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Kolumne
22.01.2022

Aktienmärkte: Ausverkaufsstimmung

Börsenanalyst Christopher Chandiramani: «Die Stimmung an den Aktienmärkten ist momentan schlecht.»
Börsenanalyst Christopher Chandiramani: «Die Stimmung an den Aktienmärkten ist momentan schlecht.» Bild: zVg.
Berits die dritte Woche in Folge seit Jahresbeginn dominieren Teuerungs- und Zinsängste. Gute Zahlen der Unternehmungen verpuffen. Die Anleger reagieren zurzeit mit grösseren Kursabgaben. Kriegsängste zwischen Russland und der Ukraine belasten zusätzlich. Die Corona-Pandemie bleibt ein Blindflug.

Derzeit herrscht die Meinung vor, dass die US-Notenbank ab März die Leitzinsen stärker anhebt, 0.5 anstatt 0.25 Prozent. Auch die EU wäre davon betroffen. Die Teuerung ist hier zwar tiefer als in den USA, aber ebenfalls hoch. Man ist sich aber bewusst, dass das stark verschuldete Südeuropa höhere Zinsen nicht erträgt.
Die Corona-Fallzahlen steigen immer noch an, in der Schweiz über 35‘000 Positivtests täglich. Das heisst auch vermehrte Absenzen, bedingt durch Krankheit und Quarantäne. Österreich führt ab Februar die Impfpflicht ein, Deutschland plant diese ebenfalls.
Schlagzeilen gab es in der Berichtswoche über die US-Luftfahrt wegen Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G. Frequenzüberlagerungen könnten die Höhenmesser und andere Instrumente der Flugzeuge stören. Die grossen US-Telekomgesellschaften AT&T und Verizon arbeiten an Lösungen.
Der Bitcoin hat nach schwachem Verlauf am Freitag weitere 6 Prozent verloren.

Unternehmensnachrichten

Einer der spektakulärsten Kursbewegungen der Woche waren in den USA die Aktien des Film- und Streaming-Anbieters Netflix. Die Zahl der Neuabonnemente ist kaum gewachsen im Vergleich zur Lockdown-Periode, auch die  Zahl der Konkurrenten nimmt zu. Die Aktie fiel um fast 20 Prozent an einem einzigen Tag.
An der Schweizer Börse gab der abrupte Abgang des VR-Präsidenten der Credit Suisse, António Horta-Osório zu reden. Ihm wird die Schuld an einigen früheren Finanzskandalen angelastet, sowie eine wiederholte Verletzung von Corona- und Quarantäne-Vorschriften, Als Nachfolger wurde Axel Lehmann gewählt.
Der Ostschweizer Zugbauer Stadler Rail hat seinen grössten Auftrag der Firmengeschichte an Land gezogen. Stadler soll bis zu 504 Fahrzeuge für deutsche und österreichische Städte liefern und unterhalten. Darüber hinaus besteht eine Option zur Bestellung weiterer 258 Fahrzeuge. Das Volumen beträgt vier Milliarden Euro.
Die Zuger Kantonalbank hat im vergangenen Jahr den Gewinn gesteigert. Das operative Ergebnis verbesserte um 5.8 Prozent auf 110.6 Millionen Franken. Die Aktionäre erhalten eine unveränderte Dividende von 220 CHF je Aktie. Die Hypothekarbank Lenzburg hat im Geschäftsjahr 2021 die Einnahmen ebenfalls gesteigert. Davon sollen die Aktionäre in Form einer höheren Dividende teilhaben. Insgesamt stieg der Geschäftserfolg um 4.2 Prozent auf 21.7 Mio. CHF. Die Ausschüttung soll von 110 auf 115 CHF je Aktie steigen. Erfolgsfaktor ist bei beiden Banken vor allem das höhere Hypothekarvolumen. Steigende Zinsen heisst hier eine Margenverbesserung.
Der Luxusgüterhersteller Richemont hatte trotz des Pandemiejahres ein starkes Wachstum. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2021-22 stieg der Umsatz im Vergleich um 35 Prozent auf 5.6 Mrd. EUR.
Weniger Glück hatte der Stromhändler Alpiq. Früher war die Gesellschaft kotiert unter dem Namen Aare-Tessin. Heute gehört die Firma regionalen Versorgern. Diese Aktionäre mussten über CHF 220 Mio. Kapital einschiessen, um eine Insolvenz abzuwenden. Probleme waren steigende Strompreise, die langfristigen Lieferverträge, ein langer Unterbruch des KKW Leibstadt sowie Abschaltung von Kraftwerken in Frankreich.
Abgesackt sind die Aktien des Vermögens- und Fondsverwalters GAM nach einer Verlustwarnung, Wochenverlust 12, Jahresverlust rund 40 Prozent. 

Aussichten

Die Stimmung an den Aktienmärkten ist momentan schlecht. Die Inflation in den USA und Europa ist hauptsächlich auf teurere Rohstoffe und Energie zurückzuführen. Lieferengpässe (vor allem Chips) spielen eine Rolle und auch die Wirtschaft hat sich generell nach den Corona-bedingten Lockdowns zu schnell erholt. Würden sich die Rohstoffreise zur Jahresmitte wieder beruhigen, würde dies auch zu einer Entspannung der Zinsen beitragen. Dann wären Qualitätsaktien wie beispielsweise Belimo, Alcon, Lonza, Sika, Partners Group, Sika, Givaudan und Geberit, die über zehn Prozent verloren haben, wieder auf interessantem Niveau.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24