragen.

Wo können sich interessierte Einwohnerinnen und Einwohner zu diesem Thema informieren?
Informationen, hilfreiche Links und Merkblätter finden Sie auf der Internetseite der Fachstelle Immissionen und für den Digitalen Lärmbelastungskataster hier.

LinthSicht / Gemeinde Kaltbrunn