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Rapperswil-Jona
23.12.2021
23.12.2021 09:36 Uhr

In 111 Tagen mit dem Einkaufswagen nach Moskau

Im Januar erzählt Christian Zimmermann in Rapperswil-Jona von seinen Erlebnissen auf seiner ungewöhnlichen Reise.
Im Januar erzählt Christian Zimmermann in Rapperswil-Jona von seinen Erlebnissen auf seiner ungewöhnlichen Reise. Bild: Christian Zimmermann
Christian Zimmermann machte eine Reise, wie es wohl noch niemand gemacht hat: Er lief nach Moskau und zwar nur mit einem Einkaufswagen. Im Linth24-Interview erzählt er von den Hintergründen und Erlebnissen.

Mit dem Flugzeug oder dem Zug sind schon viele nach Moskau gereist – doch so wie Christian Zimmerman haben es wohl die wenigsten gemacht: Innert 111 Tagen lief er von Flumenthal bis nach Moskau und zwar nur mit einem Einkaufswagen, gefüllt mit seiner gesamten Campingausrüstung mit Zelt, Schlafsack, Matte, Kocher, 10 bis 12 Liter Wasser und Proviant für jeweils 4 Tage, Kleider zum Wechseln und die üblichen Gegenstände für den täglichen Bedarf. 90 Kilogramm wog das beladene Wägeli, mit welchem er ungefähr 35 Kilometer pro Tag und insgesamt 3'392 zurücklegte.

Seine Reise fand zwar bereits vom 5.Mai 2019 bis 23. August 2019 statt, doch am 12. Januar 2022 erzählt er im Katholischen Kirchgemeindehaus Jona von seinen Erlebnissen. Im Linth24-Interview gibt Christian Zimmermann nun im Voraus schon ein paar Einblicke in die ungewöhnliche Reise.

Über Stock und Stein: Christian Zimmermann reiste mit seinem Einkaufswagen bis nach Moskau. Bild: Christian Zimmermann

Interview mit Christian Zimmermann

Linth24: Wie kamen Sie auf die Idee, eine solch lange Reise auf sich zu nehmen?
Christian Zimmermann: Im Jahr 2016 wollte ich wieder einmal etwas abenteuerliches erleben und es musste eine Reise sein bei der ich mit eigener Muskelkraft von A nach B komme. Ich entschloss mich damals nach Australien zu reisen und ich wollte etwas zu Fuss machen. Da die Distanzen «Down Under» gewaltig sind, wusste ich, dass ich neben meiner gesamten Campingausrüstung auch bis zu 30 Liter Trinkwasser und Proviant für 10 Tage mitnehmen muss. Da kommt natürlich ein Rucksack nicht in Frage – viel zu schwer!

Da kam die Idee mit dem Einkaufswagen auf?
Auf der Suche nach einem geeigneten Transportmittel kam mein Bruder Andreas auf diese eigentlich absurde Idee. «Nimm doch einen Einkaufswagen, da hast du garantiert genügend Platz und diese Dinger kannst du überall für einen Franken mieten!»

Und wie kamen Sie auf die Destination Moskau?
Das langsame Reisetempo hat mir dann so gut gefallen, dass ich meine «Mrs. Molly the shopping trolley» am Ende dieses Trips eingeschifft habe. Nach 3 Monaten konnte ich sie dann in der Schweiz in Empfang nehmen. Während meines Marsches durch Australien hatten sich natürlich schon einige Ideen entwickelt für weitere Einkaufswagen-Reisen. Und warum nicht vor meiner Haustür in Flumenthal starten, mit dem Ziel Moskau?

Auch viele Hindernisse mussten überwunden werden. Bild: Christian Zimmermann

Wie reagierten Leute aus Ihrem Umfeld auf diese Idee?
Zuerst hat mir niemand geglaubt, dass ich diese Idee in die Realität umsetzen würde. Als das Projekt aber immer mehr Gestalt annahm, wurde ich für verrückt erklärt: «Das geht doch nicht … das ist viel zu heiss, zu anstrengend und zu gefährlich … und dann lauern da noch all diese giftigen Tiere …»

Und wie war die Reise dann tatsächlich?
Mein Spaziergang nach Moskau hat meine Erwartungen definitiv übertroffen. Für mich war die gesamte Strecke durch Osteuropa absolutes Neuland. Und ich wurde vor allem von der Offenheit, Gastfreundschaft und Grosszügigkeit der Menschen, die ich unterwegs traf, immer wieder überrascht.

Wie fühlten Sie sich, als Sie in Moskau angekommen sind?
Im ersten Moment wollten die Emotionen nicht so recht aufkommen, da ich noch voll im Reisemodus war. Als ich dann aber wirklich auf dem Roten Platz einmarschierte, war das schon ein fantastisches Gefühl. Sogar eine kleine Delegation der Schweizer Botschaft in Moskau wartete bereits auf dem Platz und empfing mich mit Schweizerfähnchen. Zwei Tage später waren Molly und ich noch ganz offiziell in der Botschaft zu Gast.

Nach 111 Tagen kamen Christian Zimmermann und «Mrs. Molly» schliesslich in Moskau an. Bild: Christian Zimmermann

Sie erzählen ja bald in Rapperswil-Jona von Ihren Erfahrungen. Können Sie trotzdem jetzt schon von einem Erlebnis berichten, dass Sie niemals vergessen werden?
Der Besitzer einer kleinen Freiluftbeiz in Polen lebte 30 Jahre in Australien. 2016 las er in Sydney in einer Zeitung von einem Typen, der mit einem Einkaufswagen den gesamten Kontinent durchquert. Und dann stand ich, 3 Jahre später mit demselben Einkaufswagen bei ihm auf der Matte – wie klein ist doch die Welt!

Haben Sie vor, bald wieder eine solche Reise zu veranstalten? 
Ich habe bereits einige Ideen, wo ich mit meinen Einkaufswagen hingehen könnte. In den nächsten 2-3 Jahren werde ich sicher wieder einen längeren Spaziergang unter die Füsse, respektive Rollen nehmen. Mrs. Molly muss sich noch ein wenig gedulden!

Auf seiner Reise traf Christian Zimmermann auch ganz viele Leute. Bild: Christian Zimmermann

Erzählung in Rapperswil-Jona

Am 12. Januar 2022 erzählt Christian Zimmermann im Katholischen Kirchgemeindehaus Jona live in seiner Reportage, was er alles auf seiner irrwitzigen Reise erlebt hat.

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Linda Barberi, Linth24