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Rapperswil-Jona
08.09.2021
08.09.2021 07:49 Uhr

Matthias Ackeret: «Schreiben ist meine Leidenschaft»

Verleger und Autor Matthias Ackeret (l.) und Alberto Venzago, für welchen er das Buch «SMS an Augusto Venzini» geschrieben hat.
Verleger und Autor Matthias Ackeret (l.) und Alberto Venzago, für welchen er das Buch «SMS an Augusto Venzini» geschrieben hat. Bild: Linth24
Der Verleger Matthias Ackeret hat mit dem Buch «SMS an Augusto Venzini» ein neues Buch vorgelegt. Linth24 befragt den Ex-Rapperswiler über seine Karriere als Buchautor.

Linth24: Matthias Ackeret, Sie haben jahrelang in der Altstadt von Rapperswil als Chefredaktor des Online-Magazins persoenlich.com gearbeitet. Haben Sie heute zu unserer Stadt noch eine Beziehung?

Matthias Ackeret: Ja, sicher. Rapperswil ist immer noch mein Sehnsuchtsort, ich war ja schliesslich 13 Jahre am Hauptplatz tätig, als der «persönlich»-Verlag dort stationiert war. Nachdem ich die Firma 2014 erwerben konnte, sind wir nach Zürich gezogen, weil sich dort die ganze Kommunikationsbranche befindet. Mit Christine Schnyder, die mit mir bei TeleZüri arbeitete und heute mit ihrer Familie in Rapperswil wohnt, tausche ich mich regelmässig aus. Dank unserem Verlagsleiter Roman Frank, der auch in Rappi lebt, weiss ich immer noch, was in der Stadt und am oberen Zürichsee passiert. Zudem werde ich – was mich sehr freut – regelmässig an die Knie-Urpremiere eingeladen. Roger Federer hingegen kenne ich nicht, aber der ist ja auch noch nicht ganz bei Euch angekommen (lacht).

«Blochers neues Buch war in einer Woche ausverkauft»
Matthias Ackeret, Verleger und Autor

Sie sind TV-Promi, Chefredaktor des Medien- und Werbeportals persoenlich.com und der Zeitschrift «persönlich», Verleger und Buchautor. Was fasziniert Sie am Buchschreiben?

«SMS an Augusto Venzini» ist mein fünfter Roman. Ich hatte das Glück, dass meine Bücher immer gute Kritiken hatten, so wurde «Elvis» im «Spiegel» besprochen und «SMS» vor drei Wochen in der deutschen Illustrierten «Bunte» empfohlen. Romanschreiben ist etwas vom Intimsten. Man gibt als Autor sein Innerstes preis und setzt sich der gnadenlosen Kritik aus. Ich schreibe immer Nachts und kann mich so in meine Fantasiewelt hineinversetzen. Parallel dazu ist gerade noch die 8. Auflage meines Longsellers «Blocher-Prinzip» erschienen, das wir mit dem Kapitel «Wie verhalte ich mich in der Krise?» ergänzt haben. Auf dem Cover der Blocher-Smiley mit Maske. Das Buch war innerhalb einer Woche ausverkauft und wir konnten bereits die 9. Auflage drucken, die jetzt überall erhältlich ist. Zudem tauchte es nach 14 Jahren wieder in der Schweizer Bücherbestsellerliste auf. Das war echt aussergewöhnlich.

Und nun ihr neues Buch, SMS an Augusto Venzini. Der Protagonist ist im realen Leben der Starfotograf Alberto Venzago, dem aktuell im Zürcher Museum für Gestaltung eine Werkschau gewidmet ist. Was brachte Sie dazu, das wilde Leben des Fotografen zu beschreiben – ja, es sogar noch zu überhöhen?

Diesen Roman habe ich für meinen guten Freund Alberto geschrieben. Ich setzte mir im Sommer 2019 nach einem Venedigaufenthalt das Ziel, bis Ende Jahr diesen Roman fertigzuschreiben. Da war Albertos runder Geburtstag, der Anfang 2020 stattfand. Irgendwie klappte es. Die Akteure im Buch habe ich verfremdet, die Geschichte, die in Zürich, Venedig, Paris und auf der Alp Tambo bei Splügen spielt, habe ich hingegen erfunden. Venzinis Gegenspieler, der böse Zürcher Anwalt Dr. Beat Pestalozzi, ist mein Alter Ego. Es ist der einzige Pandemieroman, der 2019 und 2025 spielt, also vor und nach Corona, wobei die Pandemie selbst keine Rolle spielt.

Wie würden Sie Ihr Buch SMS an Augusto Venzini zusammenfassend schildern?

Es ist die Geschichte eines Starfotografen, der durch die Bilder des Brandes der Notre-Dame weltberühmt wurde. Im Juli 2019 wird Venzini durch ein SMS nach Venedig gelockt und gerät in ein tödliches Duell. Es geht – wie meistens auch im realen Leben – um eine Frau. So gesehen entspricht es dem Zeitgeist. Mit 160 Seiten hat der Roman eine überschaubare Länge.

«Ich laufe jeden Tag 14'000 Schritte»
Matthias Ackeret, Verleger und Autor

Liest man Ihr Buch, fühlt man sich auf einer Berg- und Talbahn. Es geht rauf und runter, quer durch die Welt, vom amerikanischen Präsidenten und seiner Frau «Mel» nach Venedig und wieder hoch in die Schweizer Alpen. Entspricht diese Unruhe Ihrem Leben?

Unbedingt. Auch privat bin ich immer im auf Trab. Das liegt wohl an meinem Naturell. Zudem laufe ich jeden Tag seit Beginn der Pandemie – ohne Unterbruch – im Schnitt 14'000 Schritte, was angeblich die Lebensqualität erhöhen soll. Der österreichische Künstler und Sänger André Heller hat vor dreissig Jahren in einem Schawinski-«Doppelpunkt» gesagt, er wolle sich keinen Tag langweilen. Das hat mich beeindruckt.

Wollen Sie, statt wie Venzini ein Starfotograf, ein Starautor werden? Oder bleibt das Bücherschreiben Ihr Hobby?

Das bleibt Hobby. Vom Bücherschreiben zu leben, ist eine ganz grosse Liga. Nein, mein Hauptjob bleibt Verleger. Wir müssen schauen, dass wir unseren Verlag – übrigens auch ohne staatliche Unterstützung – mit seinen acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut über die Runden bringen.

«Dass Trump wieder als Präsident gehandelt wird, konnte ich bei Schreiben noch nicht ahnen»
Matthias Ackeret, Verleger und Autor

In Ihrem Buch wird Donald Trump nach vier Jahren Joe Biden erneut amerikanischer Präsident. Ist das Ihre Prophezeiung oder Fantasie?

Zuerst Fantasie. Als ich das Buch für Albertos Geburtstag schrieb, war Trump noch am Drücker. Jetzt, zwei Jahre später, nicht mehr. Um aktuell zu bleiben, musste ich die Realität ein bisschen vorwegnehmen. Dass nun Trump – nach Afghanistan – plötzlich wieder als nächster Präsident gehandelt wird, konnte ich beim Schreiben nicht ahnen. Habe aber schon einige Male die Erfahrung gemacht, dass man in der Fantasie reale Ereignisse vorwegnehmen kann. «On verra».

Wie viele Bücher gingen schon über den Ladentisch?

Die exakte Zahl kenne ich nicht. Aber die erste Auflage war innert drei Wochen ausverkauft, so dass wir nachdrucken mussten. Und es liegt – darauf bin ich wirklich ein bisschen noch stolz – beim Orell Füssli in Zürich immer noch auf dem grossen Tisch neben dem Eingang. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Tarantinos «Es war einmal in Hollywood.» Woraus man erkennt, dass Rappi und Los Angeles nicht einmal so weit auseinander liegen.

SMS an Augusto Venzini 

Hier bestellen: www.orellfuessli.ch

Bruno Hug, Linth24