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Kolumne
27.02.2022
28.02.2022 10:18 Uhr

Dr. Gut: «Der Krieg und wir»

Dr. Philipp Gut: «Wir müssen uns wieder selbst verteidigen können.»
Dr. Philipp Gut: «Wir müssen uns wieder selbst verteidigen können.» Bild: Ukrainian Board Guard Press Off/AP/dpa / Linth24
Der Krieg in der Ukraine kann uns nicht kalt lassen. Die westliche Welt schaut zu und steht nackt da. Die Schweiz muss sich wieder selbst verteidigen können.
  • Kolumne von Dr. Philipp Gut

«Wir haben es alle nicht mehr für möglich gehalten: Mitten in Europa greift ein Land seinen Nachbarn an. Und erst noch einen, mit dem es historisch, kulturell und via Familienbande aufs Engste verbunden ist. Der Krieg, den Russlands Präsident Vladimir Putin gegen die Ukraine führt, ist ein Schock. Und eine Tragödie.
Dabei schauen wir zu, wie in einem Theater. Nur 1600 Kilometer Luftlinie entfernt warten die Bevölkerung von Kiew und der gewählte Präsident eines souveränen Staates darauf, dass die Aggressoren vor ihrer Haustüre stehen. Jederzeit den möglichen Tod vor Augen. Das kann uns nicht kalt lassen.

Bulldog-Rhetorik verfängt nicht

Die Regierungs- und Staatschefs der westlichen Welt, die der Ukraine seit Jahren Avancen machen, gefallen sich derweil darin, die angebliche Schärfe ihrer Sanktionen zu betonen. Als ob das Russlands Machthaber und obersten Kriegsherrn Putin beeindrucken würde.
Die Bulldog-Rhetorik kann es nicht übertünchen: Der Westen steht nackt da. Und die Ukraine ist auf Gedeih und Verderb auf sich allein gestellt.

Wahn vom ewigen Frieden

Die Europäer wähnten sich nach dem Ende des Kalten Kriegs und dem Zerfall der Sowjetunion am Ende der Geschichte, angekommen im Zustand eines ewigen Friedens, mit der Demokratie als alternativloser Staatsform.
Sie haben sich seither militärisch selbst derart geschwächt, dass sie nicht mehr verteidigungsfähig sind. Das gilt für die Wirtschaftsgrossmacht Deutschland ebenso wie für die Schweiz. «Die Bundeswehr, das Heer, das ich führen darf, steht mehr oder weniger blank da», sagt Generalleutnant Alfons Mais, der Generalinspekteur des deutschen Heeres. Die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr, auch im NATO-Bündnisfall, sei «extrem limitiert».

 Selbstdemontage der Armee

Auch in der Schweiz fand in den letzten drei Jahrzehnten eine beispiellose Selbstdemontage der Armee statt. Diese kann ihren verfassungsmässigen Verteidigungsauftrag nicht mehr erfüllen. Sie ist lediglich noch fähig, ein einziges strategisches Ziel wie den Flughafen Zürich drei Wochen lang zu schützen – danach ist Ende Feuer.

«Solidarität» ist Schall und Rauch

Das Drama in der Ukraine zeigt uns mit aller Härte, was eigentlich eine Binsenweisheit ist, aber was wir im geschichtsblinden Rausch seit 1989/1991 vergessen haben: Die Weltpolitik ist kein Mädchenpensionat, und wir dürfen uns im Ernstfall nicht auf unsere Freunde verlassen. All die schönen Worte von «Solidarität» usw., die jetzt aus London, Berlin und Paris in Richtung Ukraine erschallen – sie sind Schall und Rauch. Sie schützen kein einziges Menschenleben.

Bürgerliche Mehrheit setzte Armee in Schilf

Die Schlussfolgerung ist so einfach wie existenziell: Wir müssen uns wieder selbst verteidigen können. Das fängt beim Luftraum an und führt über die Boden-Luftabwehr bis zur Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft, um die lebenswichtige strategische Infrastruktur zu schützen.
Der 24. Februar 2022, der Tag, an dem Putin die Ukraine überfiel, muss der Anfang vom Ende der Armeeabschaffer aller Couleur sein. Dabei sind die Linken nicht das Hauptproblem. Die bürgerliche Parlamentsmehrheit, der Bundesrat und die Armeespitzen haben die Armee eigenhändig dorthin gebracht, wo sie heute steht: hoffnungslos im Schilf.»

Dr. Philipp Gut schreibt auf dem Online-Verbund von Portal24 jede Woche eine Kolumne, die auf den 17 dem Verbund angeschlossenen Portalen jeden Sonntagmorgen publiziert wird. Philipp Gut ist Geschäftsführer des Referendumskomitees «Staatsmedien Nein», Buchautor, Verleger der «Umwelt Zeitung» und einer der profiliertesten Journalisten der Schweiz. Mit seiner Kommunikationsagentur Gut Communications GmbH berät er Parteien, Verbände, Unternehmen und Privatpersonen.

www.gut-communications.ch

Dr. Philipp Gut, Kolumnist Linth24