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Kolumne
18.11.2021
18.11.2021 10:32 Uhr

«BAG-Bewerber» Feltre zum Impfdörfli

«BAG-Bewerber» Mauro Feltre hat einige – sarkastische und humorvolle – Vorschläge für das Impfdörfli.
«BAG-Bewerber» Mauro Feltre hat einige – sarkastische und humorvolle – Vorschläge für das Impfdörfli. Bild: Keystone/ Linth24
Linth24 hat einen neuen – satirischen – Kolumnisten: Mauro Feltre. Seine im Internet veröffentlichen Bewerbungsschreiben als BAG-Mitarbeiter sind legendär. Feltre hat neue Ideen, wie das Impfdörfli im HB Zürich zum Erfolg wird.
  • Kolumne von Mauro Feltre

Meine Bewerbung beim BAG, die Fortsetzung…

Grüezi Herr Berset

Ich bin es wieder, Ihr hoffentlich zukünftiger BAG Mitarbeiter. Nun, nach meiner Bewerbung vor gut einem Monat, und meinen drei zusätzlichen, kompetenzaufzeigenden Schreiben, bin ich etwas enttäuscht. Ich konnte mir zwar in den sozialen Medien eine begeisterte Community (so sagt man heute den Leuten, denen meine Schreibereien gefallen) aufbauen. Von Ihrer Seite fehlt allerdings weiterhin jegliche Reaktion, geschweige denn eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.

Daher habe ich mir überlegt – soll ich aufgeben oder nicht? Und nein, ich gebe nicht auf. Den Posten in Ihrem BAG möchte ich unbedingt. Da Sie einige Ideen und Konzepte aus meinen vergangenen Schreiben bereits umgesetzt haben, gehe ich davon aus, dass Sie meine strategische Weitsicht durchaus schätzen. Vermutlich haben Sie vor lauter Fernseh- und Pressekonferenz-Auftritten einfach keine Zeit, um mich zu kontaktieren.

Ich mache mir Sorgen und muss mich zum Thema Impfdörfli einbringen. Es tut mir Leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass hier, in meinem Kanton Zürich, das Impfdörfli im HB zur absoluten Lachnummer verkommen ist. Da nützen auch alle Erfolgsberichte in der – so hört man es oft, Ihnen zugeneigten – Presse nichts. 

Dass all diejenigen, die sich noch nicht geimpft haben, auch das Impfdörfli NICHT besuchen werden, war mir schon von Beginn weg klar. Ihnen nicht? Das Gastronomieangebot war einfach zu einseitig. Sorry, das war ja wie auf jedem Dorf-Jahrmarkt. Bieder, verstaubt, bürgerlich.

Immerhin – im Vergleich zur vollkommen missratenen Impfmarketingkampagne, die auf junge, gesunde, ausgehfreudige Menschen gerichtet war, wurde im Impfdörfli mit Raclette und Berliner eine sich ungesund ernährende, übergewichtige und kreislaufschwache Risikogruppe angesprochen. So weit, so gut. Dass das Ganze dann zur Kaffeeklatsch-Runde für Rentner, die sich die Booster Impfung holen wollten, verkommen ist, lässt sich meiner Meinung nach NICHT entschuldigen.

Ich möchte mich daher, für zukünftige Impfdorf-Konzepte, gleich selbst empfehlen.

Meine Idee: Wir kaufen die ganz MODERNEN Impfstoffe, die zurzeit (wegen Nebenwirkungen) in mehreren Ländern für unter 30-jährige, in Island sogar für alle Altersklassen, verboten wurden, zu einem Liquidationspreis auf. Dann finanzieren wir mit dem Einkaufsgewinn ein Gastronomieangebot, das sich gesalzen hat. Vegane Impf-Burger, Vakzin-Chicken, Aperol-Spritz-Dich, Booster-Shots, und, und, und...

Sie sehen, meine Vermarktungsideen sind, in aller Bescheidenheit, von ganz anderer Qualität als das banale Impfdörfli-Marktangebot.

Zudem konzentrieren wir uns auf die Booster-Impfung. Auch da werden wir etwas Budget brauchen. Wir müssen da kommunikativ sehr subtil vorgehen. Subtilität, das ist Ihre Königsdisziplin. In der Hinsicht lerne ich sehr gerne noch dazu. Ich darf dazu vielleicht eine Idee einbringen!?

Wie wäre es, wenn wir den Leuten erklären, dass die Booster Impfung sich mit der Zeit selbst Re-boostert und weitere Booster in Zukunft nicht nötig sein werden. Die Schutzdauer der Booster Impfung wurde ja am 26. Oktober, innert 24 Stunden, von Ihrem hausinternen Impfstrategen von Null auf 365 Tage erhöht. Ich denke, da können wir jetzt gut erzählen, dass sich die Schutzdauer dann nach 365 Tagen automatisch um – sagen wir mal 180 Tage – verlängert. Boost and Auto-Reboost. Die Leute mögen diese Wortspiele. Ich sehe schon die Werbeplakate vor mir. Wundervoll. Informieren Sie bitte schon mal Ringier und Blick und Tagi und Co. Ich freue mich schon wie ein kleines Kind über meine Ideen auf deren Titelseiten.

Hochachtungsvoll, ihr (hoffentlich) zukünftiger, und immer noch auf ein Vorstellungsgespräch wartender, BAG Mitarbeiter.

Mauro Feltre

Mauro Feltre berät mit seiner Firma digitelliQ.ch Firmen und entwickelt Zukunftsstrategien. Er plädiert dafür, die Mitarbeitenden in die Unternehmens-Entwicklung einzubeziehen. Darum hat er sich beim BAG schon mehrfach auf satirische und humorvolle Weise als Mitarbeiter beworben – erhielt aber noch keinen Vorstellungstermin.

Mauro Feltre, Kolumnist Linth24