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Kolumne
30.04.2022

Aktienmärkte auf Trendsuche

Christopher Chandiramani: «Die Investoren bleiben weiterhin vorsichtig aufgrund der gegenwärtigen Situation.»
Christopher Chandiramani: «Die Investoren bleiben weiterhin vorsichtig aufgrund der gegenwärtigen Situation.»
Nach einem schwachen Start holten die Aktienmärkte zögernd wieder auf. Der SMI stieg auf 12‘129 Indexpunkte und verzeichnete per Saldo kaum Änderungen in der vergangenen Woche. Der April geht mit einem Minus zu Ende.

Die Probleme bleiben unverändert, Krieg in der Ukraine, Zinsängste und Lockdown in China.
Es gab diese Woche auch Bemühungen zur Beendigung des Krieges. UNO-Generalsekretär António Guterres besuchte Moskau und Kiew, eine Schweizer Parlamentsdelegation reiste ebenfalls die Ukraine mit positiven Vermittlungsabsichten – bisher war aber leider alles erfolglos.
Die französische Wirtschaft verzeichnete in den ersten Monaten 2022 ein Nullwachstum. Die Inflation stieg in der EU auf 7.5 Prozent im März, in Österreich sogar auf 8.5 Prozent, in den USA ebenfalls, die höchste seit 40 Jahren. In der Schweiz danke Frankenaufwertung lediglich 2.4 Prozent. 

Unternehmensergebnisse

Der Freitag, 29. April, war ein Tag mit vielen Generalversammlungen, namentlich Baloise, SNB, CS, Metall Zug, VP Bank Vaduz, Zürcher Landbank sowie das EW Jona-Rapperswil.
Einen Eklat gab es bei der Credit Suisse. Die Generalversammlung verweigerte der Führung die Entlastung. Das kommt in der Schweiz selten vor. Gründe waren krasse Managementfehler und die Milliardenverluste bei den Fonds Archegos und Greensill. Auch das erste Quartal 2022 war negativ. Aufgrund von Rückstellungen und Sondereffekten verzeichnete die Bank einen Verlust von CHF 273 Mio. Trotzdem stieg der Aktienkurs am Freitag um 6.5 Prozent aufgrund von Deckungskäufen.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat in den ersten 3 Monaten 2022 ebenfalls negativ abgeschlossen. Kursverluste auf Aktien, Zinspapieren und Devisen, vor allem auf dem EUR, waren dafür verantwortlich. Der Verlust von Januar bis März 2022 betrug CHF 32.8 Mrd. Allerdings sind hier die Gewinnschwankungen oft heftig und nichts Aussergewöhnliches.
Am Montag publizierte Swiss Life ihren Bericht über die Finanzlage und die unverändert starke Bilanz. Weitere Infos gab es zur Geschäftstätigkeit, dem Risikomanagement und der Solvabilität. Die Swiss Life ist der viertgrösste Liegenschaftsbesitzer der Schweiz nach den SBB, dem Militär und dem Kloster Einsiedeln.
Der Transport- und Logistikkonzern Kühne+Nagel war ein Gewinner des Lieferkettenproblems. Der Nettoumsatz im ersten Quartal 2022 um 68 Prozent auf CHF 10.16 Mrd. Franken. Gleichzeitig verbesserten sich auch die Gewinnzahlen massiv. Der operative Gewinn (EBIT) kam bei 1.12 Mrd. nach 431 Millionen zu liegen, der Reingewinn bei CHF 832 nach 318 Mio.
Das Biotechnologieunternehmen Bachem beginnt eine Kooperation mit Eli Lilly- das Auftragsvolumen beträgt CHF 100 Mio. jährlich.
Die Aktien des Softwarehauses Temenos legten im Wochenverlauf einen Kurssprung hin. Händler verwiesen auf Übernahmespekulationen. Die Gesellschaft wollte diese Gerüchte nicht kommentieren.

Aussichten

Die Investoren bleiben weiterhin vorsichtig aufgrund der gegenwärtigen Situation, den wirtschaftlichen und geopolitischen Problemen wie dem Krieg, Lieferengpässen, Inflation, Zinserhöhungen sowie Corona-bedingten Lockdown in China. Auch die Rezessionsängste nehmen zu. Die Energie- und Lebensmittelversorgung bleibt zukünftig unsicher. Hier könnte die Teuerung nochmals stark zunehmen. Zu denken geben auch Zwischenergebnisse amerikanischer Grosskonzerne wie Amazon, Microsoft, Alphabet (Google), Meta (Facebook), welche die Erwartungen nicht erfüllt haben und den Technologiesektor und die New Yorker Leitbörse unter Druck setzen. Pessimisten reden auch bereits vom Ende der Globalisierung. Somit dürften in den kommenden Monaten die Märkte belastet bleiben. Geld anlegen wird zunehmend anspruchsvoller.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24