Home Region Sport In-/Ausland Magazin Agenda
Region
31.03.2022

Zusatzrunde für A15-Gaster wegen Riet-Schutz

Das St.Galler Tiefbauamt will den Variantenfächer für den Abschnitt Kreisel Grynaustrasse – Tunnel Rotfarb (Nr. 4 bis 6) wieder öffnen.
Das St.Galler Tiefbauamt will den Variantenfächer für den Abschnitt Kreisel Grynaustrasse – Tunnel Rotfarb (Nr. 4 bis 6) wieder öffnen. Bild: www.a15-gaster.ch
Ein neues Gutachten bestätigt die schwerwiegende Beeinträchtigung des Naturschutzgebiets Kaltbrunner Riet durch die geplante A15-Gaster. Nun sollen für einen Abschnitt neue Varianten geprüft werden.

Gutachten bestätigt negative Folgen auf das Kaltbrunner Riet

Um die negativen Auswirkungen der regionalen Verbindungsstrasse A15-Gaster auf das Schutzgebiet Kaltbrunner Riet zu verringern, hat das kantonale Tiefbauamt 2021 die Linienführung verbessert. Der Abstand zum Naturschutzgebiet wurde um 30 bis 60 Meter vergrössert. Damit tangiert das Strassenverkehrsprojekt das Riet, das zum Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung gehört, nicht mehr direkt.

Zudem wurde das Trasse tiefergelegt, um Licht und Lärm zu reduzieren. Die Strasse würde dadurch landschaftlich weniger stark in Erscheinung treten als die ursprüngliche, ebenerdige Variante.

Auch die optimierte Linienführung beim Riet fiel bei der eidg. Natur- und Heimatschutzkommission durch. Bild: www.a15-gaster.ch

Schwerwiegende Beeinträchtigungen auch bei überarbeiteter Linienführung

Die eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) hat im ersten Quartal 2022 das Genehmigungsprojekt für die regionale Verbindungsstrasse A15-Gaster mit der überarbeiteten Linienführung überprüft. In ihrem abschliessenden Gutachten kommt sie zum Schluss, dass das Vorhaben Natur und Umwelt trotz der Verbesserungen schwerwiegend beeinträchtigen würde. Die Kommission bestätigt damit im Grundsatz ihre erste Stellungnahme von Dezember 2020. Das Projekt tangiere das Schutzgebiet nun zwar nicht mehr direkt, aber nach wie vor indirekt.

Die ENHK hält in ihrem Gutachten fest, dass das Strassenbauprojekt vor allem die Lebensräume der Wasser- und Zugvögel sowie weitere auf Feuchtgebiete angewiesene Brutvogelarten beeinträchtigen würde. Im Besonderen weist sie auf die negativen Auswirkungen auf lärmempfindliche Vogelarten hin. Mit der Tieferlegung des Strassenabschnitts würde gemäss Gutachten die Durchlässigkeit für Kleintiere und Amphibien lokal eingeschränkt. Die Akzeptanz für die geplanten Querungsbauwerke sei bei den betroffenen Arten indessen ungeklärt.

In ihrem Gutachten macht die ENHK noch einmal darauf aufmerksam, dass die geplanten ökologischen Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen aus rechtlichen Gründen nicht in die Beurteilung der ENHK eingeflossen seien. Ebenso unerheblich sei, dass mit der bestehenden Benknerstrasse bereits eine Beeinträchtigung des Schutzgebiets bestehe.

Tiefbauamt kündigt Analyse und Suche nach neuer Variante an

In einem nächsten Schritt wird das Tiefbauamt das Gutachten der ENHK analysieren. Die Verkehrsentlastung von Uznach ist weiterhin ein zentrales Anliegen. Deshalb ist vorgesehen, den Variantenfächer für den Abschnitt Grynaustrasse bis Rotfarb noch einmal zu öffnen.

Trotz der anspruchsvollen Ausgangslage wird weiterhin eine Lösung angestrebt, die sowohl technisch als auch umweltrechtlich überzeugt und die verkehrliche Situation in und um Uznach nachhaltig verbessert.

Region Zürichsee-Linth steht weiter hinter der A15-Gaster

Das kantonale Tiefbauamt hat die Region Zürichsee-Linth am 28. März 2022 im Rahmen eines Informationsgesprächs über das Fazit des ENHK-Gutachtens informiert. Zusammenfassend kommt die eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission zum Schluss, dass das Projekt Regionale Verbindungsstrasse A15-Gaster im Bereich des Schutzgebiets Kaltbrunner Riet zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung von Natur und Umwelt führen würde.

Bedauern bei der Region Zürichsee-Linth

Die Region Zürichsee-Linth hat diese Botschaft mit einer gewissen Ernüchterung zur Kenntnis genommen. 2021 hat das Tiefbauamt umfangreiche Projektoptimierungen erarbeitet. Um die Tierwelt vor Lärm- und Lichtemissionen zu schützen, wurde das Trassee tiefergelegt. Zudem wurde der Abstand zum Naturschutzgebiet nochmals vergrössert. Anders als die heutige Benknerstrasse hätte das Neubauprojekt das BLN-Schutzgebiet nicht direkt tangiert.

Dass das Urteil der ENHK trotzdem negativ ausfällt, bedauert die Region Zürichsee-Linth – gleich wie den Umstand, dass die umfangreichen ökologischen Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen aus rechtlichen Gründen nicht in die Beurteilung der ENHK eingeflossen sind.

Nachhaltige Verkehrs- und Siedlungsentwicklung

Das Tiefbauamt hat angekündigt, das Gutachten in den nächsten Wochen sorgfältig zu analysieren und eine Gesamteinschätzung vorzunehmen. Gestützt darauf soll für den Abschnitt Tunnel Rotfarb – Grynaustrasse ein erneutes Variantenstudium erarbeitet werden. Die Region Zürichsee-Linth unterstützt dieses Vorgehen und insbesondere die Absicht, eine Zusatzrunde zu drehen und diesen Perimeter noch einmal grossräumig neu zu denken.

«Die Vertreter der politischen Gemeinden stehen weiterhin mit vereinten Kräften hinter dem wegweisenden Generationenprojekt.»
Félix Brunschwiler, Präsident Region Zürichsee-Linth

«Die Region Zürichsee-Linth ist nach wie vor überzeugt, dass das Projekt Regionale Verbindungsstrasse A15-Gaster für eine nachhaltige regionale Verkehrs- und Siedlungsentwicklung von hoher strategischer Bedeutung ist», erklärt RZL-Präsident Félix Brunschwiler. «Dem entsprechend stehen die Vertreter der politischen Gemeinden weiterhin mit vereinten Kräften hinter dem wegweisenden Generationenprojekt.»

Das Vorhaben führt zu einer Aufwertung der Siedlungsgebiete und damit einhergehend zu einer Verbesserung der Lebensqualität. Auch die Verkehrssicherheit wird verbessert. Es entstehen verträgliche regionale Strassenverbindungen. Zudem wird die Erreichbarkeit der Zentren optimiert.

Diego Forrer, Präsident der Standortgemeinde Uznach, ergänzt: «Dass es die regionale Verbindungsstrasse mehr denn je braucht, belegt auch ein Blick auf die kantonale Verkehrsstatistik.» 2021 hat der Durchgangsverkehr im Städtchen Uznach gegenüber dem Vorjahr um 3,1 % zugenommen. An Werktagen passierten durchschnittlich 16'819 Fahrzeuge die Zählstelle bei der Kirche. Zum Vergleich: Der Gotthard-Strassentunnel weist mit rund 17'500 Fahrzeugen ein ähnlich hohes Verkehrsaufkommen aus.

Staatskanzlei Kanton St.Gallen / Region Zürichsee-Linth