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Leserbrief
Gesundheit
21.09.2021

«Geiselhaft oder fürsorgerischer Freiheitsentzug?»

Ruedi Haug aus Jona schreibt: «Mit der erweiterten Zertifikatspflicht übt unsere Landesregierung indirekten Druck auf bis dato noch Ungeimpfte aus.»
Ruedi Haug aus Jona schreibt: «Mit der erweiterten Zertifikatspflicht übt unsere Landesregierung indirekten Druck auf bis dato noch Ungeimpfte aus.» Bild: Ulrike Huber
Ein Linth24-Leser schreibt, wer sich gerne impfen lassen wolle, der soll. Jede Person habe sich dazu ihre Gedanken gemacht. Das Gleiche soll aber auch für die Ungeimpften gelten.

«Am Mittwoch 8. September 2021 hat Gesundheitsminister Alain Berset (sekundiert von Lukas Engelberger) Präsident der Kantonalen Gesundheitsdiktatorenkonferenz – sorry freudscher Versprecher – ich meinte natürlich Gesundheitsdirektorenkonferenz, die Zweiklassengesellschaft, sprich die Ausdehnung der Zertifikatspflicht, verkündet. Die Landesregierung und ihr Panikorchester – ich meine natürlich ihre persönliche PR- und Marketingabteilung, sprich Blick, 20 Minuten, Tages-Anzeiger, NZZ, etc. – haben diesen Schachzug über die letzten 1 ¾ Jahre exzellent vorbereitet. Der dauerlügende Gesundheitsminister, seines Zeichens Politik- und Wirtschaftswissenschaftler und sein Sekundant der Gesundheitsdiktatorenkonferenz – ups schon wieder – als langjähriger Unternehmensjurist in der Pharmabranche tätig – sorry bitte keine Verschwörungstheorien – nehmen einen grossen Teil der Bevölkerung in Geiselhaft oder nennen wir es einfach fürsorgerischen Freiheitsentzug.

Nicht gewollte Teilhabe

Zur Erklärung: Geiselhaft ist die unbeabsichtigte, nicht gewollte Teilhabe (einer Person, einer Gruppe, eines Volkes oder dergleichen) an der Verantwortung für eine Situation, die man nicht selbst verschuldet hat und die aus eigenen Kräften nicht zu ändern ist (Quelle: Wiktionary).

Fürsorgerischer Freiheitsentzug ist eine Massnahme zum Erwachsenenschutz. Es handelt sich um eine (kurzfristige) kontrollierte Einweisung einer/eines eigentlich mündigen Bürgerin/Bürgers in eine geeignete Anstalt. Bedingungen dafür sind, eine Selbst- und/oder Fremdgefährdung, psychische Störungen, geistige Behinderung oder Verwahrlosung sowie fehlende andere Betreuungsmöglichkeiten. Wenn ich mir die Menschen anschaue, die dem Druck der Politik nicht nachgeben, werden diese Bedingungen niemals erfüllt. Fazit: Wir werden nicht in eine Anstalt eingewiesen sondern von Teilen des sozialen Lebens ausgeschlossen. Verrückte Welt, oder?

Impfen als einzige Alternative gesehen

Die anhaltend angespannte Lage in den Spitälern sowie die hohe Zahl der «Ansteckungen» dienen als Begründung für diese Verschärfung. Ich muss es, für diejenigen die es noch immer nicht wahrhaben wollen, leider wiederholen: Seit Mitte 2020 wurde die Intensivbettenzahl in der Schweiz um ca. 50 Prozent reduziert. Dies in einer Zeit, in der das gefährlichste Virus seit Menschengedenken – bitte verzeihen Sie mir die Panikmache à la Leitmedien – grassiert. Statt die schon seit Jahren andauernde Personalknappheit im Pflegebereich zu beheben resp. die Attraktivität dieses Berufsstandes zu fördern und die Arbeit auch entsprechend zu vergüten, setzt die Regierung lieber auf eine Impfung, möglichst für die ganze Bevölkerung. Dies unter dem Titel: Impfen ist die einzige Alternative im «Krieg» gegen den Coronavirus.

Das Gewerbe wird ruiniert

Natürlich trifft diese Massnahme wieder die bereits bis anhin schon stark gebeutelten Gewerbezweige Gastronomie, Fitnesscenter sowie viele Kulturbetriebe. Die Betreiber/innen dieser Einrichtungen werden zu Massnahmen verdonnert, die nur wenige wirklich gewollt haben. Dies mit der Drohkulisse einer anhaltend angespannten Lage in den Spitälern oder als Alternative einen allfälligen weiteren Lockdown. Was ist schlimmer? Das Gewerbe sofort zu ruinieren oder ihm langsam über eine längere Zeit den Todesstoss zu versetzen? Kein Unterschied, am Ende machen alle dicht, nur die grossen Ketten nicht.

Geringster Widerstand der Landkirchen

Der geringste Widerstand bezüglich der schärferen Massnahmen kommt – das ist jedoch meine subjektiven Wahrnehmung – aus der Kulturszene sowie von den beiden sogenannten Landeskirchen. Sie fragen sich warum? Viele dieser Einrichtungen sind entweder vom Staat, vom Kanton oder von der Gemeinde oder bisweilen auch von allen dreien subventioniert oder lassen die Steuergelder über den Staat eintreiben. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

Indirekter Druck mit der Zertifikatspflicht

Mit der erweiterten Zertifikatspflicht übt unsere Landesregierung indirekten Druck auf bis dato noch Ungeimpfte aus und trägt damit aktiv zur Spaltung der Bevölkerung bei. Nur deshalb haben in den vergangenen Tagen die Besuche in Impfzentren und bei mobilen Impfangeboten zugenommen. Nicht Impfwillige haben sich dort eingefunden, sondern Impfgenötigte. Ich möchte an dieser Stelle Milosz Matuschek mit folgenden Worten zitieren: «Was Freiheit genannt wird, ist nur eine Art Hafterleichterung wegen guter Führung im grossen Corona-Krankenhausgefängnis, in welches diese Welt inzwischen verwandelt worden ist.» Kurz und knapp auf den Punkt gebracht.

Hohe Infektionsraten trotz hoher Impfquoten

Lukas Engelberger, Präsident der Kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz – ich lasse die Gendersprache der Einfachheit halber mal weg – will uns tatsächlich weiss machen, dass Länder mit einer sehr hohen Impfquote eine bessere Ausgangslage haben als die Schweiz. Könnte es sein, dass seine Informationsquellen ihm verschweigen oder unterschlagen haben, dass Länder wie Israel, Island, Seychellen oder Singapur mit den höchsten Impfquoten auch enorm hohe Infektionsraten und damit auch entsprechende Spitaleinweisungen haben? Natürlich interessiert es unsere Politiker kaum und wenn dann mal der Bezug zu solchen Ländern hergestellt werden soll, wird schnell abgeblockt und darauf verwiesen, dass wir hier nur über die Schweiz reden. Für die Aufrechterhaltung des Narrativ gilt die ganze Welt, für den kritischen Vergleich nur die Schweiz.

Gar nicht einlösbares Freiheitsversprechen

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal Milosz Matuschek zitieren: «Die Politiker wedeln mit einem Freiheitsversprechen (Zertifikat), das Sie gar nicht einlösen können. Sie verkaufen der Öffentlichkeit ein Impfabonnement. Die Impfung jedenfalls scheint so gut zu funktionieren, dass es dafür nicht nur staatlichen Zwang braucht, sondern immer weitere Booster und «Auffrischungen», nach dem Motto: Wenn es schon zweimal nicht hilft, hilft es sicher ein drittes Mal.»

Gegenteilige Ansichten aushalten

Fazit: Wer sich gerne impfen lassen will, der darf und soll. Jede Person hat sich dazu seine Gedanken gemacht und im Endeffekt selbständig entschieden. Das Gleiche soll aber auch für die Ungeimpften gelten. Auch sie haben sich frei und mit guten Gründen gegen eine Impfung entschieden. Diese gegenteiligen Ansichten sollte eine zivilisierte Gesellschaft aushalten und damit umgehen können. Ich jedenfalls wünsche mir mehr Achtsamkeit und Toleranz im Umgang miteinander.»

Ruedi Haug aus Jona