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Kolumne
16.01.2022

Dr. Gut: «Mediengesetz – so funktioniert der Berner Filz»

Nationalrätin Aline Trede (r.) kämpft fürs Mediengesetz, welches das Projekt ihres Mannes Joël Widmer (m.) subventionieren würde. Dr. Gut dazu: «So bleibt die Beute im Haus.»
Nationalrätin Aline Trede (r.) kämpft fürs Mediengesetz, welches das Projekt ihres Mannes Joël Widmer (m.) subventionieren würde. Dr. Gut dazu: «So bleibt die Beute im Haus.» Bild: Linth24
Wir müssten Online, Online, Online fördern, fordert die grüne Nationalrätin Aline Trede. Ihr Mann, der ehemalige «Blick»-Politikchef Joël Widmer, würde davon direkt profitieren.
  • Kolumne von Dr. Philipp Gut

Im «Tagesgespräch» auf Radio SRF vom 14. Januar legte sich die grüne Nationalrätin Aline Trede voll ins Zeug für das Mediengesetz, über das wir am 13. Februar abstimmen. Kaum hatte die Sendung begonnen, brachte sie von selbst die Online-Förderung ins Spiel – bevor der Moderator überhaupt eine entsprechende Frage stellen konnte. Die neuen direkten Subventionen seien ein «sehr wichtiger Teil des Pakets», legte Trede los. Die Online-Förderung sei wichtig, «für mich ist das die Zukunft», wiederholte sie. Wie sehr das auch persönlich zu verstehen ist, werden wir gleich noch sehen.

Ihr Kontrahent, der FDP-Nationalrat Ruedi Noser, hielt dagegen: Die neuen direkten Subventionen seien staatspolitisch schädlich, da sie eine «politische Finanzierung» der Medien darstellten. Ausserdem würde ein bestimmtes, von der Politik vorgegebenes Geschäftsmodell zementiert und bevorteilt, da nur Medien mit Bezahlschranke subventioniert würden – und Gratismedien (wie etwa dieses) nicht.

Brisante Verbindung verschwiegen

So weit, so absehbar. Doch eine entscheidende Information wurde den Hörerinnen und Hörern vorenthalten. Es gab einen grossen schnarchenden Elefanten im SRF-Studio, den niemand erwähnte. Dieser Elefant heisst «Hauptstadt». So nennt sich ein Berner Onlineprojekt, das ab März 2022 publizieren will. Treibende Kraft dahinter ist der Journalist Joël Widmer, ehemals Politikchef der Ringier-Blatts «Blick» – und Ehemann von Aline Trede.

216'144 Franken obendrauf

Mit einer (grünen) Nationalrätin liiert zu sein, ist an sich nicht ehrenrührig. Der Clou liegt nun aber darin, dass Widmers «Hauptstadt» genau nach jenem Modell aufgebaut wird, für das mit dem neuen Mediengesetz Subventionen fliessen. «Bis Ende des Crowdfundings lösten 3'002 Menschen ein Jahresabo für 120 Franken», heisst es auf der Website. Das gibt einen Betrag von 360'240 Franken. Eine hübsche Summe, die bei Annahme des «Massnahmenpakets zugunsten der Medien» massiv aufgestockt würde – mit Steuergeldern. Denn gemäss der neuen Online-Förderung bekäme die «Hauptstadt» 60 Prozent der Abo-Einnahmen obendrauf vom Bund geschenkt, ohne auch nur einen Finger rühren zu müssen. Das sind – Abo-Stand nach Ende des ersten Crowdfundings – nochmals 216'144 Franken. Gibt zusammen bereits weit über eine halbe Million.

Die Beute bleibt im Haus

Wie eng dieser Polit-Medienfilz gewoben ist, zeigt der Umstand, dass die Website der «Hauptstadt» Kontaktsuchende an den Sonneggring 15 in Bern verweist. Dort wohnt das Subventionsjägerpaar Trede/Widmer. So bleibt die Beute im Haus.

Dr. Philipp Gut ist Journalist, Buchautor und Inhaber der Kommunikationsagentur Gut Communications. Zudem ist er Geschäftsführer des Abstimmungskomitees medien-massnahmenpaket-nein.ch.

Dr. Philipp Gut, Kolumnist Linth24